Deutschland-Besuch
Papst Bendikt XVI. kommt nach Neukölln
Im September wird der Papst in der vatikanischen Botschaft in Berlin Neukölln übernachten.
Im September wird der Papst in der vatikanischen Botschaft in Neukölln übernachten. Die Nachbarn sehen es gelassen – Benedikt XVI. bleibt ja nur eine Nacht.
Die Vögel zwitschern, die Sonne kämpft sich durch die Laubbäume. Rund um die Apostolische Nuntiatur in Berlin-Neukölln erinnern das dichte Grün und die gelb-weiße Flagge entfernt an die vatikanischen Gärten. Wie in der Zentrale in Rom holpert hier auch nur selten ein Auto über das Kopfsteinpflaster, der Verkehr rauscht in der Ferne. Der Papst könnte demnächst die Stadtidylle stören. Während seines Deutschlandbesuches wird Benedikt XVI. am 22. September für eine Nacht am Südstern erwartet, wie die U-Bahnstation in der Nähe heißt. Um ihm eine ungestörte Nachtruhe zu ermöglichen, laufen die Sicherheitsvorkehrungen im Kiez auf Hochtouren, eine Sperrzone soll es rund um die Botschaft des Heiligen Stuhls geben.
Noch bleiben die Nachbarn entspannt. Isidoro Pucciarelli zum Beispiel. Er sitzt vor seiner "Spelonca di Bacco", liest Zeitung, auf dem Tisch steht eine Espresso-Tasse. Unter dem Glastresen reihen sich Salami-Rollen und Käse-Quadrate, seit zwölf Jahren betreibt der Süditaliener den kleinen Delikatessladen. Er erinnert sich amüsiert an die Zeit vor mehr als einem Jahrzehnt, als auf der Straßenseite gegenüber der Grundstein für die päpstliche Botschaft gelegt wurde und das Millionen-Projekt nahe des Volksparks Hasenheide das Viertel in Atem hielt.
"Einige Grünen-Politiker haben die Feier mit lautstarker Klassik-Musik beschallt", erzählt Pucciarelli, die Polizei sei durch das Fenster der Wohnung gestiegen und habe die Anlage abgeschaltet.
"Hasenheiden brauchen keine Botschaft", lautete das Motto einer Bürgerinitiative – und wohl erst recht keine päpstliche, war damals die Stimmung. Wieso sollte ausgerechnet hier ein katholischer Prunkbau entstehen, in einer Stadt, in der rund 400.000 Römisch-Katholische wie in der Diaspora leben.
Mittlerweile hat sich das Viertel an der Nahtstelle von Kreuzberg und Neukölln mit der Nuntiatur arrangiert. Der silbergraue Bürokasten hat sich eingefügt in die Szene. Eine Handvoll Menschen, einige Geistliche, halten Roms Stellung. Der päpstliche Nuntius, der Schweizer Erzbischof Jean-Claude Périsset, ist seit 2007 der oberste Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland.
"Wir haben keine Überfälle mehr", schildert Traudel Jans, die seit
27 Jahren einen Friseur-Salon gegenüber der Nuntiatur betreibt. Der Polizeischutz halte offenbar die Einbrecher fern, die sich, wie sie vermutet, aus Drogendealern aus der benachbarten Hasenheide rekrutieren. "Davor ist hier zehnmal eingebrochen worden".
Traudel Jans stammt aus einem katholischen Dorf in Südbaden, ein Papst-Fan ist sie nicht. Der Besuch bringt sie nicht aus der Ruhe und vom Lockendrehen ab. Die Polizei habe schon ein totales Parkverbot angekündigt, auch ein Baugerüst muss weg. Traudel Jans macht sich nur Sorgen, dass zum Besuch ihre Kundinnen wohl nur unter Polizeibegleitung durch die Sperrzone in den Salon kommen können.
Die Übernachtung Benedikts in der heiligen Botschaft ist nur eine von dutzenden Stationen der viertägigen Deutschland-Reise des Papstes. In Erfurt sind das Priesterseminar und das Ursulinen-Kloster als Bleibe im Gespräch, im Freiburg soll Benedikt im Priesterseminar übernachten.
Bevor der Pontifex sein müdes Haupt in Berlin-Neukölln bettet, absolviert er in der Hauptstadt den politischen Teil seiner viertägigen Deutschland-Visite: Empfang beim Bundespräsidenten Christian Wulff, Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel, Rede im Bundestag. Am späten Nachmittag will Benedikt dann im Olympiastadion vor 70.000 Menschen eine Messe feiern. Danach bewegt sich der päpstliche Tross in Richtung Nuntiatur.
Am Morgen danach wird der abgesperrte Weg zum Salon "Kalamistra" wohl rasch wieder frei sein. Schon um 7.15 Uhr will Benedikt bei einer Privatmesse in der Kapelle der Nuntiatur beten. Dann steht dort eine kurze Begegnung mit Vertretern des Islam auf dem Programm, ehe der Papst Richtung Erfurt weiterzieht. Dann wird Traudel Jans wieder ungestört die Haare ihrer Kundinnen waschen und legen und Isidoro Pucciarelli in Ruhe vor seinem Laden sitzen


















