22.07.12

Einsatz gegen Rocker

Polizei findet Kriegswaffe bei "Hells Angels"-Mitglied

Bei einem Mitglied der "Hells Angels" in Nordrhein-Westfalen hat die Polizei eine Panzerfaust gefunden. Ein Treffen in Brandenburg und eine Rocker-Bestattung auf Rügen blieben friedlich.

Foto: DAPD
Hells Angels
In Kolkwitz bei Cottbus wurden die Besucher einer Feier der "Hells Angels" von der Polizei kontrolliert

Bei einem Mitglied der Hells Angels Gummersbach ist eine Panzerfaust entdeckt worden. Eine Spezialeinheit der Kölner Polizei durchsuchte die Wohnung eines 37 Jahre alten Rockers im oberbergischen Engelskirchen. Zusammen mit einem nicht scharfen Gefechtskopf wurde die Übungspanzerfaust im Auto des Mannes gefunden. In der Wohnung stellten die Beamten zudem Platzpatronen und CDs mit rechtsradikaler Musik sicher.

Ermittlungen der Kölner Kriminalpolizei hatten ergeben, dass der Mann über Waffen verfügt. Daraufhin wurde ein Durchsuchungsbeschluss erlassen. Der Rocker wird zudem der rechten Szene zugeordnet.

Trotz des Waffenfundes wurde der Mann nicht festgenommen. Ein Sprecher der Polizei begründete dies damit, dass lediglich nicht scharfe Munition gefunden worden sei. Die Kölner Kriminalpolizei ermittle nun weiter und müsse unter anderem die Herkunft der Übungspanzerfaust klären.

"Panzerfäuste braucht niemand zur Ausfahrt mit dem Motorrad"

Seit Monaten gehen die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden gegen Rocker vor. Erst am Donnerstag wurden in neun Städten insgesamt 15 Privatwohnungen von Mitgliedern der verfeindeten Rockergruppierungen Hells Angels und Bandidos durchsucht. 150 Polizisten waren im Einsatz und beschlagnahmten zahlreiche Waffen. Allein bei einer Person wurden 50 Messer und drei Faustfeuerwaffen gefunden.

Den neuerlichen Waffenfund in Engelskirchen wertet NRW-Innenminister Ralf Jäger als weiteren Beleg für die kriminelle Energie der Rockerbanden. "Waffen, Messer oder Übungspanzerfäuste braucht niemand zur Ausfahrt mit dem Motorrad", sagte der SPD-Politiker. Die Verbrechen der Rockerbanden müssten auch weiterhin entschlossen bekämpft werden. "Die NRW-Polizei hält den hohen Fahndungsdruck aufrecht", versprach der Innenminister.

In den vergangenen zwei Jahren führte die Polizei nach Angaben des Innenministeriums bei 105 Rockertreffen Kontrollen und Razzien durch. Mehr als 7730 Personen und 4370 Fahrzeuge wurden überprüft. Dabei stellten die Beamten zahlreiche Hieb- und Stichwaffen sicher.

Jubiläumstreffen bei Cottbus

Eine Feier von mehr als 500 Rockern in Kolkwitz bei Cottbus verlief ruhig. Anlass war das fünfjährige Bestehen des Clubs der Hells Angels MC Cottbus. Das Treffen war von einem starken Polizeiaufgebot begleitet worden. "Unser Einsatzkonzept ist aufgegangen", sagte eine Polizeisprecherin. Die Rocker hätten keine Gelegenheit zur Machtdemonstration gehabt. "Es gab keine gewalttätigen Auseinandersetzungen."

Beamte kontrollierten an zwei Punkten der Zufahrtswege alle Personen und Fahrzeuge, die zum Fest wollten. Dabei stellten sie einige Messer sicher. Die Feier fand auf einem privaten Gelände statt. Das Vereinsheim ist von einem hohen Bretterzaun umgeben.

Treffpunkt sollte ursprünglich in Cottbus sein, was die Polizei aber aus Sicherheitsgründen untersagte. Bei einer Razzia bei Clubmitgliedern in der vergangenen Woche hatten die Beamten neben einzelnen Waffen ein ganzes Waffendepot beschlagnahmt.

