Apeldoorn
Das Motiv von Karst T. wird ein Geheimnis bleiben
Nach dem Anschlag auf Königin Beatrix, bei dem sieben Menschen starben, hat in den Niederlanden die Suche nach dem Motiv des Attentäters begonnen. Nachbarn war nicht entgangen, dass sich Karst T. in den vergangenen Monaten veränderte. Was aber wirklich in ihm vorging, kann dennoch niemand sagen.
Von Cordula Schmitz
Dem Schock und der Trauer über den Anschlag auf Königin Beatrix folgt in den Niederlanden die Ratlosigkeit. Bisher kann sich niemand das Motiv für die Amokfahrt erklären, bei der sieben Menschen starben und elf weitere verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass die Untersuchungen gegen den Attentäter nach seinem Tod eingestellt würden. Gleichwohl sollen 250 Polizisten nach Hinweisen für die Hintergründe suchen und eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt werden.
Fest steht bisher nur, dass Karst T. aus Huissen laut Obduktion an den Folgen seiner Schädelverletzungen starb. Alkohol war im Blut des Toten nicht nachzuweisen. Die Gerichtsmedizin soll jedoch Spuren von Haschisch entdeckt haben, die mehrere Wochen alt gewesen seien. Bei Karst T. aus Huissen handelte es sich um einen unauffälligen Mann, der zurückgezogen lebte und kaum Besuch bekam, berichteten Nachbarn der Zeitung "De Volkskrant". Er wohnte seit Monaten allein in der Burgracht in Huissen in der Provinz Geldern. Von einer Freundin oder Partnerin ist nichts bekannt. "Viel mehr als ein kurzes Schwätzchen hat er nie gehalten", sagt Jan D., der in dem Gebäude, das Karst T. bewohnte, eine Multimedia-Firma führt.
Allerdings entging den Nachbarn nicht, dass Karst T. sich in den vergangenen Monaten veränderte. "Er reagierte noch weniger und war noch kürzer angebunden als sonst, wenn man ihn traf. Er musste ja anscheinend ausziehen. Neue Mieter, die sich die Wohnung anschauen wollten, schickte er aber irritiert weg", sagte Jan D. der Zeitung "De Telegraaf".
Ein vorbildlicher Mieter sei Karst T. gewesen, der immer pünktlich zahlte, sagt sein Vermieter Siem Bosman. Bosman berichtet auch, dass T. seine Wohnung gekündigt hatte. Er soll bereits angefangen haben, seine Sachen in Kisten zu verpacken. Unauffällig wie er selbst sei auch die Wohnung, berichtete die Polizei. Weder hier noch in dem schwarzen Suzuki Swift, mit dem er in die Menschenmenge raste, fand sich Sprengstoff. T.'s Wohnung liegt ganz in der Nähe des beliebten Cafés "Het Moment" in Huissen. Doch auch da war er selten anzutreffen.
Vor etwa drei Wochen, nachdem er seinen Job in einem Versandhandel verloren hatte, ließ Karst T. sich seine Haare raspelkurz schneiden. Sein Kleidungsstil aber blieb unauffällig. "In seiner Freizeit hat man ihn meist in kurzen Hosen und hohen schwarzen Stiefeln gesehen", erzählt ein Nachbar. Was er dagegen in seiner freien Zeit tat, ob er Hobbys hatte, scheint keiner zu wissen.
Zwei Jahre zuvor wohnte T. noch in einem Appartement in Velp. Auch dort wird er als bescheidener Mann beschrieben, der stets seine Miete pünktlich zahlte. Bis jetzt gibt es keinen Hinweis, dass Karst T. sich in psychologischer oder ärztlicher Behandlung befand. Auch über die Mitgliedschaft in einer politischen Partei ist nichts bekannt. Nie war er durch kriminelles Verhalten aufgefallen. Was wirklich in Karst T. vorging, wird wohl nun für immer sein Geheimnis bleiben.
Niederländische Medien spekulierten am Samstag, dass die Sicherheitsvorkehrungen um die königliche Familie verstärkt werden würden. Der offene Umgang der Niederlande mit der Monarchin sei wohl auf lange Zeit vorbei.
Doch schon am Montag will Beatrix zusammen mit Thronfolger Prinz Willem-Alexander, 42, und Prinzessin Máxima, 37, an Veranstaltungen zum niederländischen Volkstrauertag teilnehmen, ebenso Dienstag zum Tag der Befreiung von der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg.
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