09.07.2012, 18:02

Weserbergland Kind stürzt in Schacht – Erzieherin springt hinterher

Kind stürzt in Bergwerksschacht

Foto: DPA

Für 40 Kinder eines Kindergartens sollte es ein schöner Vormittag werden – doch dann stürzte ein kleiner Junge 25 Meter tief in einen alten Bergwerksschacht. Eine Betreuerin sprang hinterher.

In einer dramatischen Rettungsaktion hat die Feuerwehr einen dreijährigen Jungen und eine Kindergärtnerin aus einem alten Bergwerksschacht im Weserbergland gerettet.

Das Kind war am Montag während eines Kindergartenausfluges in den Wald im Kreis Hameln-Pyrmont in den nur von morschen Baumstämmen bedeckten 25 Meter tiefen Schacht gestürzt.

Eine 37 Jahre alte Kindergärtnerin sprang hinterher, um den Jungen zu retten, berichtete ein Polizeisprecher. In dem Moment habe die Frau nicht sehen oder wissen können, wie tief der Schacht ist.

Bis zur Bergung mussten beide rund eineinhalb Stunden in brusthohem kaltem Wasser am Fuß des Schachtes ausharren. Wie durch ein Wunder wurden sie nur leicht verletzt. "Sie hatten wirklich riesiges Glück, dass nicht mehr passiert ist", sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Küllig.

Nur leichte Blessuren

Der Junge und die Kindergärtnerin hätten neben einer Unterkühlung im kalten Wasser nur leichtere Blessuren wie Schrammen an Armen und Beinen davongetragen. Ihr Sturz sei vermutlich von den Wänden des Schachtes und vom Wasser gebremst worden.

"Beide wurden aber vorsorglich ins Krankenhaus gebracht", sagte die Sprecherin des Kreises Hameln-Pyrmont, Sandra Lummitsch.

Der St. Nicolai-Kindergarten aus der kleinen Ortschaft Oldendorf, die zu Salzhemmendorf gehört, war am Montagvormittag mit rund 40 Jungen und Mädchen zu dem Ausflug in den Wald gestartet.

Beim Erkunden der Umgebung stürzte der Junge dann gegen zehn Uhr unvermittelt in den alten Bergwerksschacht. In der Region wurde noch bis in die 50er Jahre Steinkohle abgebaut.

Schacht mangelhaft abgedeckt

"Ursprünglich haben vermutlich mehrere Lagen Baumstämme auf dem Schacht gelegen, so dass keine Gefahr bestand", sagte Feuerwehreinsatzleiter Küllig. "Jetzt war der Schacht aber nur noch mangelhaft abgedeckt." Der Junge stürzte durch eine Lücke in die Tiefe.

"Die Betreuerin ist dann hinterhergesprungen in das dunkle Loch. Sie wollte das Kind retten", berichtete der Einsatzleiter. Die Retter waren zunächst von einem nur gut zehn Meter tiefen Schacht ausgegangen. Eine exakte Messung ergab dann, dass der Junge und die Frau 25 Meter in die Tiefe fielen.

Die Bergung aus dem nur etwa einen Meter breiten Schacht sei kompliziert gewesen, sagte Küllig. Spezialisten der Höhen- und Tiefenrettung der Feuerwehr, die sonst abgestürzten Bergsteigern im nahen Ith helfen, konnten Kind und Kindergärtnerin aber schließlich mit Seilen und Gurten wieder ans Tageslicht befördern.

Die merklich geschockte Kindergartenleiterin Susanne Schüler wollte kurz nach dem Unglück keine Stellungnahme abgeben. Sie müsse sich zunächst um Kinder, Eltern und Mitarbeiterinnen kümmern, sagte sie.

(dpa/fp)
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