Zweite Liga
Union Berlin schießt Dresden mit 4:0 vom Platz
Gegen den Aufsteiger aus Sachsen haben die Berliner verdient gewonnen. Das müssen sogar die Dresdner selbst zugeben. Vor allem Simon Terodde und John Jairo Mosquera überraschten. Zu Zwischenfällen kam es bei dem als "Risikospiel" deklarierten Derby nicht.
Von Michael Färber
Sie hatten etwas gutzumachen. Dieses 0:4 aus dem Hinspiel gegen Dynamo Dresden, das Spielern, Verantwortlichen und Fans des 1. FC Union ein halbes Jahr lang irgendwie schwer auf der Seele lag. Wer kassiert schon gern ein solches Debakel, noch dazu in einem Ostderby, wo es neben drei Punkten auch viel ums Prestige geht. 18.432 Zuschauer waren am Sonnabendnachmittag ins Stadion An der Alten Försterei gekommen, um mitzuerleben, ob es ihrer Mannschaft tatsächlich gelingt, Revanche für die Pleite zu nehmen. Sie wurden nicht enttäuscht, zumindest, wen sie aus dem Lager des Berliner Fußball-Zweitligisten stammten. Mit 4:0 (1:0) fertigte Union den Aufsteiger aus Sachsen ab , völlig verdient, noch dazu aufs Tor genau. "Das Ergebnis ist eigentlich völlig egal, wichtig ist, dass wir die drei Punkte geholt haben", sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus. Um dann doch noch einen kurzen Blick zurück auf jenen Abend im August zu werfen: "Wir wollten dieses Spiel korrigieren, das ist uns gelungen."
Vor dem Ostderby war viel über die Sicherheit rund um das Stadion diskutiert worden. Rund 1100 Polizeibeamte waren im Einsatz, um den Tross der Dresdner Fans sicher vom Bahnhof Spindlersfeld zur Försterei und nach Spielschluss auch wieder zurück zu geleiten, überwacht aus der Luft durch Polizeihubschrauber. Das Ergebnis darf als durchweg positiv bezeichnet werden. Weder vor der Arena noch während der 90 Minuten kam es zu irgendwelchen Zwischenfällen. Dies dürfte die Diskussion um die Verhältnismäßigkeit der Anzahl der eingesetzten Sicherheitskräfte weiter befeuern. Auf der einen Seite wird es heißen, dass nur das massive Sicherheitsaufgebot den reibungslosen Ablauf garantiert habe, auf der anderen Seite wird man argumentieren, dass der Großteil der Dresdner Anhänger keineswegs jenen Chaoten zuzuordnen sind, die Dynamo immer wieder die negativen Schlagzeilen bescheren. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen.
Dresden "verdient verloren"
Keine Diskussionen gab es über die Deutlichkeit des Union-Erfolgs. "Heute haben wir verdient verloren", sagte etwa Christian Fiel. Der ehemalige Union-Profi (48 Einsätze von Juli 2001 bis Dezember 2002) und heutige Dresdens Kapitän und hatte sich die Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte ohne Zweifel anders vorgestellt. "Union hat sich mit seinen robusten Stürmern mit Entschlossenheit durchgesetzt", kommentierte Dresdens Coach Ralf Loose die Partie. Und Union-Stürmer Simon Terodde merkte an: "Wir wollten ein Zeichen setzen nach der Niederlage in Paderborn." Dass dies eindrucksvoll gelang, war nicht zuletzt ihm selbst zu verdanken. Zwei Treffer steuerte der 23-Jährige selbst bei. Zunächst setzte sich der Angreifer mit einer geschickten Körperdrehung durch und ließ Dynamo-Schlussmann Wolfgang Hesl keine Chance (66.), zehn Minuten später stand er nahe des linken Pfostens goldrichtig, nachdem Chinedu Ede zwei Dresdner verladen hatte und sein Schuss über Umwege Terodde erreichte (76.). "Wir haben uns vor dem Spiel richtig heiß gemacht", sagte er hinterher. Ihm war anzusehen, wie sehr er seinen Teil zum Erfolg beitragen wollte.
Überraschend war neben Terodde John Jairo Mosquera als zweite Spitze aufgeboten worden. Der Brasilianer Silvio saß, gehandicapt durch eine Erkältung mit leichtem Fieber, nur auf der Bank. Der Kolumbianer war es, der mit dem Treffer zum 2:0 nach 59 Minuten den Sieg praktisch schon besiegelte. Über Tijani Belaid, der den gesperrten Torsten Mattuschka gut vertrat, Christopher Quiring und Teroddes Kopfball-Verlängerung kam der Ball zu Mosquera, der die Nerven behielt. Anders als in der 20. Minute, als er es drei Metern (!) vor dem Tor fertig brachte, das Spielgerät ohne Bedrängnis und zentral zum Tor doch in Richtung Eckfahne zu bugsieren.
Dass sich dies ebenso wenig negativ auswirkte wie die verpasste hundertprozentige Chance von Markus Karl (37., traf nur den Pfosten), war den immer harmloser werdenden Dresdnern zu verdanken. Zwar wollte Trainer Loose sein Team "lange Zeit mit offenem Visier" und "unbeeindruckt" gesehen haben. Allerdings dürfte er mit dieser Einschätzung ziemlich allein dastehen. Denn Union übernahm mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr das Kommando, ohne sich freilich eine Vielzahl an Chancen zu erspielen. So musste ein Elfmeter helfen. Dynamo-Verteidiger Clemens Walch wusste sich bei einem Belaid-Zuspiel im eigenen Strafraum nur mit der Hand zu helfen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Christopher Quiring eine Minute vor der Pause. "Der Elfmeter war die Vorentscheidung, die Schlüsselszene des Spiels", wusste Ralf Loose schon zur Pause.
Und Dresden? Fand bei Möglichkeiten von Mickael Pote zweimal in Union-Schlussmann Jan Glinker seinen Meister (79., 80.), zudem rettet Karl schon in der 19. Minute auf der Linie. Zuwenig, um Union ernsthaft zu gefährden. Und um die erfolgreiche Revanche zu verhindern.
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