Union Berlin - Ingolstadt
Terodde will im siebten Versuch endlich treffen
Es ist zum verzweifeln: Seit sechs Zweitliga-Partien ist Union-Stürmer Simon Terodde ohne Tor. Dabei war er in der Vorbereitung bester Schütze. Im Heimspiel gegen Ingolstadt soll der Knoten endlich platzen – dafür spricht zumindest das Werbeplakat.
Von Michael Färber
Im Vergleich zu den letzten Pflichtspielen gab Unions Trainer Uwe Neuhaus gegen den hochkarätigen Testspielgegner vielen Talenten eine Chance: So standen die Abwehrspieler Boné Uaferro (r.), ...
Die Szene hat er schon einige Male erlebt in den vergangenen Wochen. Eigentlich viel zu oft. Und es ist immer der gleiche Ablauf, in dem Simon Terodde der Hauptdarsteller wider Willen ist. Wie immer geht der Stürmer des 1. FC Union mit vollem Körpereinsatz in die Situation im gegnerischen Strafraum, schont dabei weder sich noch den Gegner. Sein Ziel ist der Ball, sein Antrieb ein Tor für den Berliner Fußball-Zweitligisten. Dann der Schuss – und die immer gleiche Reaktion: Der Blick geht zu Boden, bevor sich Terodde noch einmal umdreht, um dem runden Spielgerät nachzuschauen, voller Hoffnung, dass der Ball vielleicht doch irgendwie den Weg ins Tor gefunden hat, und darauf folgender Ernüchterung, dass es doch wieder nicht geklappt hat.
Die Enttäuschung ist derzeit ein ständiger Begleiter Teroddes. Seine Bilanz in den bisherigen Zweitliga-Partien für die Köpenicker gibt ihm jedenfalls zu denken, zu verheerend ist sie, als dass der Angreifer nicht ins Grübeln kommen könnte. Sechsmal ging es über die volle Distanz, von der Auswechslung zum Auftakt beim FSV Frankfurt in der 90. Minute einmal abgesehen – sechsmal ging Terodde leer aus. Und auch wenn man Terodde wegen seiner erst 23 Jahre mitnichten als alten Hasen im Profigeschäft bezeichnen kann, so weiß er nur zu genau, wie es in der Fußballbranche zugeht. "Klar fängt jetzt das Zählen an", sagt er unumwunden. Der Mann, der in der Vorbereitung mit neun Toren allein ein Drittel aller Union-Treffer erzielt hatte, ist seit 540 Liga-Minuten ohne Erfolgserlebnis. Keine Bilanz, die den Gegner erschrecken muss, auch nicht den FC Ingolstadt, der Sonntag (13.30 Uhr) in der Alten Försterei zu Gast ist.
Klar, dass der Blondschopf allmählich immer öfter nach Gründen für seine Torflaute sucht. "Wenn die Mannschaft gewinnt, ist das egal, wer die Tore macht. Wenn man aber verliert, dann wird schon drauf geschaut", weiß Terodde, dass er mehr und mehr im Blickpunkt steht. Bei den Fans, beim Trainer, der ihn als neuen Torjäger geholt hat, und bei den Mitspielern. Es ist eine Mischung als Selbstkritik und Ratlosigkeit, mit der der 1,92-Meter-Mann seinen vergebenen Chancen begegnet. "Die Ansätze sehen ja ganz gut aus, ich fühle mich auch immer wohler auf dem Platz. Aber im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen, nicht abzuspielen sondern selber zu schießen", sei derzeit schwierig.
Bislang konnte sich Terodde der Rückendeckung des Trainers sicher sein. "Er rackert natürlich enorm viel für die Mannschaft", für Uwe Neuhaus zumindest noch ein wichtiges Kriterium, Terodde immer wieder von Beginn an zu bringen. Teroddes Sturmpartner Silvio sieht es ähnlich: "Wir beide sind Stürmer, die viel für die Mannschaft arbeiten." So war es in den vergangenen Tagen die wichtigste Aufgabe des Trainers, die wachsende Ungeduld zu bekämpfen, die der Stürmer auf den Platz bringt. "Er war derjenige, der die größte Ruhe vor dem Tor hatte, jetzt versucht er schon, das Ding mit aller Gewalt rein zu machen."
Die Konkurrenten treffen
Denn – auch das ist Terodde natürlich nicht entgangen – seine Konkurrenten in vorderster Front durften immerhin schon jeweils zweimal jubeln. Der Brasilianer Silvio verwandelte zwei Elfmeter, und John Jairo Mosquera, war in den vergangenen beiden Partien jeweils erfolgreich.
Keine Frage, der Druck auf Terodde nimmt zu. Druck, den er schon von Hause aus mit in die Wuhlheide gebracht hat. Sein Vertrag bei Union gilt nur für diese Spielzeit, Terodde ist lediglich für ein Jahr vom 1. FC Köln , bei dem er vornehmlich in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga spielte, ausgeliehen. Gelingt ihm in Berlin der Durchbruch (sprich: schießt er genügend Tore), bleibt er interessant, für Union und die Kölner. Ansonsten dürften seine Profi-Ambitionen einen gehörigen Dämpfer erhalten.
"Ich fühle mich eigentlich schon angekommen, in der Mannschaft und auch in der Zweiten Liga", sieht sich Terodde auf einem guten Weg. Auch sein Trainer gibt ihm mehr eine Aufmunterung als eine Fehleranalyse mit auf den Weg. "Weitermachen, irgendwann passiert’s", sagte Neuhaus. Vielleicht hilft dabei ein Umstands, der mit dem Fußballspiel im eigentlichen Sinne wenig zu tun hat. Jedenfalls haben die Spieler, mit denen Union für seine letzten beiden Heimpartien geworben hat, stets getroffen: Christopher Quiring erzielte einen Doppelpack gegen Paderborn, Mosquera half dem Team gegen Bochum auf die Siegerstraße. Und auf dem Plakat für das Ingolstadt-Spiel prangt das Konterfei von – Simon Terodde.
7 Tore
6 Tore
6 Tore
4 Tore
3 Tore
3 Tore
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