Film: Sonic Mirror
Gütiger Donnergott
Donnerstag, 15. Oktober 2009 03:08 - Von Michael PilzEs geht um die verlorene Heimat, es geht um Musik. Die Ahnen Billy Cobhams, der als Schlagzeuger den Jazzrock prägte, wurden aus Nigeria nach Amerika verschleppt. "Aus diesem Grund", sagt Cobham, "bin ich Musiker geworden."
Für ihn sei es gleich, ob er in Finnland für ein Jazzorchester, mit Autisten in der Schweiz oder mit Straßenkindern in Brasilien trommelte. Die Musik als transportable Heimat.Über diese tröstliche Idee hat Mika Kaurismäki einen Film gedreht, der Billy Cobham porträtiert und die soziale Macht des Trommelns feiert. "Sonic Mirror" zeigt den Grenzverlauf zwischen vernünftiger Musik und ominösen Klang-Heilslehren. Finnen tauen auf. Autisten tanzen jauchzend in der Kirche. Brasilianer schätzen Fleiß und Disziplin. Mehr muss ein Musiker nicht leisten. Ob er Billy Cobham heißt und von der Unicef entsandt wird oder Shango, Donnergott der nigerianischen Yoruba.
Vielleicht braucht es auch den Blick von Mika Kaurismäki, eines sachlichen Romantikers. Er saß in seiner Jugend in Orimattila selbst am Schlagzeug. Später leistete er mit dem jüngeren Bruder Aki Großes für das finnische Autorenkino. Unvergessen Mikas kauziges Drogenepos "Zombie und der Geisterzug" und Akis wortkarge Geschichten aus dem Land der ewigen Dämmerung. Seit 18 Jahren freut sich Mika Kaurismäki im Exil in Rio an der Sonne, unterhält Musikkneipen, dreht Filme - und lernte Billy Cobham kennen, seinen Jugendhelden.
Mit der Kamera und der gebotenen Ehrfurcht hat der Regisseur den 65-Jährigen begleiten dürfen. Nach New York, wo Cobham vorführt, wie er auf der Kühlerhaube eines Chryslers erste Rhythmen schlug und wo sein Vater heute noch als stolzer Greis Klavier spielt. Weil Cobham heute in der Schweiz lebt, fährt er gern nach Bärau in ein fortschrittliches Heim, um mit Autisten musikalisch in Kontakt zu treten. Auch mit Hilfe echter Häuptlinge aus Afrika, der Heimat seiner Ahnen.
Dokumentation : Schweiz/Finnland/D 2007, 90 Min., von Mika Kaurismäki, mit Billy Cobham, Malê Debalê, Tunji Beier






















