05.07.12

Air-France-Unglück

Wie das Airbus-Drama in elf Kilometern Höhe ablief

Die Absturzursache des Air-France-Flugs mit 228 Toten vor Brasilien im Jahr 2009 ist geklärt: Schuld war eine fatale Fehler-Verkettung, heißt es im Abschlussbericht der Untersuchung.

Foto: REUTERS

Es ist eines der schwersten Unglücke in der Luftfahrtgeschichte: Ein Air-France-Airbus war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich gut drei Stunden nach dem Start abgestürzt.

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Eine fatale Kombination aus menschlichen Fehlern, technischem Versagen und einer komplexen Unwetterlage ist die Ursache der größten Katastrophe der französischen Luftfahrt. Dies ist das Ergebnis eines 356 Seiten starken juristischen Ermittlungsberichts zum Absturz des Air-France-Fluges AF 447, den die zuständige Richterin Sylvia Zimmermann angefordert hatte, und dessen Resultate in Paris bekannt wurden. Kurz darauf stellte die staatliche Luftfahrtbehörde BEA (Bureau d'enquètes et d'analyses) ihre eigenen Untersuchungsergebnisse vor.

Der Airbus 330 war Anfang Juni 2009 auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris mitten über dem Atlantik abgestürzt. Alle 228 Insassen, darunter auch 28 Deutsche, kamen ums Leben.

Die etwa zwanzig wesentlichen Schlussfolgerungen des gerichtlichen Berichts wurden noch vor der offiziellen Veröffentlichung am Donnerstag in französischen Medien verbreitet. Das BEA veröffentlichte auf Grundlage seiner eigenen Analyse 41 Sicherheitsempfehlungen.

Fehlerkette beginnt bei den Sonden

Beiden Berichten zufolge beginnt die Fehlerkette mit dem Einfrieren der Geschwindigkeitssonden in 11.000 Metern Höhe. Nachdem die Pitot-Sonden fehlerhafte Daten gesendet hatten, reagierte jedoch auch die Besatzung unangemessen. Der juristische Ermittlungsbericht betont dabei ausdrücklich, dass der die Maschine steuernde Copilot zunächst korrekt reagierte, der Kommandant der Maschine jedoch "seiner Verantwortung als Befehlshaber nicht gerecht wurde" und die "guten Absichten des Copiloten behindert" habe.

Darüber hinaus bemängelt der Bericht, dass zahlreiche Meldungen über Fehlmessungen der fraglichen Sonden bereits seit dem Jahr 2004 vorlagen, die Fluggesellschaft diesen jedoch nicht aufmerksam genug nachgegangen sei.

Der Absturz erfolgte, nachdem die Piloten aufgrund der fehlerhaften Daten eine Flugbahn einschlugen, die sie schließlich nicht mehr kontrollieren konnten. Der "Mangel an Informationen bezüglich der Vereisung der Sonden oder der Flughöhe" habe einen "Überraschungseffekt" für die Besatzung bewirkt, heißt es in dem Bericht. Die Kommunikation zwischen den Flugzeugführern sei zudem durch "ungünstige Flugbedingungen" zusätzlich erschwert worden: Es war Nacht, die Maschine befand sich in einer Zone mit Turbulenzen, und die Piloten hatten so gut wie keine Sicht.

Völliger Kontrollverlust

Robert Soulas, ein Sprecher der Hinterbliebenenvereinigung "Entraide et Solidarité AF 447", lobte die gerichtliche Untersuchung. "Die Verantwortung von Airbus, Air France und der Piloten wird benannt", sagte Soulas, während die staatliche Behörde BEA lange Zeit vor allem die Piloten verantwortlich gemacht habe.

Doch in dem gesonderten Bericht, den die BEA ihrerseits vorstellte, kommt auch sie zu dem Schluss, dass eine "Verbindung von menschlichen und technischen Faktoren" zu dem Absturz geführt habe. "Die Besatzung hatte nahezu vollständig die Kontrolle über die Situation verloren", sagte der Leiter der Untersuchung, Alain Bouillard.

Das BEA hat nun 41 Sicherheitsempfehlungen abgegeben, darunter acht, welche die Pilotenausbildung betreffen und fünf für die technische Abnahme der Flugzeuge, wie etwa Verbesserungen an den Anzeigen im Cockpit. Die vereisungsanfälligen Sonden des Herstellers Thales wurden bereits kurz nach dem Absturz aus dem Verkehr gezogen.

Bei den Ermittlungen zur Absturzursache stützten sich die BEA-Experten vor allem auf die Auswertung der Flugdatenschreiber. Diese waren im Frühjahr des vergangenen Jahres nach mehreren vergeblichen Suchaktionen aus rund 4000 Metern Tiefe geborgen worden. BEA-Chef Jean-Paul Troadec betonte zur Vorstellung des Abschlussberichts, dass seine Behörde nicht die Aufgabe gehabt habe, die Verantwortlichen zu benennen. Dies sei Sache der Justiz. Sie ermittelt bereits seit langem in dem Fall, hat allerdings bislang kein Anklageverfahren eingeleitet.

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