Gesundheit
Singapur erlaubt bezahlte Organspenden
Mittwoch, 25. März 2009 17:20Eine heikle Entscheidung: In Singapur hat das Parlament bezahlte Organspenden künftig erlaubt. Lebendspender dürften damit finanziell entschädigt werden. Nur einer der Abgeordneten stimmte gegen das neue Gesetz. Kritiker befürchten nun, dass der Handel mit Organen armer Migranten boomen wird.

Der Entscheidung war eine hitzige Parlamentsdebatte vorausgegangen. „Damit könnte eine Hintertür für den Organhandel eröffnet werden“, meinte die Abgeordnete Sylvia Lim. Nach dem Gesetz können Organspender Ausgaben für Anreise, Aufenthalt, Haushaltshilfe, Kinderbetreuung, Einnahmeausfälle und künftige Behandlungskosten in Rechnung stellen.
Einer der 84 Abgeordneten im Parlament stimmte gegen das Gesetz, vier weitere enthielten sich. 82 Abgeordnete gehören der seit der Unabhängigkeit regierenden PAP an.
Im vergangenen Jahr waren in Singapur zwei Organspender aus Indonesien zu Haftstrafen verurteilt worden. Einer hatte bereits eine Niere verkauft, der andere wurde unmittelbar vor der Operation festgenommen. Die Männer hatten behauptet, sie seien mit den Patienten verwandt und bekämen kein Geld.
Die Abgeordnete Halimah Yacob warnte davor, dass die große Gruppe unausgebildeter ausländischer Arbeiter, die von der globalen Finanzkrise betroffen wären, nun ihre Organe zum Kauf anbieten könnten, um Schulden zurückzuzahlen.
„Gastarbeiter könnten zu einem bereitwilligen, verletzlichen Reservoir von Organspendern werden, die ausgebeutet und missbraucht werden“, so Halimah Yacob. Für einen verzweifelten Arbeiter aus dem Ausland wäre sogar eine Kompensation von 10.000 Singapur-Dollar (umgerechnet rund 4900 Euro) „attraktiv, verglichen mit einer Heimkehr mit leeren Händen und einer enormen Schuldenlast, die zu Hause auf ihn wartet“.
Parlamentsmitglied Lam Pin Min schlug in die gleiche Kerbe: Ausländer, darunter viele Inder und Pakistaner, würden bereits Erkundigungen darüber einziehen, wie sie am besten in Singapur ihre Nieren verkaufen könnten. Der Stadtstaat, warnte Lam, könnte schon bald bekannt werden als ein Zentrum für „Transplantationstourismus“.
In Deutschland sind Lebendspenden nur von nahestehenden Menschen wie Verwandten oder engen Freunden erlaubt. Der Handel mit Organen ist streng verboten.AFP/dpa/kami
















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