DFB-Pokal
Union fliegt gegen Viertligisten raus
Fußball-Zweitligist Union Berlin hat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals kräftig blamiert. Gegen den Regionalligisten Hallescher FC unterlagen die Köpenicker mit 0:1. Das Spiel könnte aber noch ein Nachspiel haben.
Von Martin Kleinemas
Hannover 96 schied nach einem 4.5 im Elfmeterschießen beim SV Elversberg als zweiter Bundesligist in der ersten Pokalrunde aus. Elversbergs Thorsten Reiß (v.) im Zweikampf mit dem Hannoveraner Carlitos.
Als nur noch fünf Minuten zu spielen waren, drohte doch noch die Eskalation. Trotz nur 12.500 Plätzen, die vom Deutschen Fußball-Bund für das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem 1.FC Union und dem Halleschen FC zugelassen waren – aus Sicherheitsgründen. Doch Schiedsrichter Peter Sippel aus München blieb keine andere Wahl, als die Partie kurz vor Schluss zu unterbrechen. Aus dem Fanblock der Hallenser war ein Böller aufs Spielfeld geflogen und direkt neben Union-Torwart Jan Glinker explodiert. Sofort hielt sich der Keeper sein rechtes Ohr, der Knall dürfte mehr hinterlassen haben als nur einen Schreck.
Außer sich vor Wut eilte Halle-Trainer Sven Köhler in den Block, redete wild gestikulierend auf die Masse hinter dem Union-Tor ein, aus deren Mitte Chaoten all jene bestätigt haben, die sich im Vorfeld für die Zuschauerbegrenzung stark gemacht hatten. Köhlers Zorn wird umso verständlicher, wenn man sich den Spielstand nach 85 Minuten in Erinnerung ruft. Denn der Regionalligist lag gegen den Berliner Zweitligisten mit 1:0 vorn. Und sollte die Partie, nachdem Sippel die Partie nach einer Unterbrechung von wenigen Minuten wieder angepfiffen hatte, dank des Treffers von Christoph Klippel in der 39. Minute vor 9020 Zuschauern auch siegreich zu Ende bringen. "Das ist sensationell. Ich hatte zwar geträumt, dass ich einen einnicke, doch richtig glauben kann ich es immer noch nicht", strahlte der Torschütze.
Nachspiel Union erwägt Protest
Dabei hatte alles so friedlich angefangen. Beide Fanlager, jeweils hinter den Toren postiert, trugen zunächst schwarz, der Ärger über die hohen Sicherheitsbestimmungen in Leipzig schweißte sie zusammen. Und weil sie wohl befürchteten, ihre Plakate bei den Einlasskontrollen zu verlieren, griffen sie zu einem Trick: Auf T-Shirts gemalt schmuggelten sie ihre Botschaften in die Red Bull Arena, in der das Spiel wegen Bauarbeiten im Kurt-Wabbel-Stadion in Halle ausgetragen wurde. "In Leipzig stirbt der Fußball" prangte dann vor dem Fanblock des Regionalligisten, die Köpenicker antworteten mit "In Leipzig stirbt die Fankultur". Gemeinsam schwiegen die Fans bis zur 15. Minute.
Im Vorfeld hatte sich die Polizei tatsächlich alle Mühe gegeben, etwaige Ausschreitungen schon im Keim zu ersticken. Auf dem gesamten Weg vom Leipziger Hauptbahnhof zum Stadion, hatte die Polizei zahlreiche große Straßen abgesperrt. So weiträumig, dass einige Straßenbahnlinien umgeleitet werden mussten. In einem Hinterhof parkten gar fünf Wasserwerfer, und über der Stadt kreisten mehrere Hubschrauber. In Gruppen wurden die Fans dann vor den Eingängen zum Stadion gesammelt, um dann zu den Plätzen begleitet zu werden. Nicht, ohne noch einmal per Megafon auf die Stadionordnung zu verweisen: Keine Leuchtfeuer, kein Alkohol. Dass dennoch jener Böller ins Stadion gelangen konnten, der neben Union-Schlussmann Glinker detonierte, zeugt allerdings von den Lücken, die das Sicherheitskonzept der Leipziger Polizei aufwies. "Wenn ich mir ansehe, was hier los gewesen und was dann passiert ist, dann ist das unglaublich", schimpfte Christian Beeck, Unions Teammanager über den Vorfall kurz vor Abpfiff. Die Köpenicker erwägen nun sogar, Protest gegen die Wertung des Spiels einzulegen. "Wenn wir eine Chance dafür sehen, werden wir es tun", sagte Beeck.
Immer wieder Fehlpässe
Sportlich begann es für den Favoriten hingegen alles andere als schlecht. Santi Kolk (7.) und Björn Brunnemann mit einem Fernschuss aus rund 30 Metern (8.) kamen früh zu guten Möglichkeiten. Neuhaus setzte in der Abwehr auf die bewährte Viererkette (Polenz, Madouni, Göhlert, Kohlmann). Davor agierten Kapitän Torsten Mattuschka und Macchambes Younga-Mouhani als Doppelsechs. Kolk begann hinter den Spitzen, flankiert von Chinedu Ede und Brunnemann. Als einzige Spitze hatte Neuhaus John Jairo Mosquera aufgeboten. Der vergab in der 23. Minute die bis dahin größte Chance, als er sich nach einem feinen Pass von Kolk im Strafraum drehte und freistehend über das Tor schoss. Union agierte zwar überlegen, aber nicht mit dem notwendigen Zug zum Tor. Ungenauigkeiten und immer wieder Fehlpässe im Aufbauspiel ließen einen Zwei-Klassen-Unterschied nicht im Ansatz erkennen. Vor allem harmonierte das neue kreative Duo aus Mattuschka und Kolk noch längst nicht so, wie sich Neuhaus das erhofft. So kam die 39. Minute: Ahmed Madouni verlor ein Kopfballduell im Strafraum, Klippel bedankte sich mit der Führung für Halle.
Als das Spiel in der zweiten Halbzeit dann vollends zu entgleiten drohte, reagierte Neuhaus und brachte Karim Benyamina als zweite Spitze für Chinedu Ede (58.). Nur eine Minute später dann die große Chance für Jerome Polenz: Nach einer Matuschka-Ecke zog der Verteidiger volley ab, aber Pavel David konnte auf der Linie für seinen bereits geschlagenen Torwart Darko Horvat klären. Auch die Einwechslung von Christopher Quiring (70.) für den glücklosen Kolk brachte wenig. Schließlich kam auch noch Pech hinzu als Patrick Kohlmann einen Freistoß ans Lattenkreuz traf (79.). "Der Sieg geht verdient nach Halle", sagte Neuhaus hinterher. Der Frust stand ihm ins Gesicht geschrieben.
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