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Velothon

12.000 Radler kämpfen in Berlin gegen müde Muskeln

Rund 12.000 Teilnehmer sind am Sonntag in Berlin an den Start der Jedermann-Veranstaltung Velothon gegangen. Mit sportlichem Ehrgeiz und mit viel Spaß absolvierten sie die 60- und die 120-Kilometer-Strecken. Hunderttausende sahen ihnen dabei zu.

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Skoda Velothon Radrennen
Foto: ddp/DDP
Rund 12.000 Radler gingen beim zweiten Velothon in Berlin auf die Strecke. Zur Wahl standen 60 und 120 Kilometer.

Um kurz nach 12 Uhr verstummt die Musik schlagartig. Auch der Moderator hält inne. Die ganze Zeit über hat er die Wartenden am Streckrand mit Informationen und Anekdoten über den Velothon versorgt. Jetzt erklingt eine andere Stimme aus den Boxen: „Hier ist das Führungsfahrzeug. Die ersten Fahrer nähern sich der Zielgerade – es wird eng.“ Der Moderator übernimmt wieder, er fordert die Zuschauer auf, sich schon einmal warm zu klatschen. Die Spannung steigt merklich an.

Um 12.12 Uhr ist es so weit: Unter tosendem Beifall und von unzähligen Handys gefilmt, passiert der erste Rennradler das Ziel. Victor Ulzen aus Berlin hat die 120 Kilometer in nur 02:45:46 bewältigt. Damit hat er den 2. Berliner Skoda-Velothon für sich entschieden. Nach ihm kommen noch 6394 weitere Fahrer ins Ziel, die letzen knapp drei Stunden später.

Nur ein paar Minuten vor Ulzen beeilen sich zwei ältere Herrschaften über die weiße Markierung auf der Straße des 17. Juni. Sie sind die glücklichen Schlusslichter der 4844 Sportler, die schon um 8 Uhr für die 60-Kilometer-Distanz angetreten sind. Hier war Sascha Böhm der Schnellste. Der Berliner fuhr die Berlin-Runde in 01:34:34.

Reinald Achilles vom Veranstalter Upsolut Event zieht ein positives Fazit des Velothons. Mit insgesamt knapp 12.300 Teilnehmern und geschätzten 300.000 Zuschauern habe der Velothon im zweiten Jahr eine noch größere Resonanz in Berlin und Brandenburg gefunden. Die allermeisten Mitfahrer und Gäste zeigten sich sehr zufrieden mit Strecke und Organisation. So auch der Fahrradbeauftragte des Berliner Senats, Benno Koch. „Das Ding ist eine Super-Nummer“, sagte er, nachdem er selbst mitgestrampelt war.

Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen – 1100 Streckenposten und mehr als 600 Polizisten waren im Einsatz – blieben Stürze nicht aus. Laut Veranstalter wurde 54 mal erste Hilfe geleistet, 17 Verletzte mussten in Krankenhäuser gebracht werden.

Pulks mit über Hundert Radlern

Die Uhr zeigt immer noch 12.12 Uhr, da schießen schon die nächsten Räder durchs Zieltor. Die Erstplatzierten liegen nur wenige Meter und noch weniger Augenblicke auseinander. Die Menge jubelt ohne Unterlass. Kinder auf den Schultern ihrer Väter lassen Holzratschen kreisen, andere Zuschauer trommeln mit Eifer auf die Werbebanner der Streckenbegrenzung.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag, in großen Feldern von mehr als Hundert Fahrern stürmen die Velothonisten auf das Brandenburger Tor zu, das sich am Horizont hinter dem Ziel abzeichnet. Innerhalb einer Sekunde sind es so viele, es ist unmöglich für den Ansager, all ihre Namen einzeln auszurufen. Angesichts der Geschwindigkeiten kann man davon ausgehen, dass es ohnehin keiner der behelmten Radsportler wahrnehmen würde. Deren Minen sind oft noch wie versteinert, entspannen sich erst hinter der Linie wieder. Nur wenige lachen erleichtert, der Moderator meint erkannt zu haben, dass es eher die Frauen sind.

