28.03.12

Fernsehen

Aus für Harald Schmidt

Im Quotentief: Seine Late Night Show wird eingestellt

Von Iris Alanyali
Foto: DAPD
Aus für "Die Harald Schmidt Show"
Eigentlich wollte Harald Schmidt bis zum Rentenalter seine Late Night Show weitermachen. Doch Sat.1 hat den 54 Jahre alten einstigen Kultstar jetzt schon ausgemustert

"Am 3. Mai geht ,Die Harald Schmidt Show' in die Sommerpause. Sat.1 und die Kogel Schmidt GmbH haben sich … darauf verständigt, dass dieser Tag gleichzeitig das Finale der Sendung bedeutet." So lautete am Mittwoch die Pressemitteilung. Harald Schmidts Kommentar lautete so: "Schade". Womit er wieder einmal seine Größe zeigte. Viel mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen.

Denn wer guckt eigentlich noch Harald Schmidt? Die, die sich an die alten Zeiten erinnern, jedenfalls nicht. Ja, es war tatsächlich einmal so, dass, wer die Show verpasst hatte, sich am nächsten Morgen im Büro vorkam wie ein Partybesucher, der mit seiner Apfelsaftschorle in der Küche zwischen die Raucher geraten ist. Ist das schlimm? Ist es nicht.

Schlimm ist es, wenn einer der Raucher nicht merkt, dass inzwischen alle Apfelsaft trinken und er sie mit seiner kalten Kippe belästigt. So beließ es Produzent Fred Kogel nicht bei einem "Schade": Eine tägliche Late Night Show brauche "entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit". Wenn man sich darüber nicht einigen könne (sprich: wenn Sat.1 so gemein ist), dann "hört man besser auf".

Das erinnert an das Interview, das Markus Peichl, der Redaktionsleiter von "Gottschalk live", am Wochenende dem Berliner Sender radioeins gab. Darin rügte er die ARD-Programmdirektoren, die bereits über ein Ende der Vorabendshow nachdenken sollen, während das Team an der Verbesserung arbeite. "Wenn man uns Zeit gibt, werden wir es schaffen." Das musste ja mal gesagt werden! Man hört die Tränen zerknirschter Direktoren förmlich tropfen.

Jetzt fehlt nur noch, dass "die Medien" beschimpft werden, die "in Deutschland" ihre Stars "immer erst ganz hochschreiben", um sie dann "wieder fertigzumachen", da herrsche "in Amerika" doch "eine ganz andere Mentalität", da liebe man seine Stehaufmännchen. Aber das tun wir auch. Die Frage lautet ja nicht: Warum musste Harald Schmidt aufhören? Oder: Wann wirft Gottschalk das Handtuch? Sondern: Bei welchem Sender hatte Schmidt eigentlich noch kein Comeback? Wann bekommt Gottschalk eine eigene Sendung auf Bibel TV?

Harald Schmidt, davon muss man ausgehen, wurde von der Meldung überrascht. Am Tage zuvor noch, am Dienstag, hatte er über das Wahlergebnis der FDP im Saarland ("Nur noch 1,2 Prozent – man spricht schon von der Todeszone") und Thomas Gottschalk gelästert ("1,2 Prozent – oder wie mein Freund Thommy Gottschalk sagt: Willkommen in der Todeszone"). Aber wer in der Todeszone sitzt, sollte nicht mit Zahlen um sich werfen.

Denn so ganz überraschend kommt die erzwungene Demission für ihn natürlich nicht. Ende vergangenen Jahres tauschte er sich mit dem "Spiegel" aus und mutmaßte selber darüber, warum er nicht so viele Menschen für sich gewinnt wie erhofft: "Vielleicht ist ein Teil der Zuschauer schon zu alt geworden für die Sendung oder geht um 21 Uhr schlafen und guckt um 23.15 Uhr kein Fernsehen mehr," und dann folgte ein prophetischer Satz : "Ich überlege mir ja nicht, wie kriege ich zwei Millionen Zuschauer, sondern, ich habe so viele Zuschauer – genügt es dem Sender?"

