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Zweite Liga

Fans fürchten um Identität des 1. FC Union

Der Klassenerhalt in der Zweiten Liga ist noch nicht garantiert. Doch der Klub plant schon für weitere Jahre im Profigeschäft. Der Köpenicker Verein 1. FC Union, den Anfang der Saison schon mancher auf dem Durchmarsch in die erste Liga sahen, steht vor einem Wandel. Echte Fans fürchten nun schon, dass ihre Mannschaft zu kommerziell werden könnte.

Die Wortwahl ähnelt sich. Von "nächsten Entwicklungsschritten, die für den Verein von größter Bedeutung sind", ist die Rede, wenn Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, die Zukunft des Berliner Fußball-Zweitligisten ins Visier nimmt. Antonio Hurtado, der Aufsichtsratsvorsitzende, spricht vom Definieren neuer Ziele.

Während die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus seit sieben Spielen sieglos ist und mit 37 Punkten den Klassenerhalt immer noch nicht hundertprozentig sicher hat, plant der Klub die nächsten Jahre im Profigeschäft. Und sieht sich einem immer größer werdenden Balanceakt zwischen Kommerzialisierung und Wahrung der Tradition des Klubs gegenüber.

Mehr und mehr Fans beobachten die Entwicklung ihres Vereins mit Argwohn. Begriffe wie "mulmiges Gefühl" und "Bauchgrummeln" machen die Runde. Man sorgt sich um den Klub, dem man in guten wie in schlechten Zeiten die Treue hält, dem man in monatelanger Arbeit das Stadion modernisiert hat - und den man nun nicht in den Händen anderer sehen möchte. Bislang war es die Klubführung um Präsident Dirk Zingler, die dafür eingetreten ist, dass Union stets Union bleibt, unverfälscht, ein Original in der deutschen Fußball-Landschaft. Doch die Vorboten, dass sich dies eines Tages doch ändern könnte, sind an der Alten Försterei bereits zu erkennen.

Der Vertrag mit der Ufa Sports GmbH gibt Union die Möglichkeit, das wirtschaftliche Fundament zu verstärken. Und das Vertragskonstrukt belässt alle Rechte bei den Köpenickern. Auch sagt Zingler, dass zum Beispiel der Verkauf des Stadionnamens nicht zur Debatte stehe: "Das ist unser Tafelsilber, das wir für schlechte Zeiten aufheben wollen." Worte, die beim Union-Anhang ohne Zweifel ankommen.

Doch was ist, wenn Zinglers dritte Amtszeit im Jahr 2013 endet? Oder auch die des Aufsichtsrats, dessen Wiederwahl zunächst im Herbst diesen Jahres auf der Mitgliederversammlung ansteht? Noch Mitte November vergangenen Jahres hatte Zingler Union als Klub gerühmt, der alle Rechte hält und diese auch selbst vermarktet. Der Vertrag mit Ufa Sports läuft bis 2020. Und man durfte durchaus aufhorchen, als Ufa-Geschäftsführer Philip Cordes die Frage, ob irgendwelche Rechte abgetreten wurden, zwar verneinte, jedoch sogleich hinterher schob: "Stand jetzt." Wer weiß schon, was in fünf Jahren ist.

Auch die Bildung einer eigenen Abteilung für den Lizenzspielerbereich innerhalb des 1. FC Union Berlin e.V. war ein kaum zu vermeidender Schritt, um im Konzert der 36 besten deutschen Vereine längerfristig mitspielen zu können. "Die Etablierung der Lizenzmannschaft im DFL-Bereich ist eines der wichtigsten Ziele des Vereins", betonte Zingler. Die Änderung der Vereinssatzung, die notwendig ist, um die neue Abteilung ab der Saison 2010/11 auch einrichten zu können, ist in Vorbereitung. Auch hier wird die Mitgliederversammlung, laut Satzung oberstes Organ des Vereins, jede Änderung wohl noch genau prüfen.

Die Auslagerung in eine Kapitalgesellschaft, wie in vielen anderen Profiklubs längst üblich, schloss der Union-Präsident aus. Union bleibe Union, und durch die Fanvertretung in der Stadiongesellschaft, der Fan- und Mitgliederabteilung im Verein (Fuma), nicht zuletzt durch die Wahl des Fuma-Mitglieds Joachim Müller in den Aufsichtsrat "war noch nie in den letzten 20 Jahren so viel Union drin, wo Union draufsteht", betonte Zingler auf der Mitgliederversammlung im November 2009.

Die Auslagerung des Profibereichs in eine eigene Abteilung ist jedoch ein Schritt, der einen möglichen Weg in die KG erleichtert. "Fremden" Gesellschaftern, die mit ihren Kapitaleinlagen natürlich auch Stimmrechte erwerben würden, wäre dann die Tür geöffnet. Zumindest für die Traditionalisten unter den Union-Anhängern ein kaum denkbares Szenario.

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