Selbstauflösungen mindern Gefahr nicht

Nach Einschätzung von Fahndern mindern auch Selbstauflösungen von Rockerclubs deren Gefahr nicht. Diese Auflösungen seien bundesweit zu beobachten und hätten meistens klare Ziele: Macht und Vermögen zu sichern, die jeweiligen Gangs staatlicher Kontrolle zu entziehen und Ruhe für die Geschäfte zu bekommen, wie Frank Adelsberger vom Landeskriminalamt (LKA) sagte. Neugründungen von Rockergruppen mit Personen aus zuvor aufgelösten Clubs verdeutlichten die weiter bestehende Nähe zum Milieu.

Darum bleibe die Situation auch in Brandenburg gefährlich und habe sich in den vergangenen Wochen verschärft. "Die Gesamtsituation ist als sehr problematisch einzuschätzen und es kann fortlaufend zu Auseinandersetzungen kommen", meinte Adelsberger auch mit Blick auf das gefundene Waffendepot.

In Brandenburg sind die drei Rocker-Clubs Hells Angels MC, Bandidos MC und Gremium MC aktiv. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Brandenburg haben sie insgesamt 400 Mitglieder.

Bestattung auf Rügen

Zur Bestattung eines ihrer Anführer sind Angehörige des Rockerclubs Bandidos aus ganz Deutschland nach Rügen gekommen. Der Vizepräsident des Bandido-Chapters Rügen Christian Heydt war am 30. Juni in Hardebek in Schleswig-Holstein bei einem Autounfall getötet worden. Nach Polizeiangaben nahmen an der Seebestattung rund 360 Rocker und Familienangehörige aus Deutschland und Skandinavien teil.

Am Hafen sammelten sich zudem viele Schaulustige mit Fotoapparaten.

Nach Polizeiangaben war die Trauerfeier wegen eines derzeit stattfindenden Wallenstein-Festes von Stralsund nach Altefähr auf Rügen verlegt worden.

Die Urnenbestattung fand an Bord eines Ausflugsschiffes in der Prohner Wiek statt, wie das Stralsunder Bestattungshaus mitteilte. Die Seebestattung sei ohne Zwischenfälle und in würdigem Rahmen an Bord des Schiffes "Schaprode" der Weißen Flotte Stralsund vollzogen worden, sagte ein Teilnehmer. Zur Trauergemeinde gehörten auch mehr als 100 Rocker, die an Bord eines zweiten Schiffes die Versenkung der Urne verfolgt hätten.

Zuvor hatte es auf der Rügenbrücke in dem Trauer-Konvoi mit 80 Motorrädern von Stralsund nach Altefähr eine Kollision gegeben. Ein 26 Jahre alter Däne stürzte und wurde schwer verletzt. Die Polizei war mit rund 30 Beamten im Einsatz, um die Trauerfeier abzusichern.

Quelle: dapd/dpa/cl
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Die Rockergruppen Hells Angels und Bandidos
  • Entstehung

    Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Sie wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Ihr Emblem ist der geflügelte Totenkopf. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Mitgliedern in rund 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

  • Wurzeln im US-Militär

    Auch die 1966 in Texas als Motorrad-Club entstandenen Bandidos haben Wurzeln im US-Militär. Die meisten Gründungsmitglieder dienten als Marines im Vietnamkrieg. Die erste deutsche Sektion tauchte Ende der 1990er Jahre auf. Das Club-Emblem zeigt einen mexikanischen Banditen mit Machete und Pistole.

  • Kriminelle Machenschaften

    Nach Angaben des Bundeskriminalamtes hat der Anteil der Rockergruppen an der Organisierten Kriminalität in Deutschland seit 2009 stark zugenommen. Dabei geht es vor allem um Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressung. 2006 gab es nur zwei Verfahren gegen diverse Gruppen. 2010 wurde schon in 35 Fällen ermittelt. Dabei waren 20 mal die Hells Angels und 9 mal die Bandidos betroffen.

  • Ermittlungsverfahren

    "Die steigende Anzahl der Ermittlungsverfahren gegen Rocker ist einerseits mit einer erhöhten öffentlichen Wahrnehmung und andererseits mit einer Zunahme der schlichten Anzahl der Gruppierungen und der darin organisierten Personen zu erklären", heißt es in einem Positionspapier der Gewerkschaft der Polizei. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter weist darauf hin, dass es auch Bezüge zum Rechtsextremismus und zur Hooligan-Szene gibt.

    Quelle: dpa

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