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"Die wundersame Welt der Waschkraft"

Leben zwischen Waschmaschine und Heißmangel

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Wie kommt es, dass in Berlins Nobelhotels alltäglich die Bettwäsche blütenweiß und faltenglatt, fast wie neu, strahlt? Diesem Geheimnis ist der Dokumentarfilmer Hans-Christian Schmid auf die Spur geganen. Sein Film entführt den Zuschauer in die Welt der Wäschereien Polens. Er taucht aber nicht nur ein in die Waschzuber, sondern auch in die Wohnzimmer, Ehen und Träume der Arbeiterinnen.

Kinostarts - "Die wundersame Welt der Waschkraft"
Foto: DPA
Polnische Waschfrauen machen aus dreckiger deutscher Bettwäsche saubere deutsche Bettwäsche

Vor einer Woche startete in den Kinos die Dokumentation "Wasser und Seife". Es geht um drei Frauen in einer Hamburger Wäscherei. Man sieht sie müde mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren, wo Wäschesäcke und sehr lange Tischdecken zwischen Mangelmaschinen und Trockner hin- und hergeschoben werden. Es ist eng und heiß und feucht, diese Welt ist klein, die Perspektive der Filmemacherin Susan Gluth ist es auch, weil der Blick nie weiter geht als über die Elbe, die die Wäscherei von den kleinen Wohnungen trennt.

Heute nun startet die Dokumentation "Die wundersame Welt der Waschkraft" in den Kinos, und auch hier geht es um Frauen in einer Wäscherei. Der Blick von Regisseur Hans-Christian Schmid geht hier allerdings über die Oder und - nicht nur das macht ihn zum besseren der beiden Dokumentarfilme - darüber hinaus. Denn er hat zwei Perspektiven: Zum einen sehen wir Berliner Nobelhotels mit ihren blütenweißen Bettlaken, Handtüchern und Servietten - und andererseits jene Wäscherei im polnischen Grenzstädtchen, die dafür sorgt, dass die schmutzige Hotelwäsche aus der deutschen Hauptstadt gesäubert, gefaltet und gebügelt zurückkommt.

Hans-Christian Schmid drehte einst einen Spielfilm über den deutsch-polnischen Grenzverkehr ("Lichter"). Nun hält er als Dokumentarist die Lupe auf die Menschen in diesem Wirtschaftskreislauf. Er schaut tief in die Herzen und Wohnungen der polnischen Frauen, denen die Schichtarbeit Alltag, Träume und zuweilen den Familienstand diktiert. So machen sich zum Beispiel die drei kleinen Kinder von Beata jeden Morgen Frühstück (und daran wird sich über das Filmende hinaus nichts ändern); Beatas Mutter Lidia geht derweil nach England, um den Haustraum von Beatas Freund zu finanzieren - wenn der endlich die Räumungsklage gegen seine Ex-Frau durchkriegt (was beides nicht funktionieren wird). Und die 21-jährige Marta träumt derweil von Irland (landen wird sie - das steht im Abspann - in einem Stettiner Blumencenter).

Und so entstehen und platzen Luftschlösser in dem vernachlässigten Grenzstädtchen Gryfino, von dem wir bald wissen, warum nur die Alten hier bleiben. Es wird geraucht und geträumt in viel zu engen Wohnungen, und es ist das große Verdienst von Hans-Christian Schmid, dass er deutsche Interessen und polnische Lebenswirklichkeit nicht gegeneinander ausspielt, sondern mit rein dokumentarischem Interesse die menschlichen Dimensionen des kleinen Grenzverkehrs zeigt. Und zu dem gehören eben die Träume der Polinnen genauso wie der Drill, dem die deutschen Zimmermädchen in den Berliner Nobelhotels ausgesetzt sind.

Deutschland 2009

93 min., ab 12 Jahren

Regie: Hans-Christian Schmid

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