Massaker angekündigt

Attentäter gesteht und hinterlässt ein Manifest

Der Tatverdächtige Anders B. hat die Anschläge mit 92 Toten in Oslo und einem Ferienlager gestanden. Vor dem Anschlag schrieb er im Internet über seine Ideen für ein neues Europa. Für deren Realisierung wollte er 45.000 Tote in Kauf nehmen.

Der wegen der beiden Anschläge mit 92 Toten in Norwegen festgenommene Anders B. hat die Attacken zugegeben. Sein Mandant habe den "Sachverhalt eingestanden", sagte der Verteidiger des Norwegers, Geir Lippestad. Der 32-Jährige, der laut Polizei "christlich-fundamentalistisch" orientiert ist, kündigte nach Angaben seines Verteidigers an, bei einem Haftprüfungstermin am Montag weitere Einzelheiten zu den Anschlägen zu nennen. Lippestad sagte weiter, dass sein Mandant die Taten als "schrecklich, aber notwendig" bezeichnet habe.

Nach Informationen von Morgenpost Online hinterließ der Todesschütze ein schriftliches, 1500 Seiten starkes Manifest in englischer Sprache, in dem er seine Weltanschauung präsentiert. Das Dokument stellte der Täter, Anders B., vor wenigen Tagen online.

Die Authentizität kann nicht bestätigt werden, gilt aber als wahrscheinlich, da der Terrorist bereits im vergangenen Jahr eine E-Mail Adresse mit ähnlichem Titel benutzte. Zudem tauchte ein Video auf der Plattform Youtube auf, dass vermutlich von B. stammt und ein Trailer sein soll, der den Kulturkampf in Europa beschreibt.

In dem englischsprachigen Manifest bezeichnete sich B., der ein englisches Pseudonym verwendete, als Tempelritter. Das Dokument, das Morgenpost Online vorliegt, trägt den Titel "2028 - Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung" und enthält eine Analyse der politischen und gesellschaftlichen Situation Europas und Bs. Wunsch, eine bewaffnete kulturelle Revolution einzuleiten, um eine Islamisierung und den Kommunismus einzudämmen. Unterzeichnet ist es mit "Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels".

"Wir müssen den Multikulturalismus zerstören, ihn auflösen, ihn deligitimieren und seine selbstzerstörerische Utopie sichtbar machen", schreibt B. in dem Dokument, "Nicht alle Kulturen sind gleichwertig. Einige Kulturen sind besser als andere, einige sind unsere Freunde, einige unsere Feinde." Der Multikulturalismus sei zerstörerisch wie eine Droge, so B. Er vernichte das Herz und die Seele des Menschen.

Muslime in Allianz mit Multikulturalisten, in erster Linie Marxisten, seien dabei, die europäischen Kulturen zu unterwandern und zu zerstören, schreibt Breivik. Eine Deportation von Muslimen werde dennoch auch von vielen islam-kritischen Autoren nicht in Erwägung gezogen. "Wenn diese Autoren zu ängstlich sind, eine konservative Revolution und bewaffneten Widerstand zu propagieren, dann müssen dies andere Autoren tun."

B. selbst bezeichnet sich in seinem Manifest als revolutionären Patrioten. "Wenn ich mich vor zwölf Jahren getroffen hätte, hätte ich sicher gedacht, ich wäre ein extremistischer, paranoider Idiot, der an Verschwörungstheorien glaubt."

An einer Stelle des Manifests, erklärt der Autor die "Beschreibung der Bedingungen zur Kapitulation" an verschiedene europäische Regierungen. Er spreche im Namen des "National Resistance Movements of Western Europe". Bis zum 1. Januar 2020 sollen alle europäischen Regierungen vor dieser nationalistischen Front kapitulieren und eine Reihe von Bedingungen erfüllen.

Zu lesen ist dort u.a. von der Einrichtung nationaler Tribunale und der Abschaffung der Herrschaftsformen. Kein europäischer Staat, auch nicht Norwegen, sei demokratisch. Marxisten und Multikulturalisten seien in Politik und Medien dominierend. Die Europäische Union (EU) müsse abgeschafft werden, ein patriotisches Militär in den einzelnen Ländern müsse geschaffen werden, alle Muslime müssten in das Land ihrer Herkunft deportiert werden, eine europäische Geburtsrate eingeführt werden, die NATO müsse Serbien für Kriegsschäden kompensieren.

Für Europa schlägt B. die Abschaffung der Massendemokratie und die Einführung des "Russischen Systems der administrativen Demokratie" vor. Nur der gewaltsame Widerstand, der bewaffnete Kampf, könne die Europäer retten, schreibt B. weiter: "Gewalt ist die Mutter des Wandels". Zu diesem Zweck müssten militärische Zellen nach Vorbild der Tempelritter aufgebaut werden, um Marxisten und Multikulturalisten zu bekämpfen.

Diese Ritter seien dann verpflichtet, teils grausame Taten auszuführen. "Wir wollen das nicht tun", schreibt B., "aber man lässt uns keine andere Wahl." Sollte man sich entschieden haben, loszuschlagen, sei es "besser zu viele zu töten als zu wenige".

In einer Beschreibung der Kriegstaktik, erklärt B., wie bewaffnete Operationen durchzuführen seien, wie Kosten und Material berechnet werden. Der bewaffnete Kampf würde etwa 45.000 Multikulturalisten und Marxisten in Westeuropa das Leben kosten, so B., etwa eine Millionen weitere Menschen würden verwundet werden.

B. listet verschiedene Rezepte zur Herstellung von Sprengstoffen und Chemikalien auf, beschreibt in einer Art Tagebuch wie er auf seiner Farm die Bombenherstellung probte.

Wie Europa sich verändern muss, analysiert B. über hunderte Seiten auf abstruse Weise. Er beschreibt das Szenario eines Bürgerkrieges zwischen verschiedenen Kulturen. Als alternative Investitionen der Staaten schlägt er vor: "Waffen - von Sturmgewehren, über Munition, Granaten und Minen, Schutzsichere Westen, Bunker, Überlebens-Bücher, Farmen spezialisiert auf Produkte mit hohem Kalorien-Wert". Zudem müsse man auf Landwirtschaft setzen, sowie Medizin und Handwerk.

Auch Kolumnist Henryk Broder findet Erwähnung in dem Manifest des norwegischen Attentäters. Anders B. zitiert ein Interview, das Broder einer niederländischen Zeitung gab, und in dem der Autor Europäer aufforderte auszuwandern, sollten sie ihre Freiheit weiter behalten wollen.

"Broder ist überzeugt, dass die Europäer sich der Islamisierung nicht widersetzen werden", so B. "Viele Deutsche haben nicht auf Broders Rat gewartet. Die Zahl der Migranten aus Deutschland hat längst die Zahl der Immigranten übertroffen."

Am Ende des Dokuments präsentiert sich der Massenmörder von Norwegen in bislang unveröffentlichten Fotos. Eines der Bilder zeigt ihn in einem Schutzanzug mit Gasmaske beim hantieren mit Chemikalien. Auf einem anderen Bild trägt B. eine Militäruniform, mit Abzeichen der Tempelritter. In einer weitere Aufnahme posiert der Terrorist mit einem Sturmgewehr und einer Taucher-Uniform. Auf seinem Arm prangt ein Button auf dem steht: "Marxist Hunter - Norwegen: Erlaubnis zur Jagd von Multikulturellen Verrätern."

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