30.07.12

Reisekrankheiten

Wenn der Urlaub zum Gesundheitsrisiko wird

Die Ferien sind sicherlich die schönste Zeit des Jahres. Doch Vorsicht: Wer allzu gedankenlos in die Ferne reist, könnte mit Krankheiten im Gepäck wieder zurückkommen.

Foto: Centers for Disease Control and Prevention

Der Spulwurm, ein Parasit, ist in Asien weit verbreitet. Experten schätzen, dass etwa ein Fünftel der Menschheit mit dem Spulwurm infiziert ist. Die Würmer legen bis zu 200.000 Eier pro Tag und können zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss führen.

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Alle Sorgen einfach zu Hause lassen – das wünschen sich viele Urlauber. In der Tat ist ein wenig Abstand zum stressigen Alltag gesund.

Doch mit der Sorglosigkeit sollte man es nicht übertreiben: "Unfälle im Straßenverkehr stehen an erster Stelle der tödlichen Reisekrankheiten", sagt Sebastian Dieckmann, Leiter der Tropenmedizinischen Ambulanz der Charité in Berlin, "in vielen Ländern ist der Straßenverkehr viel ungeordneter und gefährlicher als in Deutschland. Hinzu kommt, dass Touristen oft leichtsinnig sind. Sie glauben, dass ihnen im Urlaub nichts passieren könne."

Gerade auf Reisen ist jedoch das Risiko besonders hoch. Andere Verkehrsregeln, wüste Straßenverhältnisse und ein unbekanntes Fahrzeug begünstigen Unfälle. Touristen sollten im Ausland eher noch vorsichtiger als zu Hause sein.

Achtung Entzündungsgefahr

Gefährlich wird es auch, wenn sich Urlauber allzu mutig an neuen Sportarten erproben. Das Risiko, sich dabei zu verletzen, ist hoch. Auch wenn es sich oft nur um Bagatellverletzungen handelt, so können sich auch diese entzünden.

"Oft versorgen Touristen ihre Wunden nur schlecht", kritisiert Dieckmann, "eine ausgiebige Wundreinigung ist aber gerade bei schlechten hygienischen Verhältnissen sehr wichtig." Der Experte rät daher, genügend Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel mitzunehmen.

Notfalls können auch einfachere Methoden helfen. "Ein Stück Seife aus dem Hotel genügt. Urlauber sollten sich nicht scheuen, das Wundgebiet gründlich einzuseifen und auszuwaschen. Das tut zwar etwas weh, beugt Entzündungen aber in der Regel sehr gut vor."

Sirrende Keimschleuder

In vielen Ländern ist das Risiko, von einer Mücke gestochen zu werden, deutlich größer. Dennoch sind viele Urlauber unachtsam beim Mückenschutz. Dabei können in Afrika, Südamerika und Asien die Nebenwirkungen weit über den nur lästigen Juckreiz und die Schwellung auf der Haut hinausgehen.

Mit jedem Stich drohen gefährliche Tropenkrankheiten. Vor Gelbfieber kann man sich immerhin durch eine Impfung schützen; Malaria und Dengue-Fieber ist schwieriger beizukommen. In Afrika ist das Risiko einer Malariainfektion besonders hoch. Die dort heimische Anopheles-Mücke trägt häufig Parasiten in ihrem Speichel, die bei einem Stich übertragen werden.

Charakteristische Schübe von hohem Fieber, Schüttelfrost und starken Kopf- und Gliederschmerzen zeigen eine Infektion an. Die Malaria tropica, eine besonders aggressive Form, ist schwer behandelbar und verläuft oft tödlich. Deshalb gilt: Wer in eine Hochrisikoregion wie Westafrika reist, sollte nicht nur auf ausreichenden Mückenschutz achten, sondern vorsorglich auch ein Anti-Malariamittel einnehmen.

Das Dengue-Virus könnte die Malaria überholen

Gegen das Dengue-Virus gibt es leider noch überhaupt keine medikamentöse Prophylaxe – auch wenn Forscher danach schon lange intensiv suchen.

Das Dengue-Fieber könnte die Malaria in Sachen Gefährlichkeit für Touristen bald überholt haben. Das Problem: Der Überträger des Dengue-Virus, die hauptsächlich in Asien lebende Aedes-Mücke, fühlt sich auch in Metropolen wohl. Zudem ist diese Mückenart tagaktiv.

Beides führt dazu, dass tendenziell noch mehr Menschen von einem Stich der Aedes-Mücke bedroht sind als von der Malaria-Mücke. Auch Großstadt-Touristen sollten sich deshalb gut wappnen – mit wirksamen Mücken-Reppellents und Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt.

Tückische Landesküche

Ob hausgemachte Spaghetti Vongole, frische Kokosnussmilch vom Palmenstrand oder das extra-scharfe Tikka Masala aus der neu entdeckten Hinterhof-Küche – Urlauber können sich oft noch Jahre später an den Geschmack landestypischer Gerichte erinnern.

