27.05.08

James Bond

Im neuen Roman kämpft 007 in Afghanistan

Großbritannien feiert den Schriftsteller Ian Fleming (1908-1964). Deshalb erscheint jetzt ein neuer James-Bond-Roman, Sebastian Faulks hat im Auftrag der Erben "Der Tod ist nur der Anfang" geschrieben. Der Geheimagent such den Anschluss an unsere Gegenwart - und wirkt doch ziemlich altmodisch.

Foto: DPA

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Man mag das ein wenig befremdlich finden oder schlicht kurios, aber der Siegeszug von Ian Flemings James Bond-Büchern begann, als John F. Kennedy "Casino Royale", das erste Abenteuer des Kältesten Kriegers, auf die Liste seiner Lieblingsbücher setzte. Als Fleming ein Jahr nach Kennedys Ermordung starb, waren etwa 30 Millionen Bücher über 007 verkauft – dabei hatte Bonds Karriere als global wirksamer Filmheld eben erst begonnen.

22 Blockbuster und sechs Bond-Darsteller später ist 007 so bekannt wie Micky Maus. Und dass die Erben Ian Flemings (sein einziger Sohn, Caspar, starb mit nur 23 Jahren den Drogentod) die Marke Bond auch weiterhin melken möchten: Wen wundert's? Vor zwei Jahren beauftragten sie den Briten Sebastian Faulks damit, einen neuen Bond-Roman zu schreiben. Pünktlich zu Flemings Hundertstem ( Porträt siehe hier ) erscheint an diesem Mittwoch "Der Tod ist nur der Anfang".

Bond-Romane riechen nach Moschus und Feinripp

Faulks, Mitte 50, hat zuvor einige filmtaugliche Liebesgeschichten verfasst, aber auch über den Ersten Weltkrieg und die IRA geschrieben. In Großbritannien ist er sehr beliebt, in Deutschland ist derzeit keines seiner Bücher lieferbar. Ein Schicksal übrigens, dass er sich mit dem großen Ian Fleming teilt. Denn Bond, James Bond ist mit solcher Konsequenz ins Filmgeschäft gewechselt, dass derzeit einzig "Casino Royale" im Handel erhältlich ist – als Buch zum Film mit Daniel Craig und so lange es währt.

Im übrigen spioniert 007 im Antiquariat. Was nicht ganz unpassend ist. Denn richtig gut lassen sich Flemings originale Bond-Abenteuer eigentlich nur noch im Licht troddelbehängter Stehlampen im Stil der Fünfzigerjahre lesen, vorzugsweise sonntags, nach dem Braten und vor der Torte. Schlimmstenfalls riechen Bond-Romane nach Moschus und Feinripp, und manchmal sind sie einfach unfreiwillig komisch. Dann etwa, wenn sich der mondäne Bond über den Restauranttisch beugt und die Schöne gegenüber fragt: "Schmeckt Ihnen das gehackte Ei?"


Faulks findet seinen Bond, wo Fleming ihn verließ, Mitte der Sechzigerjahre, und doch hat er zumindest das Setting behutsam modernisiert. Schon die Eröffnungsszene (wie so oft in den originalen Romanen: ohne Bond) zeigt einen Schurken, der, grobporig und großnasig, wie er ist, für Fleming auf den ersten Blick typisch scheint. Allerdings hätte Fleming einen solchen Kerl nie Yusuf Hashim genannt und überhaupt war ihm der Algerienkrieg – im Vergleich zum Kalten – nicht besonders wichtig. "Der Zusammenprall der Kulturen" war eben einfach noch nicht erfunden worden.

Die immergleichen Figuren tauchen auf

Im übrigen aber gilt auch für Faulks das Gesetz des Immergleichen (das Rezept für Bonds enormen Erfolg): Neben dem Immer-James schickt Faulks den Immer-M, die Immer-Moneypenny sowie den französischen und den amerikanischen Kollegen ins Rennen, den Immer-Mathis und den Immer-Leiter. Dafür lässt er jene minutiösen Beschreibungen weg, die Fleming zuweilen wie einen Vertreter des "nouveau roman" klingen ließen: 15 Seiten über Golf (in "Goldfinger"), 30 über eine Partie Bridge (in "Moonraker") und einmal fünf über eine Players-Schachtel.

Fleming kochte seine Romane zuweilen freihändig, Faulks hält sich an Flemings 1962 veröffentlichtes Rezept "Wie man einen Thriller schreibt": "Man muss es schnell tun", erklärt Fleming darin. "Geben Sie sich sechs Wochen. Schreiben Sie 2000 Wörter am Tag, so kommen sie auf die erforderliche Länge. Halten Sie nicht inne. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf." Genau: Bei Faulks kämpft ein nach Hard-Boiled-Manier erschöpfter Bond gegen einen skrupellosen Unterweltboss. Die Schöne heißt diesmal Scarlett. Teil der behutsamen Modernisierung hingegen sind die Schauplätze: Iran, Irak, Afghanistan – alles kommt vor. "Ich schätze", sagt Bond einmal, "wir sind östlich von Moskau."

Aufregend? Neu, wenn man's genau nimmt, ist eigentlich nur dies: Dass Sebastian Faulks "als Ian Fleming" (wie es auf dem Buchumschlag heißt) schreibt – wie genau man sich das, jenseits aller Marketinggags, auch vorstellen mag. Denn die Geschichte des James Bond ist – im Auftrag der Glidrose Productions Ltd, heute Ian Fleming Publications Ltd. und gänzlich in Familienbesitz – nach Flemings Tod stante pede fortgesetzt worden.

Niemand anders als der große, mit viel Humor gesegnete Kingsley Amis (Vater von Martin Amis und Autor des famosen Campus-Romans "Glück für Jim") machte 1967 unter dem Pseudonym "Robert Markham" den Anfang. Seitdem sind – Charlie Highsons Geschichten um den Teenager-Bond nicht mitgerechnet – mehr als 20 Nachfolgeromane erschienen (von Amis, James Gardner und zuletzt Raymond Benson): Sie heißen "Liebesgrüße aus Athen" (Amis), "Moment mal, Mr. Bond" (Gardner) oder "Tod auf Zypern" (Benson) und werden seit Ende der Neunziger wegen chronischer Erfolglosigkeit nicht mehr übersetzt. Mal sehen, ob der Buchstaben-Bond jetzt für Retro reif ist.

Sebastian Faulks: Der Tod ist nur der Anfang. Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Heyne, München. 352 S., 12,95 Euro.

Hier finden Sie die Würdigung zu Ian Flemings 100. Geburtstag

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