01.07.12

Schwere Unwetter

Wolkenberge lösen Gewitter-Serie in Deutschland aus

In Berlin gingen innerhalb von zwei Stunden 8000 Blitze nieder. In Bayern wurde eine Frau von einem Baum erschlagen. Bei einem Festival in Sachsen wurden 51 Menschen durch einen Blitzschlag verletzt.

Quelle: Reuters
01.07.12 1:25 min.
Heftige Unwetter rissen viele Berliner und Brandenburger am frühen Morgen aus dem Schlaf. Blitzeinschläge lösten mehrere Brände aus, Bäume wurden entwurzelt und Dächer beschädigt.

Eine Serie schwerer Sommergewitter hat am Wochenende vor allem nachts über Deutschland gewütet und mit Sturmböen, Starkregen und Hagel Millionenschäden verursacht.

Eine Frau starb und rund 100 Menschen wurden verletzt. Allein auf einem Musikfestival in Sachsen wurden bei einem Blitzeinschlag 51 Menschen verletzt. Einige von ihnen wurden von dem starken Stromschlag durch die Luft geschleudert, wie eine Notärztin berichtete.

Vielerorts waren Straßen und Keller überflutet, Bäume entwurzelt, Häuser entzündet. Der Bahnverkehr kam streckenweise zum Erliegen. Im Süden und Osten sollte es gewittrig bleiben.

Von den Verletzten des Heavy-Metal-Festivals im nordsächsischen Roitzschjora wiesen die meisten sogenannte Stromeintrittsmarken auf, kleine Wunden und Prellungen. "Einen Verletzten mussten wir wiederbeleben, zwei weitere kamen nach einer Ohnmacht von selbst wieder zu sich", berichtete die leitende Notärztin, Ellen Mack. Drei Verletzte lagen am Sonntag noch auf der Intensivstation. Lebensgefahr bestehe aber für niemanden, sagte Mack.

Vor allem jene Festivalbesucher mussten behandelt werden, die an der Cocktailbar des Geländes vor dem starken Gewitter Schutz gesucht hatten. An dem zeltüberspannten Bus nahe eines Turms sei dann gegen 02.00 Uhr der Blitz eingeschlagen. Über metallene Pfähle, Bänke und Befestigungsschnüren traf der Blitz die Besucher. Trotz der Schreckensnacht ging das Festival weiter.

Auch Bayern stark getroffen

In Bayern verletzten herumwirbelnde Äste 18 Besucher eines Kulturfestivals. Am Sonntag waren vier von ihnen noch im Krankenhaus. Bei Würzburg erschlug ein von orkanartigen Böen entwurzelter Baum eine Autofahrerin. Baden-Württemberg meldete mindestens 38 Verletzte, darunter 11 Schwerverletzte. Allein zehn Menschen erlitten Verletzungen, als der Sturm die Zelte auf einem Rockfestival wegfegte.

Die Gewitter funkten auch der Bahn dazwischen. Zahlreiche Bäume stürzten auf Gleise und Oberleitungen. Betroffen war vor allem der Regional-, aber auch der Fernverkehr.

Die ICE-Strecke München-Stuttgart war stundenlang bis Sonntagmittag gesperrt. In der Nacht saßen die Passagiere in drei Zügen zwischen Stuttgart und Ulm längere Zeit fest, bevor die Züge umgeleitet wurden. Bereits am Freitagabend hatten Gewitter die Strecke Hamburg-Berlin zeitweise lahmgelegt. Die meisten Strecken im Regionalverkehr waren am Sonntagmorgen wieder frei.

Berliner Feuerwehr rückte 400 Mal aus

Berlin wurde zwei Nächte in Folge von heftigen Unwettern heimgesucht. Der Deutsche Wetterdienst zählte allein in der Nacht zum Sonntag mehr als 8 000 Blitze. Die Feuerwehr rückte in den Nächten von Freitag bis Sonntag fast 400 mal aus. Gewitterböen hatten ganze Straßenzüge verwüstet. In Kiel wurden Teile der Altstadt überflutet.

Verantwortlich für die Gewitterlage sind feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Sie hätten "wahre Wolkenberge" über Deutschland entstehen lassen, wie die Meteorologin Johanna Anger vom Deutschen Wetterdienst erläuterte. Die sich darin bildende hohe Energie entlädt sich dann mit Blitz und Donner.

Quelle: dpa/cor
Foto: DPA

Sturm, Starkregen und Blitze: Im Erzgebirge kündigten sich die Unwetter mit diesen bedrohlichen Wolken an.

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