Doch Vorsicht: Manchmal bleibt das kulinarische Experiment nicht aufgrund des einzigartigen Aromas, sondern der darauf folgenden Darmgrippe in Erinnerung. Der deutsche Urlauber erkrankt bei schlechten hygienischen Verhältnissen schnell.

Leitungswasser und rohes Gemüse sind tabu

Besonders in nicht ausreichend durchgegartem Essen und in Leitungswasser lauern Krankheitskeime wie die Shigellen. Schon zehn dieser winzigen Stäbchenbakterien können zu einer schweren Entzündung der Darmwand mit wässrigen Durchfällen führen.

"Von Leitungswasser, Salaten und insbesondere Dips lässt man lieber die Finger", rät Dieckmann. "Sie bieten einen idealen Nährboden für alle Arten von Bakterien."

Natürlich kann man nicht jedes Infektionsrisiko ausschließen, wenn man auf die einheimische Küche nicht ganz verzichten will. Damit eine falsche Mahlzeit aber nicht gleich den ganzen Urlaub zerstört, gehört ein Mittel gegen Durchfall in jede Reiseapotheke.

Impfung gegen Gelbsucht

Bereits vor dem Urlaub kann man einer Krankheit vorbeugen, die in vielen Urlaubsländern lauert: der Hepatitis A. Sie wird unter anderem durch verunreinigtes Wasser und ungenügend gegarte Lebensmittel übertragen und führt zu einer akuten Leberentzündung. Beim Verzehr von Meeresfrüchten und gedüngtem Gemüse ist das Risiko besonders hoch.

Im Gegensatz zum Reisedurchfall kann man der Hepatitis A mit einer Impfung vorbeugen. Sie wird mittlerweile vor allem bei längeren Auslandsaufenthalten in südlichen oder östlichen Länder empfohlen. Möglich ist auch eine Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B.

Die Schattenseiten der Sonne

Gerade in diesem Regensommer giert der deutsche Tourist nach Sonne. Oder besser gesagt: nach sehr viel Sonne. Wer dem Alltagsgrau einmal entflogen ist, möchte das schöne Urlaubswetter möglichst auskosten und verbringt oft den ganzen Tag im prallen Sonnenschein.

Doch was der Urlauber zunächst genießt, schadet seinem Körper oft sehr. Meist ist die Haut noch blass, gar nicht an die Sonne gewöhnt und der starken UV-Strahlung so schutzlos ausgeliefert. Je schlechter die Haut vorgebräunt ist, umso mehr wird das Erbgut der Zellen geschädigt. Mit jedem einzelnen Schaden steigt das Risiko für Hautkrebs.

Besser ist es daher, sich gründlich und regelmäßig mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor einzuschmieren. Sie fängt gefährliche UV-Strahlung ab, bevor sie die Zellen schädigen kann.

Sonne ist grundsätzlich schädlich

Aber selbst mit ausreichend Sonnencreme kann es für Sonnenbadende unangenehm werden. "Sonne ist grundsätzlich schädlich. Geringe Mengen sind zwar wichtig für die Vitamin-D-Produktion – aber alles, was darüber hinausgeht, kann dem Körper prinzipiell schaden", sagt Dieckmann.

Schaden nähme beispielsweise das Immunsystem. Gerade die starke Sonneneinstrahlung aus Regionen in der Nähe des Äquators schwäche die körpereigene Abwehr, weiß der Experte.

UV-Strahlung reizt die Hirnhäute

Darüber hinaus kann UV-Licht die Hirnhäute reizen. Wem zu viel Sonne auf den Schädel scheint, muss mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel rechnen. In extremen Fällen kann es sogar zu Bewusstseinsstörungen kommen.

Das Phänomen ist als "Sonnenstich" bekannt. Besonders Kinder und Glatzenträger sollten im Sonnenurlaub besser einen Kopfschutz aufsetzen. Kommt es dennoch zum Sonnenstich, heißt es möglichst schnell in den Schatten zu flüchten und die Kopf- und Nackenpartie mit feuchten Tüchern zu kühlen. Hilft das nicht, sollte man nicht zögern, einen Arzt zu konsultieren.

Unangenehme Souvenirs vom Urlaubsflirt

Gute Laune, süffige Cocktails und viel Lust auf Abenteuer – an der Hotelbar lässt es sich meist vortrefflich flirten. Oft wird aus dem Flirt auch ein bisschen mehr. Und dann wird in der ausgelassenen Urlaubsstimmung gerne der dringend notwendige Schutz missachtet oder schlichtweg vergessen.

Wer ohne Kondom von einem Bett ins nächste steigt, wird vielleicht ein Leben lang daran erinnert. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern ist die Durchseuchung mit HIV und Hepatitis C sehr hoch.

Doch auch in Europa sind die sexuell übertragbaren Krankheiten auf dem Vormarsch. Schuld ist daran nicht nur die sexuelle Freizügigkeit, sondern auch eine zunehmende Verharmlosung von Aids. Zwar lässt es sich mit HIV mittlerweile wesentlich besser leben als noch vor 20 Jahren – geheilt werden kann die Immunschwäche noch lange nicht.

