Zweite Bundesliga

0:3: Union Berlin gegen RB Leipzig ohne Chance

Die stark ersatzgeschwächten Berliner verloren klar gegen Tabellenführer Leipzig und kassierten die siebte Saisonpleite.

 Yussuf Poulsen (r) jubelt nach seinem Treffer zum 3:0. Die Berliner Michael Parensen (l) und Torwart Jakob Busk  sind düpiert

Yussuf Poulsen (r) jubelt nach seinem Treffer zum 3:0. Die Berliner Michael Parensen (l) und Torwart Jakob Busk sind düpiert

Foto: Jan Woitas / dpa

Die Einmarschmusik war perfekt gewählt. Zu Klängen aus dem Kinofilm "Rocky" betraten die beiden Mannschaften den Platz. Die Geschichte des krassen Box-Außenseiters, wie im cineastischen Meisterwerk mit Sylvester Stallone beschrieben, sollte am Freitagabend vor 30.964 Zuschauern schließlich ein weiteres Kapitel erfahren.

Angesichts des riesigen Lazaretts beim 1. FC Union waren die Rollen im Zweitliga-Spiel bei Spitzenreiter RB Leipzig auch allzu deutlich verteilt. Zumal mit Bobby Wood nur wenige Stunden vor dem Spiel auch noch der achte Ausfall zu beklagen war. Unions bester Schütze (neun Tore) blieb mit gezerrter Schulter in Berlin. Insofern ist das 0:3 (0:2) der bis dahin besten Rückrundenmannschaft beim Aufstiegsaspiranten Nummer eins auch nachvollziehbar.

"Leipzig hat schon eine gute Qualität. Sie haben in den entscheidenden Situationen das Richtige gemacht", sagte Michael Parensen, der sich über seinen Rekord, 162 Zweitliga-Spiele für Union bestritten zu haben, nicht wirklich freuen konnte. "Das fällt mir schon recht schwer jetzt", sagte der Verteidiger.

Parensens Nebenmann Emanuel Pogatetz schlug in die gleiche Kerbe: "Wir hatten sehr viel zu verteidigen und kaum Entlastung nach vorn. Man kann schon sagen, dass wir keine Chance hatten." Oder wie Kapitän Benjamin Kessel angesichts des Potenzials beim Gegner anführte: "Das ist eine Mannschaft, die in dieser Liga nichts zu suchen hat."

Dabei begann Union trotz seines letzten Aufgebots recht ordentlich. Selbst das Fehlen der rund 4500 mitgereisten Union-Anhänger wirkte sich nicht auf den Auftritt der Köpenicker aus. Doch als sich der Gästeblock nach der Protest-Viertelstunde begleitet von Böllern füllte, lag Union schon zurück. Nach 13 Minuten bekamen die Köpenicker zu spüren, was passiert, wenn man gegen Leipzig die Ordnung verliert. Emil Forsberg war auf der linken Seite durch, sein Pass in die Mitte erreichte den völlig freien Dominik Kaiser – 0:1.

Ähnliches passierte nach 25 Minuten. Nach einem abgewehrten Freistoß schlug Leipzigs Diego Demme den Ball über die vom Tor wegeilenden Berliner hinweg einfach wieder in den Strafraum. Dort düpierte Marvin Compper Unions Parensen mit einem Hinterkopfball, den in der Mitte – natürlich freistehend – Willi Orban verwertete. 0:2, und Union-Torwart Jakob Busk hatte noch nicht eine Chance gehabt, um sich auszuzeichnen. Erst in der 38. Minute durfte der Däne mit einer Fußabwehr gegen Forsberg, der kurz zuvor einen Freistoß an die Latte gezimmert hatte, Schlimmeres verhindern. "Das war ein bitterer Abend für uns, weil wir uns trotz der Personalprobleme etwas vorgenommen hatten", sagte Trainer Sascha Lewandowski: "Wir haben gegen eine sehr gut funktionierende Mannschaft wenig Paroli bieten können."

Hatte Union durch Eroll Zejnullahu und Kenny Prince Redondo vor der Pause wenigstens noch einige gefällige Aktionen im Mittelfeld, so kamen die Gäste nach dem Wechsel zunächst gar nicht zum Luftholen. RB zeigte nun jene Spielphilosophie, mit der man in den kommenden Jahren nicht nur die Bundesliga, sondern auch in Europa für Furore sorgen möchte. Beim Gegenpressing agierte Leipzig zeitweise mit sieben (!) Spielern. Das 0:3 durch Yussuf Poulsen war die logische Folge (52.). Der Stürmer hatte eine Kaiser-Flanke ins Tor verlängert. "Wie wir gegen den Ball gespielt haben, mit welcher Wucht und Synchronität – das war heute oberstes Segment", befand RB-Coach Ralf Rangnick.

Chancen für Union? Eine halbe durch den eingewechselten Christopher Quiring (83.). RB-Schlussmann Peter Gulacsi konnte es sich sogar erlauben, den heranstürmenden Wood-Ersatz Collin Quaner auszutanzen (57.). So musste Union froh sein, dass Leipzig in der letzten halben Stunde einen Gang heruntergeschaltet hatte. Am rabenschwarzen Abend änderte dies nichts.

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