27.06.12

Neuer Unterhaltungschef

Trash-Produzent soll ZDF-Programm aufmischen

Er hat "Schwiegertochter gesucht", "Rachs Restaurantschule" und die neue Lothar-Matthäus-Doku produziert. Jetzt soll Oliver Fuchs beim ZDF den Unterhaltungschef geben. Zu beneiden ist er dafür nicht.

Von Ekkehard Kern
Foto: picture-alliance

Oliver Fuchs, bisher Chef bei der TV-Produktionsfirma Eyeworks Germany, ist designierter neuer Unterhaltungschef des ZDF.

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Die Aufmerksamkeit, die diese Personalie schon vor ihrer offiziellen Bestätigung erregte, zeigt, was man Oliver Fuchs zutraut, wie nachhaltig er das Programm des ZDF verändern könnte. Der gebürtige Schweizer ist ein in der Branche bekannter Produzent und soll am Freitag dem Verwaltungsrat des Zweiten Programms als Nachfolger des amtierenden Unterhaltungschefs Manfred Teubner vorgeschlagen werden. Dieser ist Leiter dessen, was sich öffentlich-rechtlich-förmlich "ZDF-Hauptredaktion Show" nennt und seit 2001 mit der "Implementierung neuer kreativer Show-Formate für die Hauptsendezeit" befasst.

Dass die Produktionsfirma Eyeworks, deren deutscher Dependance sein möglicher Nachfolger Fuchs vorsteht, sich vor allem mit platten RTL-Sendungen wie "Rach, der Restauranttester", "Schwiegertochter gesucht", der jüngst bei VOX gestarteten Lothar-Matthäus-Soap "Lothar – Immer am Ball", aber eben auch hochwertiger Persiflage wie "Switch reloaded" (ProSieben) einen Namen machte, ist bereits ein Hinweis darauf, dass sich beim ZDF bald einiges gewaltig ändern könnte – wenn auch nicht zwangsläufig nur zum Besseren.

Um den sich möglicherweise vollziehenden Umsturz in der Mainzer Unterhaltungsabteilung einordnen zu können, muss man wissen, dass der seit März amtierende Intendant Thomas Bellut sich offensichtlich zunehmend unter Zugzwang sieht, sein etwas in die Jahre gekommenes Publikum des Hauptprogramms zu verjüngen. Ein Elixier hierfür ist freilich schwer zu finden in Zeiten der sich ankündigenden demografischen Katastrophe.

Personalie Fuchs soll für Verjüngung stehen

Zwar bietet vor allem der Spartensender ZDFneo mittlerweile viel gelobtes, frisches Programm, allerdings liegt auch dort der Schnitt über der ursprünglich angepeilten Zielgruppe der 25- bis 49-Jährigen. Belluts ambitioniertes Ansinnen äußerte sich bereits zum Amtsantritt in dem erklärten Ziel, das Alter des Durchschnittszuschauers des Hauptprogramms bis 2014 von 61 auf 60 Jahre herunterzufahren.

Die nun anstehende mögliche Verpflichtung Fuchs' als Unterhaltungschef jedenfalls passt ins Bild, auch wenn die mit der Personalie zweifelsohne einhergehenden programmlichen Veränderungen auch als Anlass gesehen werden können, wieder einmal über Sinn und Unsinn der "Verjüngung" von Fernsehkanälen zu sprechen.

Die Bedeutung, die das Internet mit all seinen kommunikativen Anwendungen im Leben junger Menschen mittlerweile spielt, sollte dem letzten Medienmenschen klar gemacht haben, dass auch das traditionelle Fernsehen mitsamt seinen Inhalten geradewegs ins Netz abwandert und zunehmend in Form von On-Demand-Inhalten konsumiert wird, die im Übrigen noch immer nicht in die leidige Quotenmessung Einzug gehalten haben.

Statt an dieser Stelle konsequent anzusetzen und die Jugendlichkeit der jungen Medienangebote zu berechnen, bestimmen derweilen weiterhin all jene Studien und Evaluationen die strategischen Maßnahmen von Medienunternehmen, die so erwartbar wie überflüssig sind.

Unter 50-Jährige fühlen sich beim ZDF ausgegrenzt

In einem Anflug von Masochismus fühlte sich auch das ZDF jüngst wieder einmal dazu verpflichtet, eine Zuschauerbefragung durchzuführen, die – man wollte es nicht anders – ergab, dass sein Angebot in der allgemeinen Wahrnehmung längst kein Familienprogramm mehr ist. Diejenigen unter 50 Jahren fühlen sich angeblich "über weite Strecken ausgegrenzt", das Informationsangebot wird als "zu weit weg vom Zuschauer" sowie als "steif, trocken, künstlich" bezeichnet, die Tonalität der fiktionalen Programme sei "nicht modern genug".

Die heutigen Shows erscheinen den Befragten als "wenig präsent und wenig besonders", heißt es in der Untersuchung, einer investigativen Glanzleistung. Die Kochshows am Nachmittag vermittelten gar den Eindruck von "Monotonie und Stagnation". Formate auf prominenten Sendeplätzen zementierten das Bild des "braven" und "bodenständigen Senders für ältere Zuschauer".

Trotz all dem darf natürlich angenommen werden, dass die Bewertung anderer Sender ähnlich negativ ausgefallen wäre, denn das das Fernsehen von Grund auf schlecht ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Nicht alle Tage bekommt man als Zuschauer die gewünschte Aufmerksamkeit und Gelegenheit geboten, sich einmal gebührend zu echauffieren. Das ZDF, auch das gehört zum Spiel, musste auf die wenig schmeichelhaften Ergebnisse spontan reagieren und teilte eiligst mit, die Ergebnisse der Untersuchung in die "redaktionelle und planerische Entwicklungsarbeit" einfließen zu lassen.

An dieser Stelle schließt sich der (Teufels-)kreis nun also und Oliver Fuchs hat womöglich alsbald die undankbare Aufgabe, gegen die Mühlen des chronisch schlecht aufgelegten Fernsehpublikums anzurennen. Zu beneiden ist er schon jetzt nicht, die ein oder andere intelligente Sendung würde jedoch dem deutschen Fernsehen als solchem ziemlich gut tun. Auch wenn kollektives Lob auch dann nicht zu erwarten ist. Aber die Show muss weitergehen.

Foto: vox

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