Immer noch kein Heilmittel gegen Hepatitis

Ebenso wenig gibt es ein Heilmittel gegen die chronische Leberentzündung. Jährlich versterben etwa 600.000 Menschen an Hepatitis B und etwa 350.000 an Hepatitis C. Die Virusinfektion ist besonders in weiten Teilen Asiens verbreitet.

Die tückischen Erreger zerstören Leberzellen auf direktem und indirektem Weg und führen zu einer sogenannten Zirrhose, einer chronischen Vernarbung des Lebergewebes. Als weitere Folge kann ein aggressiver Tumor daraus erwachsen. Während man gegen die Hepatitis-B-Viren immerhin noch impfen kann, gibt es gegen die Hepatitis-C-Viren noch keine wirksame Immunisierung.

Prophylaktisch wirken nur die Vorsicht beim Kontakt mit Blutprodukten und der sichere Geschlechtsverkehr. Nur Kondome schützen vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten, von Syphilis über Tripper bis hin zu Aids. Besonders abenteuerlustige Urlauber sollten daher ausreichende Mengen in den Koffer packen.

Quelle: shl
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Infektionen auf Reisen
  • Malaria

    Gegen Malaria, die vor allem aus afrikanischen Ländern und auch Indien nach Deutschland importiert wird, gibt es keine Impfung. Als Chemoprophylaxe können vor Urlaubsbeginn sowie bis zu vier Wochen nach Verlassen des Reisegebietes Medikamente genommen werden. In Deutschland sind vier Mittel zugelassen, die entweder wöchentlich oder täglich eingenommen werden. Urlauber sollten sich zudem mit Mückenschutzmitteln und Insektennetzen vor Stechmücken schützen und ein Notfallmedikament einpacken. Eine Selbstbehandlung wird von Experten aber nur dann empfohlen, wenn ein Arzt nicht schnell genug erreichbar ist.

  • Gelbfieber

    Auch Gelbfieber wird von Mücken übertragen und kann unter Umständen tödlich enden. Das Virus kommt in bestimmten tropischen Regionen in Südamerika und Afrika vor. Eine Impfung ist möglich, sie muss spätestens zehn Tage vor Einreise erfolgen. Viele Länder verlangen von Reisenden, die aus einem Land mit Gelbfiebergebieten kommen, einen Nachweis im Impfpass.

  • Cholera

    Das Risiko für Touristen ist sehr gering. Zuletzt erkrankten in Deutschland 2007 zwei Indien-Reisende an Cholera. Dennoch sollte sollte gerade bei Fernreisen auf eine strikte Hygiene geachtet werden. Generell empfehlen Experten, in Ländern mit mangelnder Hygiene nichts zu essen, was nicht gekocht oder geschält werden kann. Auf Eiswürfel und Speiseeis sollte ebenfalls verzichtet werden.

  • Dengue-Fieber

    Das Virus wird von Stechmücken, vor allem in den Tropen und Subtropen übertragen. Dengue gehört inzwischen auch bei deutschen Reiserückkehrern zu den häufigen Infektionen. 2009 wurden in Deutschland rund 300 Fälle gemeldet. Am häufigsten infizierten sich Menschen in Thailand, Indien, Indonesien und Vietnam. Bislang gibt es weder Medikamente gegen das Virus noch eine Impfung. Die beste Vorbeugung ist ein effektiver Mückenschutz.

  • Durchfall

    Durchfallerkrankungen sind die häufigste Gesundheitsstörung während einer Reise. Meist ist er harmlos. Wen „Montezumas Rache" erwischt, sollte viel Flüssigkeit zu sich nehmen, am besten salzhaltige Elektrolytlösungen. Wenn Blut und Schleim im Stuhl auftauchen und es zu Fieber, Erbrechen, Schmerzen und Kreislaufstörungen kommt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

  • Typhus, Diphterie, Kinderlähmu


    Gefahr droht Reisenden im Ausland auch durch scheinbar weniger „exotische" Erreger. Eine Impfung ist generell empfehlenswert. Auch TETANUS (Wundstarrkrampf) und TOLLWUT kann durch Impfung vorgebeugt werden.

  • Hepatitis A und B

    Die Erreger dieser Leberentzüdung sind weltweit verbreitet, besonders in den Tropen. Bei der Hepatitis A lag der Anteil der „Reisehepatitis" zeitweise bei etwa 40 bis 50 Prozent aller in Deutschland gemeldeten Fälle. Während Hepatitis A vor allem durch Nahrungsmittel übertragen wird, infizieren sich Menschen mit Hepatitis B (Gelbsucht) vor allem über Blut- und Sexualkontakte. Gegen beide Virusinfektionen gibt es einen Impfschutz.

  • Hirnhautentzündung

    Urlauber, die ihre Ferien „gleich um die Ecke" in Süddeutschland, Österreich oder in Nordeuropa verbringen, sollten sich gegen Zeckenbisse impfen lassen. Die Holzböcke können Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen und eine virusbedingte auslösen, die auch zum Tod führen kann. AFP

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