Der Sender, in Person des neuen Sat.1-Geschäftsführers Joachim Kosack, hat dann das gesagt, was man so sagt beim Abschied: Du warst toll, aber es hat nicht sollen sein und es war eine wunderbare Zeit. Oder, anders ausgedrückt: Man sieht sich.

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Die Karriere des Harald Schmidt

Hintergrund: Harald Schmidt
  • Der Schwabe

    Schmidt wurde am 18.8.1957 in Neu-Ulm geboren. Der Vater arbeitete als Verwaltungsangestellter, die Mutter als Kindergärtnerin. Schmidt wuchs mit einem sechs Jahre jüngeren Bruder im schwäbischen Nürtingen auf.

  • Berufswunsch Priester

    Aus seiner Schulzeit am Gymnasium in Nürtingen sind von Schmidt kabarettistische Einlagen überliefert – allerdings wollte er zunächst Priester werden. Schmidt machte die C-Prüfung für Kirchenmusik, ging dann aber an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

  • Theater und Kabarett

    Schmidt spielte erst Theater – an den Städtischen Bühnen Augsburg – und wechselte 1984 zum Düsseldorfer Kabarett "Kom(m)ödchen". Er ging in den Achtzigerjahren auch mit mehreren Soloprogrammen auf Tour.

  • Schmidt macht Fernsehen

    Fernsehen machte Schmidt ab 1988: Er moderierte "MAZ ab!", ab 1989 im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt, dazu die Rateshow "Pssst ..." in den Dritten programmen und Zwei-Mann-Nonsens-Sendung "Schmidteinander", gemeinsam mit Herbert Feuerstein. Von 1992 an moderierte Schmidt die TV-Show "Verstehen Sie Spaß?", 1993 bekam er Entertainer einen ARD-Exklusivvertrag und ein eigenes Team.

  • Wechsel zu Sat.1

    1995 ging Schmidt zu Sat.1. Dort startete er am 5. Dezember 1995 - nach dem Vorbild von US-Talkern wie Jay Leno und David Letterman – „die Harald Schmidt Show“. Die Sendung kam nach Anlaufschwierigkeiten auf einen Marktanteil von etwa 16 Prozent (durchschnittlich 930.000 Zuschauer), sie wurde vier mal pro Woche ausgestrahlt.

  • Plötzliche Pause

    Im Dezember 2003 kündigte Schmidt völlig überraschend eine "Kreativpause" an. Den Sendeplatz übernahm im Mai 2004 Anke Engelke. Während seiner Auszeit gründete Schmidt  gemeinsam mit dem Medienmanager Fred Kogel die Produktionsfirma Kogel & Schmidt GmbH.

  • Mit Pocher zur ARD

    Ende 2004 kehrte Schmidt zur ARD zurück. Der Marktanteil der Sendung, die zwei Mal pro Woche ausgestrahlt wurde und ohne Gäste auskam, lag bei 10,9 %. Ab Oktober 2007 moderierte Schmidt gemeinsam Oliver Pocher die nun wöchentliche Late-Night-Show mit dem neuen Namen "Schmidt & Pocher". Die Quote stieg auf rund 1,7 Mio. Zuschauer pro Sendung.

     

  • Zurück ins Privat-TV

    Am 17. Sept. 2009 startete die „Harald Schmidt Show“ mit Schmidt als alleinigem Entertainer. Gleichzeitig schloss Schmidt einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag mit der ARD. Anschließend ging Schmidt dann zurück zu Sat.1. Am 13. September 2011 wurde dort die erste Ausgabe der wieder aufgelegten Harald Schmidt Show gesendet, zwei Mal pro Woche. Später wurde die Sendung an drei Tagen pro Woche ausgestrahlt – im Mai wurde sie nun beendet.

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