"Zum Vergleich"
Was sich so alles Ziegelstein nennt
Harun Farockis Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie sozusagen Wort halten: In "Die Schöpfer der Einkaufswelten" ging es um jene Architekten und Designer, die unsere Shoppingmalls entwerfen. In "Nicht ohne Risiko" ging es um "Risikokapital", Titel wie "Die Bewerbung" oder "Die Umschulung" sprechen sowieso für sich.
Von Barbara Schweizerhof
Diese gewollte Geheimnislosigkeit findet sich auch in der Art, in der Farocki seine Dokumentationen filmt: Die Kamera konzentriert sich ganz darauf, ein stummer Beobachter zu sein, auf jeglichen Inszenierungschnickschnack wird verzichtet.
In seinem neuen Film, der Dokumentation "Zum Vergleich", treibt Farocki die Schlichtheit der Aufnahme und die Direktheit der Herangehensweise auf eine neue Spitze: Auf drei Kontinenten, Afrika, Asien und Europa, hat Farocki Menschen dabei gefilmt, wie sie aus Lehm Ziegel herstellen. Was in Afrika als kollektive Handarbeit vollzogen wird, ist in den Aufnahmen aus Asien bereits ein professionalisierter Arbeitsablauf mit einem minimalen Mechanisierungsgrad. In europäischen Ziegelfabriken arbeiten ausgeklügelte Maschinen unter der Aufsicht weniger Kittelträger.
Die Produkte, die aus diesen verschiedenen Fertigungen entstehen, könnten kaum unterschiedlicher sein und dienen doch demselben Zweck, dem Häuserbau. Während der Film in sturer Chronologie ohne Kommentar die Arbeitsszenen aneinanderreiht, kann der Zuschauer gar nicht anders, als zum titelgebenden Vergleich anzusetzen. Der verschiedene Anteil von beteiligten Frauen fällt einem auf - je höher die Mechanisierungsstufe, desto weniger von ihnen sieht man.
Deutlich wird auch die völlig unterschiedliche Weise, in der Arbeit organisiert wird, genauso wie die Variationsbreite dessen, was ein Ziegel sein kann. Und wie so oft bei Farocki-Filmen findet man das Thema am Ende interessanter als noch am Anfang. Ganz nach dem Motto: "Arbeit kann so schön sein, ich könnte stundenlang zuschauen."
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