01.07.12

Mega-Poker-Turnier

Eine Million Dollar? Pius Heinz ist Einsatz zu hoch

Zurzeit findet in Las Vegas das teuerste Pokerturnier der Geschichte statt. Im "Berliner Morgenpost"-Interview erklärt Poker-Weltmeister Pius Heinz, warum er daran nicht teilnimmt — obwohl er das Geld hätte.

Berliner Morgenpost: Herr Heinz, Sie haben im vergangenen Jahr fast neun Millionen Dollar in Las Vegas gewonnen. Warum finden wir Ihren Namen nicht auf der Teilnehmerliste des "Big One for One Drop"? Es kostet doch "nur" eine Million.

Pius Heinz: Eine Million Dollar sind wahnsinnig viel Geld, und ich habe sehr großen Respekt vor Geld. Kein vernünftiger Investor würde deutlich über zehn Prozent seines Vermögens investieren, wenn er es mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent komplett verlieren kann. Ich bin mit meinem Geld generell sehr konservativ unterwegs und setze nur einen kleinen Teil "auf's Spiel". Dies tue ich dann im Pokern sehr gezielt, sowie mit viel Kalkül, wo ich es gewinnbringend einsetzen kann. Es gibt zudem auch ein Vermögensmanagement im Pokern, was es selbst bei einem Vermögen von mehreren Millionen sofort für sinnlos erklären würde, ein solches Turnier zu spielen. Ich werde es dennoch mit Freude und Spannung verfolgen und der Aspekt, über 100.000 Dollar bei dem Turnier zu spenden, sagt mir ebenfalls zu und ist eine gute Sache.

Berliner Morgenpost: Wie groß wird der Vorteil der Profis gegenüber den Gelegenheitsspielern beim "Big One" sein?

Heinz: In einem Turnier mit 48 Spielern ist die Varianz nicht so hoch und das Glück insgesamt nicht so entscheidend, um weit zu kommen. Dennoch kann es zu Situationen kommen wo, sagen wir ein Amateur zwei "All In"-Situationen glücklich gewinnt — dann ist er bei 48 Teilnehmern schon sehr weit. Ein Profi kann sein Können eher in einem großen Feld beweisen, wo es deutlich mehr Entscheidungen über viele Tage zu treffen gilt. Die Profis haben zudem den Vorteil, sich alle untereinander zu kennen, was in der Einschätzung der Gegner logischerweise stark hilft.

Berliner Morgenpost: Wer sind Ihre "Big One"-Favoriten?

Heinz: Prinzipiell hat jeder der 48 Teilnehmer eine Chance zu gewinnen. Favorisiert werden aber natürlich Spieler wie die PokerStars Pros Daniel Negreanu, Jason Mercier oder Bertrand "Elky" Grospellier. Zu meinen Favoriten zählen aber natürlich auch andere Pokerlegenden wie Phil Ivey, Patrick Antonius oder der High-Stakes Spieler Tom Dwan.

Berliner Morgenpost: Was ist deren Vorteil?

Heinz: Sie spielen alle in sehr hohen Sphären und haben somit keine Angst aus dem Turnier zu fliegen bzw. somit gleichzeitig viel Geld zu verlieren. Diese Angst haben zwar auch einige sehr wohlhabenden Amateure nicht, jedoch können diese nun mal nicht so gut spielen. Das Können ist immer noch sehr entscheidend beim Pokern.

Berliner Morgenpost: Was wird dieses Jahr mutmaßlich schwerer zu gewinnen sein: das zuletzt von Ihnen gewonnene WSOP Main Event oder das "Big One"?

Heinz: Das WSOP Main Event zu gewinnen ist mit Abstand das schwerste Turnier. Sie müssen sich vorstellen, dass es beim "Big One" lediglich 48 Spieler zu eliminieren gibt und beim WSOP Main Event in der Regel weit über 6000 Spieler. Das Feld ist zudem international wahnsinnig stark besetzt. Die Varianz oder auch das Glück wird zu einer sehr entscheidenden Komponente.

Berliner Morgenpost: Beim "Big One" lassen sich viele Spieler das Startgeld von Unterstützern bezuschussen. Was halten Sie von solchen Finanzierungsmodellen?

Heinz: Es ist eine durchaus gängige Methode, sich in ein Turnier einkaufen zu lassen. Es ist zudem ein ganz eigener Businesszweig der, wenn er vernünftig betrieben wird, auch sehr lukrativ sein kann. Dennoch sollte man nicht über seine Verhältnisse spielen und schon gar nicht mit fremdem Geld. Ich bin da halt insgesamt sehr konservativ.

Berliner Morgenpost: Wäre das "Big One" vielleicht später etwas für Sie?

Heinz: Prinzipiell wäre es denkbar, jedoch steht es nicht auf meiner Wunschliste. Sollte mich jemand für das Turnier mit einkaufen, würde ich es mir überlegen.

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