04.08.12

Dortmund

Kinder getötet - Freundin des Vaters unter Mordverdacht

Im Fall der drei getöteten Kinder in Dortmund wurde gegen die Lebensgefährtin des Vaters Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Quelle: Reuters
03.08.12 0:37 min.
Ein Junge und ein Mädchen im Alter von 4 und 12 Jahren wurden tot geborgen, ein 10-Jähriger Junge starb im Krankenhaus. Die Polizei untersucht, ob es in der Wohnung ein Kapitalverbrechen gegeben hat.

Nach dem gewaltsamen Tod von drei Kindern in Dortmund sitzt die 29 Jahre alte Freundin des Vaters in Untersuchungshaft. Die aus Bulgarien stammende Frau wurde mehrere Stunden verhört. Gegen sie sei Haftbefehl wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung ergangen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonnabend mit. Die Frau war bereits am Freitag festgenommen worden. Sie bestreitet allerdings, die Kinder ihres Lebensgefährten getötet zu haben. Das Alter der Tatverdächtigen war zunächst mit 30 Jahren angegeben worden.

Die Leichen des vierjährigen Mustafa und seiner zwölf Jahre alten Schwester waren am Freitagmorgen nach einem Feuer in der Wohnung der türkischstämmigen Familie in der nördlichen Dortmunder Innenstadt gefunden worden. Der zehnjährige Bruder der beiden, Mehmet, starb wenig später im Krankenhaus. Die Obduktionen ergaben, dass alle Geschwister durch eine Gewalttat starben.

Stichverletzungen an den Leichen

Zu den genauen Todesumständen machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Der Zehnjährige starb "nicht durch den Brand oder Rauchgas, sondern durch Gewalteinwirkung", hatte ein Polizeisprecher am Freitag gesagt. Mehreren Medienberichten zufolge sollen an der Leiche des Jungen Stichverletzungen gefunden worden sein. Dazu wollte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Gegen den 41 Jahre alten Vater Muharrem T. gibt es keinen Tatverdacht. "Er wurde nach einer ersten Befragung in die Obhut seiner Angehörigen übergeben", hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bereits am Freitag mitgeteilt. Mit der Bulgarin war er erst seit acht oder neun Monaten liiert.

Die Geschwister lebten mit dem Vater zusammen. Ihre Mutter war vor knapp drei Jahren im sauerländischen Werdohl bei dem Versuch zu Tode gestürzt, über einen Balkon in ihre irrtümlich verschlossene Wohnung zu gelangen. In der Wohnung befand sich das jüngste der Kinder, erst ein Jahr alt. Die 28-Jährige hatte ihre Wohnung verlassen, dann fiel die Tür zu. Sie versuchte anschließend, von einem darüber in der fünften Etage gelegenen Balkon hinabzuklettern. Ein Seil, das sie absichern sollte, riss. Beim Sturz wurde sie tödlich verletzt.

Zur Brandzeit soll der Vater nicht in der Wohnung gewesen sein. Nachbarn berichteten, er habe die Wohnung früh am Morgen vor dem Brand verlassen. Zum Zeitpunkt der Alarmierung hatte sich Muharrem T. wenig entfernt in einer Kneipe seines Onkels aufgehalten. Dorthin sei auch die Lebensgefährtin gekommen – mit einer Verletzung an der Hand. Sie gab laut Augenzeugen an, sie sei von Junkies überfallen worden. Gemeinsam sei das Paar zurück zu der Wohnung gegangen – wo bereits die Feuerwehr die Leichen der Kinder barg. Beide wurden daraufhin von der Polizei vernommen. Der Vater wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Er wird derzeit von Verwandten betreut.

Familie dem Jugendamt bekannt

Nachbarn berichteten zudem von einem lautstarken Streit zwischen dem Paar und dass der Vater mit der Familie in die Türkei auswandern wollte.

Bereits im Februar 2012 hatte es bei der Familie gebrannt. Damals hatten die Ermittler zündelnde Kinder verantwortlich gemacht. Die Wohnung im Obergeschoss desselben Mietshauses wurde verwüstet. Die obdachlos gewordene Familie fand im Erdgeschoss des Hauses Unterschlupf. Dort ereignete sich nun die Tragödie. Eine Sprecherin der Stadt Dortmund sagte den "Ruhr Nachrichten", die Familie sei dem Jugendamt bekannt gewesen, weil die Kinder sich häufig selbst überlassen waren. Erschütterte Nachbarn haben Blumen vor dem Brandhaus in der Nordstadt niedergelegt und brennende Kerzen aufgestellt. Die umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Es müssen noch weitere Spuren untersucht werden.

Quelle: dapd/dpa/AFP/sei
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