06.07.2012, 09:07

Deutschlandwetter Tropische Unwetter verursachen schwere Schäden

Nach der schwülen Hitze sind in der Nacht heftige Gewitter mit enormen Regenmassen über Deutschland hinweggezogen. Flüge wurden umgeleitet, Keller liefen voll. Am Wochenende drohen weitere Unwetter.

Schwere Unwetter haben in Teilen Deutschlands zahlreiche Schäden angerichtet. Die Rettungskräfte mussten am Donnerstagabend Hunderte Male ausrücken.

Allein in Köln zählte die Feuerwehr über 350 Einsätze. So retteten die Einsatzkräfte unter anderem eine Frau, die in ihrer Souterrainwohnung von den Wassermassen eingeschlossen wurde. Auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens entstanden Schäden durch Gewitter und heftigen Regen: In Dortmund stürzte eine Zwischendecke in einem Hörsaalgebäude der Technischen Universität Dortmund als Folge eines kaputten Regenrohrs ein, wie die Feuerwehr mitteilte.

Wegen eines umgestürzten Baumes kam es im Bahnverkehr zwischen Bochum und Essen zu Verzögerungen. Drei Jugendliche retteten in Dortmund einen 67-jährigen Autofahrer aus seinem von Wassermassen eingeschlossenen Wagen.

Am Abend mehr Regen als im ganzen Juni

"In der Region Trier fiel an manchen Messstation am Donnerstagnachmittag stellenweise bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist mehr als dort in einem ganzen Junimonat vom Himmel kommt. Ganze Weinberge kamen in Bewegung und überfluteten mit Geröll und Schlamm Straßen und Keller", berichtet Meteorologe Dominik Jung von "Wetter.net"

Auch in Sachsen wurden Straßen geflutet, Bäume umgeknickt und Gullideckel aus ihren Verankerungen gepresst, wie Polizeisprecher sagten. In Westsachsen fielen vereinzelt Bäume auf Autos. Auf der Autobahn 72 kam der Verkehr in Richtung Chemnitz streckenweise zum Erliegen.

Hier stand das Wasser teilweise bis zu 30 Zentimeter hoch. In der Oberlausitz blieben mehrere Autos auf überfluteten Straßen stecken. In Nordsachsen musste die Staatsstraße 30 zwischen Bockwitz und Kaisa gesperrt werden.

Heizöltank geflutet

In Niedersachsen war vor allem Braunschweig betroffen. Dort liefen viele Keller voll. Ein Heizöltank wurde geflutet, das Öl schwemmte aus dem Tank in ein benachbartes Gewässer. In Osterode mussten rund 30 Keller leergepumpt werden, etwa 140 Feuerwehrleute waren im Einsatz, wie die Polizei mitteilte.

In Goslar wurde ein Fußgängertunnel am Bahnhof gesperrt, zahlreiche Straßen waren überflutet. Auch in Königslutter und Helmstedt mussten Keller ausgepumpt werden – betroffen war auch eine Polizeiwache. Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht.

In Thüringen wurden der Polizei zufolge vereinzelt Bäume entwurzelt. Außerdem liefen Keller voll. In Mainz in Rheinland-Pfalz brachen Äste ab und richteten kleinere Schäden an. Auch in Trier musste die Feuerwehr wegen gefluteter Keller und Straßen ausrücken.

In Frankfurt am Main fuhr die Feuerwehr den eigenen Angaben zufolge mehr als 20 Einsätze. Grund waren voll gelaufene Keller, lose Dachziegel und abgebrochene Äste. Zudem schlug ein Blitz in ein Haus im Stadtteil Kalbach-Riedberg ein. Einem Polizeisprecher zufolge kam es auch im Flugverkehr zu Beeinträchtigungen.

Die Flugpläne wurden in Frankfurt kräftig durcheinandergebracht. Es starteten und landeten zahlreiche Maschinen trotz Nachtflugverbots nach 23.00 Uhr. Nach Angaben eines Fraport-Sprechers von Freitag hoben am Vorabend 16 Flugzeuge mit Ausnahmegenehmigung nach 23.00 Uhr ab, 24 landeten. Nach Polizeiangaben fielen 27 Flüge aus, 25 Maschinen wurden auf andere Flughäfen umgeleitet.

Rheintalstrecke zeitweise gesperrt

In Baden-Württemberg war die Rheintalstrecke der Deutschen Bahn zeitweise gesperrt, weil ein Zug gegen einen umgestürzten Baum auf den Gleisen gefahren war. Der Zug konnte seine Fahrt nach kurzer Zeit aber wieder fortsetzen.

In Brandenburg brannten nach einem Blitzschlag eine Scheune und ein Haus. In Senftenberg war auch der Keller einer Polizeiinspektion vollgelaufen. Zudem habe es im Süden des Bundeslandes bei der Bahn Probleme mit den Signalanlagen gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

In Bayern schlug ein Blitz in einem Haus in der Oberpfalz ein und setzte den Dachstuhl in Brand. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig retten. In München kam es aufgrund des Unwetters zu Verzögerungen bei der S-Bahn.

Flugzeuge von Berlin-Tegel umgeleitet

Auch in Berlin schlug ein Blitz in das Dach eines Hauses im Stadtteil Kaulsdorf ein. Der Brand sei aber schnell gelöscht worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Insgesamt mussten die Einsatzkräfte 15 Mal ausrücken.

Das Unwetter am Donnerstagabend beeinträchtigte sogar den Flugverkehr: Nach Angaben der Bundespolizei mussten mehrere Flugzeuge von Berlin-Tegel nach Berlin-Schönefeld und sogar nach Leipzig umgeleitet werden. Stark beeinträchtigt war der Straßenverkehr vor allem im Süden Brandenburgs.

Dort kamen die Fahrzeuge kaum noch vorwärts, weil regionale Straßen und die A13 überflutet waren. Örtlich fielen bis zu 60 Liter Regen je Quadratmeter, fast so viel, wie sonst im ganzen Monat Juli.

Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam warnte am Freitag erneut vor einem Unwetter. Nach einem schwül-warmen Tag mit Temperaturen bis zu 30 Grad kommt es erneut zu einem heftigen Gewitter mit viel Regen, Windböen, Hagel und zahlreichen Blitzen.

Erfahren Sie mehr über die aktuelle Wetterlage: Hier finden sie ein Niederschlagsradar und aktuelle Wetterwarnungen auf "Welt Online"

(dapd/dpa/mak)
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