28.05.12

Befreit

Deutsches Mädchen in Bosnien acht Jahre als Sklavin gehalten

Im Alter von 11 Jahren kam sie nah Bosnien. Dann begann in der Familie ihres Stiefvaters ein Martyrium, das acht Jahre dauerte - bis jetzt.

Von AFP/ap
Foto: Web
Karla soll über Jahre misshandelt worden sein
Karla soll über Jahre misshandelt worden sein

Eine junge Deutsche ist von einem Ehepaar in Bosnien acht Jahre lang unter unmenschlichen Bedingungen als Sklavin gehalten worden. Die Polizei befreite das heute 19 Jahre alte Mädchen aus der Gewalt seiner mutmaßlichen Peiniger und nahm das Paar fest, wie der Fernsehsender FTV am Sonntag unter Berufung auf Polizei und Staatsanwaltschaft berichtete.

Das Paar habe das Mädchen jahrelang in seinem Haus im Dorf Karavlasi im Nordosten des Landes eingesperrt und es unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und misshandelt, sagte ein Polizeisprecher dem Sender. Dem Kind seien jeglicher Kontakt zu Außenstehenden sowie der Schulbesuch verboten worden.

Ein Nachbar alarmierte schließlich die Behörden. Dorfbewohner berichteten der Zeitung "Dnevni Avaz", sie hätten das Mädchen häufig schreien und weinen hören und hätten vermutet, dass es von Freunden des Ehepaars sexuell missbraucht werde. Die Polizei befreite das Mädchen den Berichten zufolge am 17. Mai, das Ehepaar sitzt seither in Haft.

Nachbar Sead Makalic sagte, er habe gesehen, wie das Paar sich von dem Mädchen auf einem Karren ziehen ließ: "Sie haben sie an Stelle des Pferds eingespannt und lachten." Die beiden hätten dem Kind dasselbe zu Essen gegeben wie ihren Schweinen. Makalic sagte, er habe schon in der Vergangenheit die Polizei eingeschaltet. Als die Beamten gekommen seien, habe das Paar das Mädchen jedoch versteckt. Am 15. Mai habe er schließlich mit seinem Handy ein Foto des Mädchens gemacht und erneut die Polizei alarmiert.

Mutter bestreitet die Taten

Unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete das Fernsehen, die 19-Jährige sei an einen sicheren Ort gebracht worden und werde ärztlich behandelt. Es sei noch nicht festgestellt worden, ob sie vergewaltigt worden sei. Unklar war zunächst, wie das Mädchen nach Bosnien gekommen war. Auch zu seiner Identität machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Die Mutter der jungen Frau sagte, alles sei eine "Lüge" und "erfunden". "Alle" hätten in dem Dorf bei Tuzla "sehr gut" gelebt. Die Frau, die Deutsch sprach, gab an, sie komme aus einem kleinen Ort zwischen Berlin und Hannover.

Nach örtlichen Presseberichten soll das Mädchen vor acht Jahren gemeinsam mit seiner Mutter nach Bosnien gekommen sein, als die Mutter eine Scheinehe mit dem jetzt festgenommenen Mann einging. Die Mutter habe seither abwechselnd in Deutschland und Bosnien gelebt. Laut FTV war sie zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes gegen die mutmaßlichen Sklavenhalter in dem Dorf.

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