Zweite Liga

Union sucht mehr Durchschlagskraft im Aufstiegsrennen

Union tut sich in der Rückrunde schwer mit dem Herausspielen von Chancen. Dabei winkt bei einem hohen Sieg gegen Bielefeld Rang drei.

Union-Stürmer Sebastian Polter (vorn) ist in vielen Zweikämpfen gefordert

Union-Stürmer Sebastian Polter (vorn) ist in vielen Zweikämpfen gefordert

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Berlin.  Es wird ein Nachmittag des Wiedersehens im Stadion an der Alten Försterei. Der Trainer des 1. FC Union, Jens Keller, trifft am Sonntag (13.30 Uhr) auf Jürgen Kramny, seinen Kollegen bei Arminia Bielefeld sowie einst Teamkollege und Co-Trainer Kellers beim VfB Stuttgart.

Dann kehrt Sören Brandy nur einen Monat nach seinem Wechsel zur Arminia erstmals seit dreieinhalb Jahren als Gegner nach Köpenick zurück. Schließlich kann Union zumindest bis Montagabend ein Wiedersehen mit Relegationsrang drei feiern. Dazu braucht es einen Vier-Tore-Sieg gegen Bielefeld. Und hier beginnt das Problem.

Die beiden Rückrundenpartien gegen Bochum (2:1) und in Dresden (0:0) haben gezeigt: Union tut sich im Jahr 2017 noch ein wenig schwer mit dem Herausspielen von Torchancen. Wenn Keller zu verstehen gibt, dass "die Zweite Liga kein Kinderspielplatz ist, man kann gegen jedes Team verlieren, wenn man nicht die Leistung bringt", so ist in erster Linie die Ausgeglichenheit im Bundesliga-Unterhaus gemeint. Durch Kellers Zusatz ("Wir müssen unsere Leistung immer zu 100 Prozent abrufen. Nur dann können wir da oben ein Wörtchen mitreden") wird aber auch deutlich, dass Unions Offensive noch etwas Luft nach oben hat.

Polter reibt sich in Zweikämpfen auf

Dies hat nicht zuletzt etwas mit Sebastian Polter zu tun. Dem von den Fans bei seiner Rückkehr euphorisch gefeierten Stürmer fehlt in letzter Konsequenz noch die Durchschlagskraft. Sein Treffer gegen Bochum war nicht mehr als ein Geschenk der VfL-Defensive, und seinen Auftritt zuletzt im Ost-Derby in Dresden kommentierte der 25-Jährige so: "Das waren irgendwie alles so halbe Sachen."

Dies gilt freilich nicht für seinen Einsatz, seien es die Laufwege, die er bestreitet, oder die Zweikämpfe. Polter rackert, schiebt und drückt, legt sich fast wörtlich in jedes Duell und lässt dabei selbst kleine Handgriffe nicht aus, die gut und gerne auch in einer Gelben Karte münden könnten. "Noch meinen es die Schiedsrichter gut mit mir", sagte Polter, aber "ich kann und will mich nicht ändern".

Was Polter auszeichnet, ist sein unerschütterlicher Optimismus, den er auch vor und während des Spiels an seine Teamkollegen weitergibt. Und sein eigener Leistungsstand? "Ich glaube, dass ich ganz gut angekommen bin, aber auch, dass da noch mehr geht", erklärte Polter: "Von Spiel zu Spiel kommt mehr in die Beine rein. Das wird schon." Bis es soweit ist, wird seine Klasse vor des Gegners Tor in all jenen Grätschen und Zweikämpfe aufgerieben.

Spielweise des Stürmers ist nicht permanent zu verteidigen

Um dennoch die nötige Lockerheit und Fokussierung zu behalten, versucht es Union kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit mit einer kurzen, gemeinsamen Erwärmung. Und unter der Woche geht es sogar auf die Yoga-Matte – körperliche und geistige Entspannung, um den Blick für den nächsten Gegner schärfen zu können.

Was Union Mut machen sollte, gerade gegen die tief im Abstiegskampf steckenden Bielefelder: Polters Spielweise permanent zu verteidigen, ist unmöglich. Selbst wenn ihn zwei oder gar drei Verteidiger in die Mangel nehmen, ist der Stürmer immer in der Lage, mit einem Pass den so geschaffenen Raum zu nutzen.

Bis dahin muss jener Leitsatz gelten, den Kapitän Felix Kroos seiner Mannschaft im spannenden Aufstiegsrennen mit auf den Weg gegeben hat: "Wenn man vorne keine Durchschlagskraft hat, muss man zumindest hinten sicher stehen." Gelingt dies gegen Bielefeld, dürfte Union am Wiedersehen seine Freude haben.

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