28.03.2012, 19:29

Fernsehen Aus für Harald Schmidt

Aus fuer "Die Harald Schmidt Show"

Foto: DAPD

Von Iris Alanyali

Im Quotentief: Seine Late Night Show wird eingestellt

"Am 3. Mai geht ,Die Harald Schmidt Show' in die Sommerpause. Sat.1 und die Kogel Schmidt GmbH haben sich … darauf verständigt, dass dieser Tag gleichzeitig das Finale der Sendung bedeutet." So lautete am Mittwoch die Pressemitteilung. Harald Schmidts Kommentar lautete so: "Schade". Womit er wieder einmal seine Größe zeigte. Viel mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen.

Denn wer guckt eigentlich noch Harald Schmidt? Die, die sich an die alten Zeiten erinnern, jedenfalls nicht. Ja, es war tatsächlich einmal so, dass, wer die Show verpasst hatte, sich am nächsten Morgen im Büro vorkam wie ein Partybesucher, der mit seiner Apfelsaftschorle in der Küche zwischen die Raucher geraten ist. Ist das schlimm? Ist es nicht.

Schlimm ist es, wenn einer der Raucher nicht merkt, dass inzwischen alle Apfelsaft trinken und er sie mit seiner kalten Kippe belästigt. So beließ es Produzent Fred Kogel nicht bei einem "Schade": Eine tägliche Late Night Show brauche "entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit". Wenn man sich darüber nicht einigen könne (sprich: wenn Sat.1 so gemein ist), dann "hört man besser auf".

Das erinnert an das Interview, das Markus Peichl, der Redaktionsleiter von "Gottschalk live", am Wochenende dem Berliner Sender radioeins gab. Darin rügte er die ARD-Programmdirektoren, die bereits über ein Ende der Vorabendshow nachdenken sollen, während das Team an der Verbesserung arbeite. "Wenn man uns Zeit gibt, werden wir es schaffen." Das musste ja mal gesagt werden! Man hört die Tränen zerknirschter Direktoren förmlich tropfen.

Jetzt fehlt nur noch, dass "die Medien" beschimpft werden, die "in Deutschland" ihre Stars "immer erst ganz hochschreiben", um sie dann "wieder fertigzumachen", da herrsche "in Amerika" doch "eine ganz andere Mentalität", da liebe man seine Stehaufmännchen. Aber das tun wir auch. Die Frage lautet ja nicht: Warum musste Harald Schmidt aufhören? Oder: Wann wirft Gottschalk das Handtuch? Sondern: Bei welchem Sender hatte Schmidt eigentlich noch kein Comeback? Wann bekommt Gottschalk eine eigene Sendung auf Bibel TV?

Harald Schmidt, davon muss man ausgehen, wurde von der Meldung überrascht. Am Tage zuvor noch, am Dienstag, hatte er über das Wahlergebnis der FDP im Saarland ("Nur noch 1,2 Prozent – man spricht schon von der Todeszone") und Thomas Gottschalk gelästert ("1,2 Prozent – oder wie mein Freund Thommy Gottschalk sagt: Willkommen in der Todeszone"). Aber wer in der Todeszone sitzt, sollte nicht mit Zahlen um sich werfen.

Denn so ganz überraschend kommt die erzwungene Demission für ihn natürlich nicht. Ende vergangenen Jahres tauschte er sich mit dem "Spiegel" aus und mutmaßte selber darüber, warum er nicht so viele Menschen für sich gewinnt wie erhofft: "Vielleicht ist ein Teil der Zuschauer schon zu alt geworden für die Sendung oder geht um 21 Uhr schlafen und guckt um 23.15 Uhr kein Fernsehen mehr," und dann folgte ein prophetischer Satz : "Ich überlege mir ja nicht, wie kriege ich zwei Millionen Zuschauer, sondern, ich habe so viele Zuschauer – genügt es dem Sender?"

Der Sender, in Person des neuen Sat.1-Geschäftsführers Joachim Kosack, hat dann das gesagt, was man so sagt beim Abschied: Du warst toll, aber es hat nicht sollen sein und es war eine wunderbare Zeit. Oder, anders ausgedrückt: Man sieht sich.

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