10.08.12

Jahrelang

Sekte in Russland hält Kinder in unterirdischem Bunkersystem

In Russland sind in einem unterirdischen Bunker rund 60 Mitglieder einer islamischen Sekte entdeckt worden - darunter 27 Kinder.

Mit 27 Kindern hat eine Sekte in Russland mehr als ein Jahrzehnt in einem unterirdischen Bunkersystem gelebt. Einige der Kinder im Alter von 18 Monaten bis 17 Jahren hätten Anzeichen von Blutarmut oder Tuberkulose, teilten die Behörden in der muslimisch geprägten Stadt Kasan an der Wolga mit. Mehrere Minderjährige hätten noch nie einen Arzt besucht. Ein 17-jähriges Mädchen sei schwanger. Festnahmen gab es zunächst nicht.

Sozialarbeiter hätten von ungeheuerlichen Verstößen gegen sanitäre Vorschriften berichtet. Die fensterlosen Wohnzellen im Keller und unter der Erde hätten einem Ameisenhaufen geähnelt. Es gab keine Heizung, die Kanalisation habe nicht funktioniert. "Die Kinder waren schmutzig und trugen Lumpen", zitierte die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Donnerstag Ärzte.

Eltern dürfen Kinder erst nach Therapie zurückerhalten

Insgesamt hätten etwa 70 Sektenmitglieder auf dem Grundstück gelebt, teilte die Pressestelle des Gouverneurs der Teilrepublik Tatarstan mit. Der über 80 Jahre alte Anführer Faisrachman Satarow sei schwer krank und rede wirr. Gegen ihn und seine erwachsenen Anhänger werde unter anderem wegen Kindesmisshandlung und Willkür ermittelt. Das illegal erbaute Haus solle abgerissen werden.

Die Kinder kamen in Kliniken und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Pawel Astachow, der Agentur Ria Nowosti sagte. Astachow forderte, die Eltern dürften ihre Kinder erst nach langer Therapie zurückerhalten. Satarows Anhänger drohen der "Komsomolskaja Prawda" zufolge, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben.

Die "Faisrachmanisten" hätten sich bereits 2001 von der Außenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Der Grund war angeblich durchaus weltlich: Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt.

Keine Waffen und Drogen

Auf dem von Mauern umgebenen Gelände nahe einer Bahnstrecke steht Berichten zufolge eine Moschee. Zudem verfüge die Sekte über eigene Brunnen und sogar eine Dieselstation. Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab der selbst ernannte Prophet Satarow. Seine Anhänger durften – bis auf wenige Ausnahmen – das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.

Satarow hatte Medien zufolge bereits 1964 eine erste Vision und erklärte sich in den 1980er Jahren zum Propheten. In den 1990er Jahren kaufte er das etwa 700 Quadratmeter große Gelände am Stadtrand von Kasan rund 800 Kilometer östlich von Moskau.

Die Behörden waren im Zuge von Ermittlungen wegen des Mordes an einem muslimischen Geistlichen auf das Gelände aufmerksam geworden. Als ein Spezialkommando das Grundstück stürmte, hätten die Bewohner versucht, Gasbehälter zu öffnen. Waffen oder Drogen seien nicht gefunden worden.

Der Fall erinnert an ein Drama nahe der russischen Stadt Pensa, wo sich Ende 2007 etwa 30 Mitglieder einer Weltuntergangssekte, darunter auch Kinder, in ein unterirdisches Tunnelsystem zurückzogen. Erst nach Monaten kamen die letzten Anhänger heraus. Experten erklären den Boom von Sekten nach dem Zerfall der Sowjetunion vor gut 20 Jahren mit der Orientierungslosigkeit vieler Menschen. Vor allem Sekten hätten dieses ideologische Vakuum gefüllt.

Quelle: dpa/nbo
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