DFB-Pokal
Union lässt sich nach Blamage nicht beirren
Der 1. FC Union geht nach dem Pokal-Aus gegen Viertligist Hallescher FC erstaunlich schnell zum Alltag über. Gut möglich, dass der Trainer versucht, seine Angst zu überspielen. Er könnte sich mit einigen Entscheidungen verspekuliert haben.
Von Martin Kleinemas
Hannover 96 schied nach einem 4.5 im Elfmeterschießen beim SV Elversberg als zweiter Bundesligist in der ersten Pokalrunde aus. Elversbergs Thorsten Reiß (v.) im Zweikampf mit dem Hannoveraner Carlitos.
Die Entscheidung fiel dann doch recht schnell. Zwar hatte Christian Beeck, Teammanager des 1. FC Union, nach der Pokal-Pleite gegen den Halleschen FC (0:1) angekündigt, sich in Ruhe Gedanken zu machen. Darüber, ob der Verein Protest gegen die Partie in der Leipziger Red Bull Arena einlegen werde, bei der ein Chaot einen Knallkörper auf Jan Glinker geworfen hatte.
Am Montagmorgen aber verkündete Beeck dann bereits, dass es keinen Einspruch geben werde. "Man muss sich ja erst mal durch die ganzen Paragrafen lesen", sagte er. Ein Protest wäre demnach nur dann möglich gewesen, wenn der Torhüter des Berliner Zweitligisten verletzt ausgewechselt worden wäre – was zum Glück nicht der Fall war, Unions Nummer eins trug keine Schäden davon und konnte am Montag ganz normal trainieren. Einzig Ahmed Madouni musste wegen einer Kapselverletzung am linken Fuß pausieren, eine lange Pause droht aber nicht. So konnten Beeck und Trainer Uwe Neuhaus mit den Aufräumarbeiten der größten Pleite der jüngeren Vereinsgeschichte beginnen. Und die fielen überraschend milde aus.
Seinen Trainingsplan änderte Neuhaus nicht, auch am Dienstag trainiert die erste Elf nur einmal, um 15 Uhr. "Diese Niederlage ist schon unglaublich bitter", resümierte der 50-Jährige zwar – ließ die verbale Keule aber stecken. Man dürfe jetzt aber nicht nur das reine Ergebnis betrachten, denn "es war nicht alles schlecht". Immerhin schlecht genug, um gegen einen Viertligisten ohne eigenes Tor zu verlieren.
Ein bisschen wirkte Uwe Neuhaus am Montag so, als rede er von einem weiteren Testspiel, das da verloren gegangen war und nicht von der pro Saison einmaligen Chance, mit vergleichsweise geringem Aufwand in die zweite Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Mindestens 273.000 Euro gehen dem Klub durch die Lappen, von einem schlechten Signal vor dem Ligastart in Aachen am Freitag ganz abgesehen. Das alles führte zu einer etwas grotesken Situation. Denn während Markus Babbel, Trainer von Ligakonkurrent Hertha BSC, am Montag trotz des Weiterkommens im Pokal Mittelfeldmann Raffael ins Gebet nahm, waren sie an der Alten Försterei bemüht, keine Unruhe aufkommen zu lassen. Nicht nur Neuhaus ("Wir müssen jetzt auf das Spiel gegen Aachen schauen"), auch Torsten Mattuschka gaben sich betont gelassen. Der Kapitän suchte das Gespräch mit dem Trainer, rund eine Viertelstunde unterhielten sich die beiden gestenreich. Anschließend berichtete Mattuschka, man habe sich "mal über etwas anderes als Fußball" unterhalten – bloß keine Nerven zeigen so kurz vor dem Zweitligastart.
Gut möglich, dass der Trainer versucht, seine Angst zu überspielen, sich mit einigen Entscheidungen verspekuliert zu haben. Das Zusammenspiel von Santi Kolk, Mattuschka und Björn Brunnemann läuft längst noch nicht, im gesamten Mittelfeld gibt es zu viele unnötige Ballverluste. Es bleibt abzuwarten, wie viel Zeit Neuhaus seiner kreativen Abteilung noch gibt, sich zu finden. Auch ist es nach nur einem Spiel zu früh, über seine Strategie mit nur einem Stürmer zu befinden. Allerdings zeigten schon die Testspiele, dass sowohl John Jairo Mosquera als auch Karim Benyamina immer dann einen schweren Stand haben, wenn sie als einzige Spitze agieren.
Dass der Trainer allerdings selbst Kritik aus der eigenen Mannschaft nicht gelten lässt, verwundert dann doch. So hatte etwa Jerome Polenz nach dem Spiel gegen Halle das Abwehrverhalten gerügt. "Wir haben viel zu wenige Zweikämpfe angenommen. Die zweite Liga funktioniert aber nur über Kampf", hatte er gewarnt.
Nicht ganz zu Unrecht, hatte Union in der gesamten Vorbereitung nur ein Spiel zu null beendet. Neuhaus jedoch schob diesen Einwand am Montag mit dem Hinweis auf die Emotionen direkt nach dem Spielschluss beiseite.
Und über personelle Konsequenzen zum Spiel gegen Aachen wollte Neuhaus erst recht nicht sprechen, stattdessen witzelte er: "Ich stehe zu meiner Mannschaft. Zum gesamten Kader". Einzig beim Thema Chancenverwertung fand der Trainer deutliche Worte: Seine Mannschaft habe vergessen, Tore zu schießen – das konnte er nun auch nicht wegdiskutieren.
Vielleicht behält Neuhaus am Ende ja sogar Recht mit seiner Gelassenheit. Vor einem Jahr verlor Union im Pokal 0:5 gegen Werder Bremen. Eine Woche später starteten die Köpenicker ohne große Änderungen in der Startelf mit einem 3:0 gegen Oberhausen in die Saison.
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