Film: Monga - Gangs of Taipeh
Mafia? Welche Mafia?
Eine Gruppe ganz sympathischer Jugendlicher schließt sich zu einer Gang zusammen. Anfangs eher harmlose Draufgänger, entwickeln sie sich zu Verbrechern und geraten in tödliche Konkurrenz. Man mag es kaum glauben, dem taiwanesischen Schauspieler und Regisseur Doze Niu gelingt es, diesem Uraltplot eine neue Note abzugewinnen.
Von Barbara Schweizerhof
Dazu gehört, dass am Ende der zentrale Held mit seltener Klarheit die Essenz des Gezeigten auf den Punkt bringt: "Mafia? Welche Mafia? Ich wollte nie zur Mafia gehören, mir ging es immer um die Freundschaft, um die Bruderschaft."
Es ist die Inszenierung dieser Freund- und Bruderschaft, die dem Film sein frisches Flair verleiht. Chou Yi-Mong, der sich "Mosquito" nennt, ist zu Beginn neu im Viertel und in der Schule, und neu sein bedeutet drangsaliert zu werden. Als ihm der Klassentyrann den Hähnchenschlegel klaut, beginnt Mosquito sich zur Wehr zu setzen. Seine Verteidigungstechniken erregen die Aufmerksamkeit von "Dragon Lee" und seinen Kumpels, die ihm als Freundschaftsantrag die Chance verschaffen, sich zu rächen. Mosquito nimmt an, und so bilden sie eine gutgelaunte und gern handgreiflich werdende Truppe. Als größter Streich gelingt es ihnen, eine Massenschlägerei anzuzetteln. Nach vollbrachter Tat lassen sie sich auf einem der Dächer nieder und betrachten zufrieden aus der Vogelperspektive ihr Werk. Man ahnt in diesen Momenten noch nicht, mit welchen tragischen Wendungen der Film noch aufwartet.
Zwei Dinge feiert der einstige Schauspieljungstar Doze Niu in seinem Film: Da sind zum einen die Jungs, die mit sinnlicher Freude am Leichtsinn jede Gelegenheit nutzen, ein bisschen Ärger zu bekommen. Mit ihren herzhaft lachenden Minen sind sie am Anfang das Gegenteil des westlichen, von Frust und Wut geprägten Halbstarkenklischees. Selbst wenn sie die Fäuste schwingen, inszeniert Doze das wie einen heiteren Tanz.
Doch nach und nach verschließen sich die Gesichter, werden Sprache und Schläge härter; der Mafia- droht den Freundschaftscode zu überlagern. Mehr noch als seine "Jeunesse dorée" feiert der Film den Stadtteil, in dem er spielt. Wieder und wieder rennt die Kamera die Gassen von Monga entlang. Es ist, als wäre das Viertel selbst ein Organismus - dem Mafia- und Freundschaftsprobleme allerdings völlig gleichgültig sind.
Action: Taiwan 2010, 140 Min., von Doze Niu Chen-zer, mit Mark Chao, Ethan Ruan, Rhydian Vaughan
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