"Die wundersame Welt der Waschkraft"
Leben zwischen Waschmaschine und Heißmangel
Donnerstag, 7. Mai 2009 12:02 - Von Eberhard v. ElterleinWie kommt es, dass in Berlins Nobelhotels alltäglich die Bettwäsche blütenweiß und faltenglatt, fast wie neu, strahlt? Diesem Geheimnis ist der Dokumentarfilmer Hans-Christian Schmid auf die Spur geganen. Sein Film entführt den Zuschauer in die Welt der Wäschereien Polens. Er taucht aber nicht nur ein in die Waschzuber, sondern auch in die Wohnzimmer, Ehen und Träume der Arbeiterinnen.

Vor einer Woche startete in den Kinos die Dokumentation "Wasser und Seife". Es geht um drei Frauen in einer Hamburger Wäscherei. Man sieht sie müde mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren, wo Wäschesäcke und sehr lange Tischdecken zwischen Mangelmaschinen und Trockner hin- und hergeschoben werden. Es ist eng und heiß und feucht, diese Welt ist klein, die Perspektive der Filmemacherin Susan Gluth ist es auch, weil der Blick nie weiter geht als über die Elbe, die die Wäscherei von den kleinen Wohnungen trennt.
Hans-Christian Schmid drehte einst einen Spielfilm über den deutsch-polnischen Grenzverkehr ("Lichter"). Nun hält er als Dokumentarist die Lupe auf die Menschen in diesem Wirtschaftskreislauf. Er schaut tief in die Herzen und Wohnungen der polnischen Frauen, denen die Schichtarbeit Alltag, Träume und zuweilen den Familienstand diktiert. So machen sich zum Beispiel die drei kleinen Kinder von Beata jeden Morgen Frühstück (und daran wird sich über das Filmende hinaus nichts ändern); Beatas Mutter Lidia geht derweil nach England, um den Haustraum von Beatas Freund zu finanzieren - wenn der endlich die Räumungsklage gegen seine Ex-Frau durchkriegt (was beides nicht funktionieren wird). Und die 21-jährige Marta träumt derweil von Irland (landen wird sie - das steht im Abspann - in einem Stettiner Blumencenter).
Und so entstehen und platzen Luftschlösser in dem vernachlässigten Grenzstädtchen Gryfino, von dem wir bald wissen, warum nur die Alten hier bleiben. Es wird geraucht und geträumt in viel zu engen Wohnungen, und es ist das große Verdienst von Hans-Christian Schmid, dass er deutsche Interessen und polnische Lebenswirklichkeit nicht gegeneinander ausspielt, sondern mit rein dokumentarischem Interesse die menschlichen Dimensionen des kleinen Grenzverkehrs zeigt. Und zu dem gehören eben die Träume der Polinnen genauso wie der Drill, dem die deutschen Zimmermädchen in den Berliner Nobelhotels ausgesetzt sind.
Deutschland 2009
93 min., ab 12 Jahren
Regie: Hans-Christian Schmid

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