Zweite Liga
Dresden will gegen Union mehr als Punkte
Sportlich wusste der Aufsteiger Dynamo Dresden zu überzeugen, doch haftet dem Verein ein schlechter Ruf an. Beim Osterderby gegen den 1. FC Union geht es den Sachsen um mehr als Punkte, sie kämpfen gegen ihr Hooligan-Image.
Von Michael Färber
Die Szenerie ist eine alt bekannte. Vom Bahnhof Spindlersfeld wird sich der Tross der Fans von Dynamo Dresden am Sonnabendmittag in Bewegung setzen, Begleitet von zahlreichen Polizisten und Ordnern wird die Karawane den kurzen Weg zum Stadion an der Alten Försterei zurücklegen, wo wenig später das Ostderby zwischen dem 1. FC Union und dem Aufsteiger aus Sachsen vor 18.500 Zuschauern angepfiffen wird (13 Uhr, Sky live). Es wird eine strikte Fantrennung geben, Glasflaschen sowie Dinge, die als Wurfgeschoss missbraucht werden könnten, sind verboten, im Stadion selbst wird es alkoholfreies Bier geben. Maßnahmen, die bei der Sicherheitsberatung der beiden Vereine zusammen mit der Polizei getroffen wurden – und die beim Aufeinandertreffen der beiden Klubs längst zur Routine zählen. Schließlich hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Duell als Risikospiel deklariert.
Der Kampf gegen die Chaoten
Es ist wie immer, wenn die Dresdner zu einem Gastspiel antreten: Die Sicherheitskräfte sind aufs höchste alarmiert. Wer an Dynamo denkt, denkt an Hooligans, an Randale und verbotene Pyrotechnik im Stadion und kaum daran, dass der Aufsteiger sportlich bislang zu überzeugen wusste, als Zehnter mit 25 Punkten gar zehn Zähler vor der Abstiegsregion liegt. Doch der Kampf gegen die Chaoten, der Kampf um Anerkennung außerhalb des Platzes, ist vor allem in Dresden einer, wie er schwieriger kaum sein kann. Zwar ist Dynamos Präsident der Überzeugung, "dass wir durch unsere Arbeit zuletzt deutliche Fortschritte erreicht haben". So wurde zu Jahresbeginn ein zweiter Fanbetreuer eingestellt, um die Kommunikation zwischen Klub und Fans zu verbessern. Auch das Fanprojekt Dresden engagiert sich mit diversen Projekten in der Landeshauptstadt des Freistaates. "Bei uns passiert so viel Positives", so Torsten Rudolph, Leiter des Fanprojekts. Ziel ist es, eine Fankultur zu entwickeln, die Gewalt in jeglicher Form ablehnt. Man organisiert Fußballturniere, tritt bei Problemen mit Ordnungsdiensten und der Polizei als Schlichter auf. Junge Leute sollen motiviert werden, damit sie eigenverantwortlich mit der Problematik umgehen. Rudolph: "Dann brauchen sie aber auch eine Bühne dafür, und diese Bühne muss man schaffen."
Dumm nur, wenn diese Plattform immer wieder missbraucht wird. Wie beim Dresdner Pokalauftritt in Dortmund im vergangenen Herbst , den Dynamo-Chaoten zu Ausschreitungen und zum Abbrennen von Pyrotechnik nutzten. Oder beim Zweitliga-Aufstieg in Osnabrück , der in einem Platzsturm endete. Vor allem die sogenannten Exil-Dresdner – Dynamo-Fans, die nicht in Dresden wohnen – werden dafür verantwortlich gemacht. "Als Verein stoßen wir natürlich irgendwo auch an unsere Grenzen", macht Klubchef Ritter deutlich. Und fordert: "Es benötigt einen respektvollen Umgang aller Beteiligten und einer Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Institutionen."
Ob schon morgen ein Schritt in die richtige Richtung getan werden kann? In der Alten Försterei sind mehr als 300 Union-Ordnungskräfte im Einsatz, Dresden bringt selbst 20 eigene Ordner mit, die den Fantross begleiten werden. Und zumindest in der Vergangenheit gab es bei Risikospielen in der Alten Försterei praktisch keine Auseinandersetzungen. "Das haben wir eigentlich ganz gut im Griff gehabt in der Vergangenheit", sagte Klubsprecher Christian Arbeit.
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