28.06.12

Traum erfüllt

Mann mit Down-Syndrom eröffnet eigenes Restaurant

Trotz seiner Trisomie-21-Behinderung hat sich Tim Harris seinen Traum verwirklicht. Der 26-Jährige eröffnete sein eigenes Restaurant und hat inzwischen 30 Mitarbeiter. Sein Erfolgsrezept: Liebe.

Foto: Youtube
Tims Place
"Oh Yeah", ist ein häufig zu hörender Satz in "Tim's Place". Der 26-Jährige freut sich über jeden Gast

Ein Pancake mit Blaubeeren und Bananenscheiben ab 5,99 Dollar, ein "Yummy Omlett" mit Schinken und Speck für 8,99 Dollar. Wer in dem kleinen Diner "Tim's Place" in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico essen geht, den lockt wahrscheinlich nicht das kulinarische Interesse.

Immerhin stehen auf der Karte kaum sterne-verdächtige Gourmet-Höhepunkte. Für den Besucher ist etwas anderes viel wichtiger, was es sonst nirgendwo angeboten wird – nämlich "Hugs", Umarmungen. Die gibt es dort nicht nur kostenlos, sondern vor allem vom Chef.

Jeden Tag steht der 26-jährige Tim Harris am Eingang, begrüßt seine Gäste mit Handschlag, lächelt freundlich – und drückt sie einmal fest an sich. "Meine Gäste sollen sich wohl fühlen", sagt er dem TV-Sender CNN, während er das Kamerateam durch den kleinen Diner führt und sein Geschäftsmodell erklärt. Inzwischen ist der Laden für seine Atmosphäre so berühmt, dass das Restaurant als das vermutlich freundlichste der Welt gilt.

Viele Gäste sind aber nicht nur vom Körperkontakt im sonst als so prüde geltenden Amerika überrascht, sondern vom Wirt selbst. Denn Tim ist weltweit der einzige Mensch mit Down-Syndrom, der ein Restaurant eröffnet hat und es auch leitet. Sein Team zählt mittlerweile 30 Mitarbeiter. "Ich habe zwar ein Handicap, trotzdem bin ich in der Lage, dieses Restaurant zu führen", sagt Tim.

Aufgezogen wie alle anderen Kinder

Dass es der junge Mann jemals so weit bringen würde, daran hatten nicht viele geglaubt. Laut Neurologen erreichen Menschen mit Trisomie 21 durchschnittlich einen IQ von 50 bis 60, während gleiche Tests bei normalen Erwachsenen Ergebnisse zwischen 80 und 120 erzielen. Der Gendefekt, bei dem das 21. Chromosom dreifach statt doppelt vorhanden ist, führt zu einer geistigen, häufig auch körperlichen Behinderung mit unterschiedlichen Abstufungen.

Obwohl inzwischen Fälle aus Spanien und Japan bekannt geworden sind, bei denen Betroffene trotz ihrer Beeinträchtigung die Universität abgeschlossen haben, ist es eher ungewöhnlich, dass Menschen mit Trisomie ein selbstständiges und unabhängiges Leben führen.

Auch für Tims Familie war es anfangs schwer, mit dem Gen-Defekt zurecht zu kommen. Sein Vater Keith gestand dem Nachrichtensender CBS News: "Als unser Kinderarzt nach Tims Geburt fragte, ob ich weiß, was ein Down-Syndrom ist, verdunkelte sich meine Welt".

Der anfängliche Schock legte sich aber schnell. Tims Eltern schraubten ihre Erwartungen außerdem keineswegs herunter. Im Gegenteil, sie zogen ihren Sohn auf wie seine drei Geschwister. Tim ging zur Schule, spielte in Sportmannschaften, war sogar bei den Paralympics dabei und wurde zum Ballkönig gewählt. "Ich habe Tonnen von Goldmedaillen", erzählt Tim stolz und zeigt in dem Video, das auch auf YouTube zu sehen ist, auf die Vitrine voller Auszeichnungen.

Es war also nur logisch, dass Tim auch die Hochschule besuchen würde. 2008 machte er seinen Abschluss an der Eastern New Mexico University für Service, Büroarbeit und Gastronomie. Danach arbeitete er in mehreren Restaurants in New Mexico, bis er 2010 "Tim's Place" eröffnete. Zehn Jahre hatte er mit seiner Familie an dem Konzept gearbeitet. "Schon als Kind wollte ich ein Restaurant haben", sagt Tim.