Vielleicht hat er sogar recht. Zwei Frauen, die in Radler-Montur neben der Rennstrecke entlangschlendern, sehen sehr fröhlich aus. Sie erzählen, dass sie gerade die 60-Kilometer Cityrunde bestanden haben. Wie es war? „Super!“ Susan Rasokat ist begeistert. Die Strecke sei in diesem Jahr noch besser als bei der Velothon-Premiere 2008, sagt die 35-Jährige. Nur einige Hamburger habe sie über den Straßenbelag meckern hören. „Wir haben das Drumherum sehr genossen, obwohl wir die Stadt als Berlinerinnen ja gut kennen“, ergänzt ihre Kollegin Ute Jablonski.

Aufgefallen sei den beiden, dass nur wenige Frauen mitgeradelt sind. Das sei schade, sagen sie, werde sich aber ändern, da sind sie sich sicher. Jablonski, die soeben ihr erstes Radrennen gefahren ist, sei doch das beste Beispiel. Bei so viel Adrenalin im Blut ist selbst die Zeit Nebensache. Wie schnell beide waren, wissen sie nämlich noch gar nicht. Das wollen sie sich zu Hause im Internet ansehen.

120 Kilometer für die Morgenpost

Morgenpost-Redakteur Jens Anker (43) trat am Sonntag ebenfalls kräftig in die Pedale. Obwohl er nie zuvor an einem Radrennen teilgenommen hat, entscheidet er sich für die 120-Kilometer Distanz. „Bis Kilometer 80 lief es super, ab Kilometer 100 wurde es schwer und die letzten dreitausend Meter waren die Hölle“, lautet sein Resümee. Trotzdem gehört Anker nicht zu den 50 Personen, die vom Besenwagen eingesammelt werden mussten. Im Gegenteil: Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h bewältigt er die Strecke in knapp vier Stunden.

Um 10.10 war Anker im Block G, dem letzten Starterfeld, gestartet. „Der Anfang verlief ganz geschmeidig“, erzählt er, „den ersten Unfall habe ich auf dem Spandauer Damm gesehen. Eine am Boden liegende Person wurde von der Feuerwehr mitgenommen.“ Bei Kilometer 14 dann der steilste Anstieg der Strecke. „Gut, dass der Grunewaldturm so früh kam, hier hatte ich keine Probleme.“

Weiter vorn gibt es dagegen welche: eine Lautsprecher-Durchsage klärt die Zuschauer darüber auf, dass sich eine Pferdekutsche auf die Fahrbahn verirrt habe. Einige Fahrer müssen das Tempo deshalb ein wenig drosseln. Woanders hört man, dass Streckenposten am Potsdamer Platz einem gestrandeten Reisebus von der Straße helfen mussten.

Weiter südlich, in Lichtenrade, verlässt Anker Berlin und rollt auf märkischen Landstraßen weiter. „Die Fahrt durch Brandenburg war wunderschön“, sagt er. „Bis wir die Stadtgrenze wieder erreichten fuhr ich mit etwa 13 Leuten im Pulk. Vorneweg radelten zwei Tempomacher und spendeten uns Windschatten. Wie Urlaub!“

Zurück in Berlin zerfällt die Gruppe, und Anker muss wieder allein gegen den Wind ankämpfen. „Da hatte ich einfach nichts mehr in den Beinen“, gibt er zu Protokoll. Selbst die sechs Bananen und noch einmal sechs Energie-Riegel sind nun restlos verbrannt. „In diesem Zustand habe ich jede noch so kleine Steigung gespürt.“ Aber das Ziel ist nah, und auf den letzten Metern ziehen sich die Leidenden gegenseitig. „Es war ein mordsmäßiger Spaß“, sagt Anker später, als er seine Reserven mit einem Weizenbier wieder auffüllt. Sein Glas ist längst leer, als um 14.49 Uhr auch das letzte Rad ins Ziel rollt, verfolgt nur noch vom Besenwagen.

Alle Informationen rund um den 2. Berliner Skoda-Velothon finden Sie im Internet unter www.morgenpost.de/velothon



Erschienen am 21.06.2009

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