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05.02.09

Skandalsendung

Kinder-"Big Brother" ist grausamer als das Original

Ein britischer TV-Sender strahlt eine umstrittene Sendung mit Minderjährigen aus. In zwei Dörfern werden Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und nach Geschlechtern getrennt eine Zeit lang sich selbst überlassen. Besonders die Mädchen kämpfen mit geschliffener psychischer Grausamkeit.

© Channel Four
Ein Kind aus der Sendung weint vor laufenden Kameras
Ein Kind aus der Sendung weint vor laufenden Kameras

Wieder einmal diskutieren die Briten über den richtigen Umgang mit Kindern, und wieder einmal steht der Minderheiten-Kanal Channel Four im Kreuzfeuer der Kritik. Die Macher, offenbar inspiriert von "Der Herr der Fliegen", dem düsteren Roman des Nobelpreisträgers William Golding, wollten eine Frage klären, die Eltern je nach Temperament quält oder fasziniert: Was machen Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren, die – nach Geschlechtern getrennt – eine Zeit lang sich selbst überlassen bleiben?

Für die vierteilige Sendung richtete Channel Four im vergangenen Sommer in der westenglischen Grafschaft Cornwall zwei Dörfer von je drei Häusern ein, wo die Kinder einquartiert wurden. Jedes Dorf erhielt ausreichend Lebensmittel und Spielsachen, auch kontrolliertes Einkaufen war erlaubt.

Ein soziales Experiment, um zu sehen, "wer eine bessere Welt schaffen kann", wie die Programmverantwortliche Dominique Walker vollmundig behauptete? Ach was, kontert Lucy Mangan, die TV-Kritikerin des "Guardian": "Brillante Unterhaltung". Immerhin habe sie gelernt, "dass Männer nicht unsere Gesellschaft dominieren, weil sie stärker sind, sondern einfacher gestrickt".

Tatsächlich stürzen sich die Jungen als Erstes aufs Spielzeug und planschen einen Tag lang im Wasser herum, bis sie kein trockenes Kleidungsstück mehr haben. Als es ans Kochen geht, gelingt es den Klügeren immerhin, sich eine Pizza zu wärmen. Sid, 9, hingegen rührt seine Instantsuppe mit kaltem Leitungswasser an.

Bei den Mädchen gibt es am ersten Abend hingegen Spaghetti für alle – jedenfalls für alle Bewohner des einen Hauses, die sich instinktiv um zwei manipulative Führungspersonen Charlotte und Taisha, beide 11, geschart haben. Eine kleinere Gruppe hält zu einer Rothaarigen, die vom Diktatorinnen-Duo gnadenlos geschnitten wird.

"Die Mädchen kämpfen mit geschliffener psychischer Grausamkeit, die an Genie grenzt", urteilt Mangan. Beispielsweise macht sich die Gruppe der Älteren erbötig, den Jüngeren das Haus zu streichen. Zum Vorschein kommen aber keine warmen Wandfarben, sondern Slogans wie "Hoffentlich kratzt Ihr bald ab".

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