TV-Dokumentation

Schmutzige Geschäfte mit sauberem Wasser auf Arte

Foto: picture-alliance/ obs / picture-alliance/ obs/PHOENIX

Wieder wird versucht, kritische Berichterstattung zu unterbinden. Betroffen ist die Arte-Doku "Water Makes Money" vor. Darin geht es um Korruption bei Wasserunternehmen.

Es ist ungewöhnlich, dass ein Betroffener mit den Mitteln des Strafrechts gegen eine TV-Sendung noch vor deren Ausstrahlung vorgeht. Der französische Mischkonzern Veolia hat diesen Weg gewählt. Er hat in Paris Anzeige wegen übler Nachrede im Zusammenhang mit der Dokumentation "Water Makes Money" der Hamburger Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz erstattet, die am 22. März auf Arte zu sehen sein wird. Die französischen Behörden haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Drei Personen, die an dem Film beteiligt waren, wurden bereits vernommen, nicht aber die beiden Hamburger Autoren. In Frankreich hat der Fall bereits Schlagzeilen gemacht, in Deutschland wird er bisher allerdings nur in Online-Foren diskutiert.

In "Water Makes Money", der schon in einigen Kinos lief, geht es um die Privatisierung kommunaler Wasserwerke, die in Frankreich bereits in den frühen achtziger Jahren im großen Stil begann. Wegen dieses Wettbewerbsvorteils können die beiden französischen Konzerne Veolia und GDF Suez nun weltweit den Wassermarkt aufrollen. In Deutschland ist vor allem Veolia aktiv, der zusammen mit RWE knapp fünfzig Prozent der Anteile der Berliner Wasserwerke hält.

Derweil ist in Frankreich ein gegenläufiger Trend zu beobachten: Immer mehr Städte, unter ihnen auch Paris, nehmen die Wasserversorgung ihrer Bürger wieder in die eigene Hand. Schenkt man den Autoren von "Water Makes Money" Glauben, gibt es dafür auch gute Gründe: Fast überall, wo Konzerne wie Veolia die Versorgung übernommen haben, würde die Wasserqualität sinken, der Wasserpreis dagegen steigen und die Infrastruktur zu allem Überfluss verrotten. Die Umstände, unter denen Konzerne kommunale Wasserversorger übernehmen, seien mitunter stark korruptionsverdächtig. Die Autoren wollen eine beklagenswerte Verfilzung von Politik und privaten Anbietern beobachtet haben.

Den deutschen Veolia-Sprecher Matthias Kolbeck, einst Büroleiter des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin, erbost der Vorwurf der Korruption besonders. Er sei ein wesentlicher Punkt der Anzeige. Ein anderer betrifft Vorwürfe des Veolia-Managers Jean-Luc Touly, der in "Water Makes Money" als Kronzeuge auftritt. Seine Behauptung, der Konzern habe ihm eine Million Euro geboten, wenn er ein kritisches Buch über Veolia nicht schreibe, sei ebenso falsch wie die, dass Touly bislang alle Verfahren gegen den Konzern gewonnen habe. Veolia musste den zwischenzeitlich entlassenen Manager im September 2010 aber wieder einstellen.

Ein presserechtliches Vorgehen gegen den Film sei nicht geplant, sagt Kolbeck. Man wolle seine Ausstrahlung nicht verhindern. Dem französischen Nachrichtenmagazin "Nouvel Observateur" sagte ein Anwalt des Konzerns aber, Veolia behalte sich Schadenersatzansprüche vor. Als Versuch der Einschüchterung will Kolbeck das nicht verstanden wissen. "Wir lassen uns auch nicht einschüchtern", sagt Filmemacher Lorenz. Arte steht weiterhin zu dem Film. Der verantwortliche Redakteur Reinhard Lohmann sieht in dem Verfahren willkommene Werbung für "Water Makes Money".

Mehr über das Projekt und die Macher des Films finden Sie hier.

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