Zweite Liga
Union ist gegen Dresden heiß auf Revanche
Fast ein halbes Jahr nach dem 0:4-Debakel bei Dynamo Dresden sinnen die Spieler von Union Berlin im Rückspiel auf Revanche. Darauf hoffen auch die Fans der Köpenicker: Das Stadion ist mit 18.500 Zuschauern ausverkauft.
Von Michael Färber
Die Szenen hatten den 1. FC Union in seinen Grundfesten erschüttert. Unmutsäußerungen jeglicher Art schlugen den Spielern des Fußball-Zweitligisten aus dem eigenen Fanblock entgegen, vereinzelt flogen Bierbecher und Feuerzeuge, und – ein Novum an jenem Freitagabend im August vergangenen Jahres – es waren "Neuhaus raus"-Rufe zu hören, laut und deutlich. Union hatte ein Spiel verloren. Bei Dynamo Dresden. Mit 0:4. Nach einer erbärmlichen Leistung, die die Spieler als Skandal bezeichneten und Trainer Uwe Neuhaus fassungslos zurückließen.
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr später, vor dem Gastspiel der Dresdner am heutigen Sonnabend in der Alten Försterei (13 Uhr, Sky live), sagt der Coach: "Das Dresden-Spiel war nach dem Dresden-Spiel abgehakt." Dennoch darf festgehalten werden: Der Tiefpunkt von Dresden war der Startschuss für die beste Hinrunde der Klubgeschichte, die Keimzelle für eine Mannschaft, die mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat und sogar einen Blick nach oben riskieren konnte und wollte.
Die schonungslose Analyse des blutleeren Auftritts untereinander, vor allem aber die Aussprache mit dem Anhang zwei Tage nach dem Debakel beim Drachenbootrennen haben die Köpenicker Kicker wieder auf Kurs gebracht. Nicht umsonst sagt Torwart Jan Glinker mit Blick auf die Bedeutung des Ostduells: "Vor allem für die Zuschauer ist es ein wichtiges Spiel."
Keine Frage: Union sinnt auf Revanche für die Schmach von Dresden. Mit Leidenschaft und Selbstbewusstsein solle sein Team agieren, "auch den Heimvorteil nutzen", sagte Neuhaus. Die Alte Försterei ist seit Wochen mit 18.500 Zuschauern ausverkauft, rund 1600 Fans werden aus der sächsischen Landeshauptstadt erwartet. Die Atmosphäre wird hitzig sein, da ist ein kühler Kopf gefragt. Sonst könnte ähnliches passieren wie im August. "Da haben wir versucht, das Spiel zu machen, aber mit untauglichen Mitteln, und sind in Konter gerannt", erinnert sich Neuhaus. Hanebüchene Einzelaktionen und mangelnde Laufbereitschaft darf es heute jedoch nicht geben, will man im ersten Heimspiel des Jahres auch die ersten Punkte 2012 einfahren. Dresden sei ein "starker Aufsteiger, der nach 19 Zu- und 15 Abgängen nichts mehr mit dem Drittliga-Team zu tun hat", warnte Neuhaus.
Kapitän Mattuschka ist gesperrt
Dass just für diese Partie Kapitän Torsten Mattuschka wegen seiner Gelb-Roten Karte aus dem Paderborn-Spiel gesperrt ist, macht die Sache nicht leichter. "Aber ich denke, die Truppe wird das auch ohne mich schaffen", ist der 31-Jährige optimistisch: "Wenn wir jedes Spiel so angehen wie in Paderborn, wird man es schwer haben, uns zu schlagen."
Der Trainer hofft derweil, dass mit Tijani Belaid eine Alternative bereit steht. Der offensive Mittelfeldspieler, erst vor elf Tagen verpflichtet, dürfte für Mattuschka in die Startelf rücken. Das Ostderby sei ein Spiel, "das vielleicht wie gemacht ist für ihn", sagt Neuhaus, wohl wissend um die spielerischen Qualitäten des Tunesiers. Der Trainer spricht von einer guten Gelegenheit, dem heimischen Publikum zu zeigen, "was er drauf hat". Ohne Zweifel kann er für die Köpenicker zum Trumpf werden, der gegen Dresden sticht, denn schon bei seinem 24-Minuten-Einsatz in Paderborn hat der 24-Jährige gezeigt, wie wertvoll er für Union sein kann. "Er ist sicher ein guter Fußballer", sagte Neuhaus.
Motivation wird gegen Dynamo Dresden jedenfalls genug vorhanden sein, falls nicht, brauchen die Köpenicker nur ein halbes Jahr zurückzuschauen. Oder wie Keeper Jan Glinker sagte: "Wir haben einiges gutzumachen."
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