Seinen Slogan "Breakfeast Lunch Hugs" (Frühstück, Mittagessen, Umarmungen) nimmt Tim sehr genau. Und mit jedem "Hug" wächst sein Erfolg. Die kostenlose Zärtlichkeit wird auch auf der Internetseite des Restaurants als kalorienfrei und lebensverlängernd beworben. Außerdem wir sie auch ohne Bestellung verteilt. Seit der Eröffnung hat Tim laut seinem "Hug-Counter" fast 20.000 Umarmungen verschenkt. Im Restaurant gibt es tatsächlich einen Zähler dafür.

Ausgeprägte Nächstenliebe

Auf die Idee mit den Umarmungen kam Tim auch gerade wegen seiner Behinderung: Menschen mit Down-Syndrom sind bekannt dafür, sozial extrem sensibel zu sein und Stimmungen genau wahrzunehmen. Bei Tim ist diese Nächstenliebe besonders stark ausgeprägt.

"Er hat diese einmalige Art jeden Tag glücklich zu sein", erklärt seine Mutter Jeanne. Als öffentlicher Redner unterstützt er mittlerweile auch Veranstaltungen für Behinderte. Dabei erwähnt er oft ein Zitat von Walt Disney, das er seine treibende Kraft nennt: "Wenn du es erträumen kannst, kannst du es auch erreichen."

Seine Idee hat schon vielen Menschen geholfen: Auf der Webseite von "Tim's Place", dem Restaurant von Tim Harris, haben mehr als 800 Leute gratuliert, gegrüßt und gedankt. Es sind Stammgäste, Verwandte, aber auch Leser seiner Geschichte in den Nachrichten.

Darunter Mütter und Väter, wie Dave Bunce, der schreibt: "Mein dreizehnjähriger Sohn Ryder hat das Down-Syndrom. Ich hab ihm von dir erzählt. Ryder und ich wünschen dir nur das Beste. Wenn ich jemals in Albuquerque bin, komme ich in dein Restaurant auf eine Mahlzeit und hoffentlich eine Umarmung vorbei".

Oft steht in den Einträgen auch bloß: "Danke, dass du deine Geschichte erzählst, dein Schicksal ist eine großartige Inspiration."

Quelle: lur/kami
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
Aktualisiert vor 51 MinutenLohnverhandlungen
BVG zahlt höhere Löhne - Streikgefahr abgewendet

In den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben gab es einen Kompromiss. Die Löhne sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. mehr...

Rechtsanspruch: Bis 2017 müssen insgesamt 11.000 Betreuungsplätze geschaffen werden
09:47Erfolgloses Konzept
"Ein-Euro"-Kitas werden wieder abgeschafft

Viele Berliner Kitas müssen dringend saniert werden, den Bezirken fehlt jedoch das Geld. Das zur Lösung des Problems geplante Ein-Euro-Programm wird nun beendet - der Senat hält es für gescheitert. mehr...


Rocket-Internet-Geschäftsführer Alexander Kudlich in der Firmenzentrale in Mitte
13:32Rocket Internet
100 Millionen Dollar für Expansion von Zalando-Klon Zalora

Der von Rocket Internet nach dem Zalando-Vorbild in Südostasien gegründete Modeversender Zalora geht auf Expansionskurs. Finanziert von Kinnevik, Summit Partners und Tengelmann. mehr...


Maskierte Polizisten durchsuchen wegen des Verdachts der Bildung einer linksextremistischen Vereinigung ein Haus in Magdeburg
Aktualisiert vor 21 MinutenKriminalität
Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten

In Berlin und Magdeburg hat die Polizei Objekte von mutmaßlichen Linksextremisten durchsucht. Dabei soll es sich um eine Gruppe handeln, die mehrere Sprengstoffanschläge in Berlin verübt. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandParteijubiläumDie SPD hat den Glauben an eine bessere Welt verloren
  2. 2. WirtschaftManagergehälterDeutsche-Bank-Chefs sollen Boni zurückzahlen
  3. 3. AuslandSyrienBND rechnet mit Vormarsch von Assads Truppen
  4. 4. DeutschlandPartei im ZwielichtDie Grünen waren ein „Honigtopf“ für Päderasten
  5. 5. WeltraumAsteroiden-AlarmDie Erde rüstet sich gegen das Armageddon
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote