21.06.12

"Lieber Schatz"-Brief

Lufthansa stoppt sexistische Werbekampagne

Die Lufthansa hat an männliche Kunden einen Werbebrief verschickt, der ein antiquiertes Frauenbild zeigt. Nach zahlreichen Beschwerden im Internet entschuldigt sich die Fluggesellschaft.

Foto: Screenshot
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch veröffentlichte den Werbebrief auf seinem Blog. Lufthansa hat inzwischen die Kampagne gestoppt
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch veröffentlichte den Werbebrief auf seinem Blog. Lufthansa hat inzwischen die Kampagne gestoppt

Einige männliche Kunden der "Miles & More"-Karte, die in diesen Tagen Post von der Lufthansa bekommen haben, dürften sich gewundert haben. Mit "Lieber Schatz", beginnt der Brief der Fluggesellschaft, der so aussieht, als sei er mit der Hand geschrieben. Signiert ist er mit "Deine Special Woman" und einem roten Lippenstift-Kussmund.

Mit dem Brief wirbt die Lufthansa für die "Miles & More Credit Card Partnerkarte Woman's Special", einer Karte für die Ehefrau und Partnerin bisheriger Kunden. Die Ansprüche der "modernen Frau" sollten mit diesem Produkt erfüllt werden, heißt es beim Konzern. Doch "modern" wirkte an diesem Brief eher nichts.

Stöbern statt lesen

So schwärmt die Schreiberin ihrem Mann gegenüber von den "exklusiven Events", auf die sie eingeladen würde mit dieser Karte und den "tollen Überraschungsaktionen": "Und das Beste: Ich bekomme ein 2-Jahres-Zeitschriftenabo (...) geschenkt! Du weißt doch, wie gerne ich in solchen Magazinen stöbere..."

Im Internet hat die Aktion schnell für Aufregung gesorgt. Das Frauenbild des Konzerns sei "in den fünfziger Jahren hängengeblieben", schreibt etwa der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch in seinem Blog. Er hat den Brief der Fluggesellschaft vollständig analysiert und kommt zu einem vernichtenden Urteil: "Es ist eine Gedankenlosigkeit, die in ihren Konsequenzen von Bösartigkeit nicht zu unterscheiden ist."

"Sexistischekackscheisse"

Auch über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Nutzer ihre Empörung über die Werbekampagne. Die Netzaktivistin, Neu-Piratin und Unternehmerin Anke Domscheid-Berg fragte per Tweet: "Bekomme ich auch einen beküssten Brief von meinem Liebsten, um für ihn eine Partnerkarte zum Shoppen zu beantragen?" und regte sich über die "sexistischekackscheisse" auf.

Die Lufthansa versuchte – ebenfalls über Twitter – gegenzusteuern: "Wir bedauern, dass dieser Eindruck entstanden ist. Das Feedback haben wir sofort weitergegeben." Worauf Stefanowitsch zurückschrieb: "Schade, dass Sie nur den *Eindruck* bedauern, und nicht den Sexismus. Bin gespannt auf die Rückmeldung." Und Domscheid-Berg prophezeite da bereits: "Diese Pseudo-Entschuldigung WIRD nach hinten losgehen!"

Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis der Konzern die Schreiben stoppen ließ: "Es war zu keiner Zeit unsere Absicht, überholte Rollenbilder zu bedienen oder Teilnehmer von dem Programm auszuschließen. Wir entschuldigen uns bei allen Kunden, bei denen dieser Eindruck entstanden ist!", schrieb die Lufthansa am Donnerstag in ihrer Pressemitteilung.

Sexistische Werbung auch bei Air Berlin

Doch die Airline ist nicht das einzige Unternehmen mit antiquiertem Frauenbild. Auch Air Berlin schaltet diskriminierende Werbung wie das Foto einer Twitternutzerin zeigt. Zu sehen ist eine blonde Frau mit Einkaufstüte zwischen den Zähnen und dem Spruch: "Teuer wird's nur, wenn Sie Ihre Frau mitnehmen."

Und Domscheid-Berg twitterte das Foto einer Anzeige des Datingportals Parship. Die dort abgebildete Frau träumt von einem Mann "dessen spannnendstes Buch sein Reisepass ist", der Mann von einer Frau, die "ihn bei der Ankunft überrascht." Bei Parship verreisen also nur Männer. Und Frauen dürfen auf sie warten.

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