12.05.14

Zweite Liga

Union stellt nach durchwachsener Saison neuen Trainer vor

Zweitligist Union gibt am Dienstag den Nachfolger von Rekordtrainer Neuhaus bekannt. Damit ist die wichtigste Personalie geklärt nach einer Saison, in der die Köpenicker in der Rückrunde enttäuschten.

Von Michael Färber und Sebastian Fiebrig

Das letzte Wiedersehen dauerte vielleicht eine Viertelstunde. Am Montagnachmittag waren die Profis des 1. FC Union noch einmal in der Alten Försterei, um ihre Sachen zu holen. Dann ging es ab in den Urlaub. Mit im Gepäck: die Trainingspläne für die Sommerpause. Diese sind offensichtlich noch von Uwe Neuhaus erstellt worden, dem Trainer, der am Sonntag nach sieben Jahren beim Berliner Fußball-Zweitligisten feierlich verabschiedet wurde.

Die Frage, wer der neue Trainer werden soll, wird heute gelüftet. Um 11 Uhr hat der Klub in die Eisern Lounge eingeladen, um den Nachfolger des Rekordtrainers vorzustellen. Um den vom Klub verkündeten mentalen Neustart hinlegen zu können, muss der Neue drei wichtige Kriterien erfüllen. Er soll eine emotionale Ausstrahlung haben, in der Lage sein, aus den vorhandenen Mitteln das Maximum herauszuholen und über ausreichend Erfahrung aus der Bundesliga und der Zweiten Liga verfügen.

Namen wie Mike Büskens wurden gespielt, der 2012 mit der SpVgg Greuther Fürth aufgestiegen und zuletzt bei Fortuna Düsseldorf tätig gewesen ist. Auch Übungsleiter wie Thomas Schneider (VfB Stuttgart), Holger Stanislawski (St. Pauli, Köln, Hoffenheim) oder Thomas Brdaric (TSG Neustrelitz) machten die Runde. Brdaric ist derweil aus dem Rennen, nachdem der Ex-Profi wissen ließ, seinen bis 2015 laufenden Vertrag beim frisch gebackenen Regionalliga-Meister erfüllen zu wollen. Auch Verhandlungen mit Stanislawski sollen kein positives Ende gefunden haben.

Die Spieler wurden bislang nicht informiert

Fakt ist: Bereits wenige Tage nach der Ankündigung, sich von Neuhaus am Ende der Saison 2013/14 zu trennen, hatten die Klubverantwortlichen mit Union-Präsident Dirk Zingler an der Spitze mit drei möglichen Kandidaten gesprochen. Die Entscheidung soll schon zum Auswärtsspiel in Aalen festgestanden haben, auch wenn noch nichts fix gewesen ist. Die Spieler jedenfalls, die sich gestern als Liga-Neunter in den Urlaub verabschiedeten, sollen bislang nicht über ihren neuen Trainer informiert worden sein.

Es wird in jedem Fall einen Umbruch geben. Mit Torwart Jan Glinker und den Verteidigern Patrick Kohlmann, Christian Stuff und Marc Pfertzel stehen vier Abgänge fest. Mit Mittelfeldspieler Baris Özbek und Stürmer Adam Nemec könnten zwei weitere Profis den Klub verlassen. Beide haben von Union die Freigabe erhalten, sich einen neuen Verein zu suchen. Derweil steht mit dem österreichischen Rechtsverteidiger Christopher Trimmel erst ein Zugang fest.

Dabei ist noch längst nicht sicher, ob es nicht noch weitere personelle Einschnitte im Kader geben wird. So hat Union mit Torsten Mattuschka, Benjamin Köhler und Mario Eggimann ohne Zweifel drei sehr erfahrene Profis in seinen Reihen. Mit jeweils 33 Jahren zählen sie jedoch nicht mehr zu den jüngsten Akteuren.

Torsten Mattuschka war der beste Torschütze

Immerhin auf den Kapitän war in der abgelaufenen Spielzeit durchweg Verlass. Mattuschka schoss mit zwölf Toren nicht nur die meisten bei Union, sondern war dank seiner zwölf Torvorlagen mit 24 Punkten auch noch bester Scorer in der gesamten Liga.

Und zumindest der Publikumsliebling weiß, dass seine Zeit bei Union sich langsam aber sicher dem Ende nähert. "Ich bin ja nicht blöde und weiß auch, dass es irgendwann zu Ende ist. Ich habe jetzt noch ein Jahr Vertrag, vielleicht werden mit der Option zwei daraus", sagte Mattuschka: "Ich genieße jedes Training und jedes Spiel, das ich machen darf. Jetzt freue ich mich auf etwas Neues. Jeder muss sich neu einstellen, das ist auch eine Riesenchance für jeden Spieler."

In den vergangenen Tagen erlebte man jedenfalls einen Mattuschka von der eher nachdenklichen Seite. "Ich denke nicht, dass das Alter zählt, sondern nur die Leistung. Ohne mich in den Himmel zu heben: Ich bin ein guter Spieler. Wenn ich gesund und fit bleibe, weiß ich, was ich kann", gibt sich Unions Nummer 17 kämpferisch. "Fakt ist aber auch: Wenn ein junger Spieler kommt, der besser ist oder das Level hat wie ich, dann würde ich als Trainer auch den jüngeren Spieler wählen", erklärte Mattuschka.

Union ist mit acht verwandelten Elfmetern Ligaspitze

Stunk machen will er nicht, selbst wenn unter dem neuen Coach für ihn nur noch die Rolle des Jokers bleibt. "Ich habe eine coole Karriere gehabt, bin froh, dass ich hierher gekommen bin und die Jahre hier erleben durfte. Nächstes Jahr ist die zehnte Saison. Ich hoffe, dass es nicht die letzte ist."

Dass sich etwas ändern muss, zeigt auch die Saisonbilanz. 47 Gegentore (Platz elf in der Liga) sind schlicht zu viel, wenn man im Konzert der Aufstiegskandidaten mitspielen will. Allein 23 Gegentore fielen durch die Mitte (13. Platz). Und mit nur 3790 gewonnenen Zweikämpfen in der Defensive (Rang neun) ist auch noch Luft nach oben.

Offensiv liegt trotz der Stärke bei Standards – bei Elfmetern ist Union mit acht verwandelten Strafstößen sogar Ligaspitze – einiges im Argen. Nur 51 Prozent der Großchancen wurden genutzt (Platz sechs in der Liga), nur 15 Stürmertore erzielt (13. Platz). Und die Konter wurden mit nur 27 Torschüssen (acht Tore) abgeschlossen, allein 1860 München ist hier noch schlechter. Insofern hat die Saison vor allem in der ersten Hälfte gezeigt, was an der Alten Försterei in den nächsten Jahren möglich sein kann. Die zweite Hälfte wiederum, wo es dringend Verbesserungsbedarf gibt.

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