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Fanprotest

Unions Mosquera wird zur Reizfigur

Unions Fans glauben nicht mehr an Treffer von John Jairo Mosquera. Immer wieder vergab er in den vergangenen Partien Chancen. Doch Trainer Uwe Neuhaus setzt weiter auf den Kolumbianer, und die Mannschaftskollegen wollen ihn einfach nur in den Arm nehmen.

Er blickt immer ein wenig hilfesuchend drein. Fast wie ein Kind, dass nach einer Enttäuschung mit großen Augen die Frage stellt: Warum ich? Warum muss ausgerechnet mein Schuss schon wieder nicht ins Tor gehen? Dabei hatte John Jairo Mosquera alles versucht. Wieder einmal. Er hatte geschossen, geköpft, es mit einem Heber versucht. Doch mit jedem Fehlversuch – und es gab einige beim 0:1 gegen den MSV Duisburg – wächst die Unsicherheit beim Stürmer des 1. FC Union. Und der Unmut beim Anhang des Berliner Fußball-Zweitligisten.

Der 21-jährige Kolumbianer, zu Saisonbeginn für zwei Jahre vom Bundesligisten Werder Bremen ausgeliehen und ob seiner Tore im ersten Saisondrittel gefeiert, droht zur Reizfigur im Lager der Köpenicker zu werden. Die lautstarken Rufe der Union-Fans nach Karim Benyamina unmittelbar im Anschluss an eine weitere vergebene Großchance waren gegen Duisburg jedenfalls nicht zu überhören. Der Kredit, den der Südamerikaner trotz Torflaute in den vergangenen Wochen bei den Zuschauern hatte, scheint aufgebraucht.

Die sportliche Leitung des Aufsteigers weiß um die Sensibilität der Personalie Mosquera. Und stärkt dem Gescholtenen demonstrativ den Rücken. Allen voran der Trainer, der dem Stürmer praktisch einen Stammplatz garantierte. „Ich spreche Mosquera auch weiterhin das Vertrauen aus“, sagte Uwe Neuhaus. Und beendete damit jede aufkommende Diskussion, ob seinem Angreifer Nummer eins nicht doch einmal eine Pause gut tun würde, um danach mit neuer Kraft wieder auf Torejagd zu gehen.

Mosquera sei ein junger Spieler, der eine solche Situation auch mal durchmachen müsse, um daran zu reifen. „Vorwürfe wären sicher dann berechtigt, wenn er nur vorn rumstehen und auf die Bälle warten würde“, begründete Neuhaus: „Doch Mosquera ist ein anderer Spielertyp.“ Sein Einsatz, alles für die Mannschaft zu geben, auch wenn eine Toraktion erneut nicht von Erfolg gekrönt wurde, sieht der Union-Coach als großen Pluspunkt. Und als Trumpf, den der Kolumbianer im Kampf um die Stammplätze stets hat in die Waagschale werfen können.

Ähnliche Unterstützung bekommt Mosquera aus den Reihen der Mannschaft. „Wir werden Mosquito in die Arme nehmen und weiter an ihn glauben“, sagte Dominic Peitz. Mosquito – den Spitznamen bekam der sympathische Stürmer nach den ersten Saisonspielen verpasst. Weil er im entscheidenden Moment zugestochen hatte, insgesamt schon sieben Mal in dieser Saison. „Wir werden weiter zusammen daran arbeiten.“ Peitz stellt unmissverständlich klar: Vorwürfe von Mitspielern werde es nicht geben. Irgendwann würde der Ball schon wieder reingehen.

„Es ist ja nicht so, dass Mosquera die Chancen geschenkt bekommt“, lobt auch Sturmpartner Chinedu Ede seinen Nebenmann: „Er erarbeitet sich viel. Nur: Der Ball will einfach nicht reingehen.“ Dabei wäre gerade jetzt, da Union in der Liga auf der Stelle tritt und die Tendenz eher fallend ist, ein Treffer so ungemein wichtig. Für die Mannschaft, die ihrem Ziel (40 Punkte und Klassenerhalt) dadurch wieder ein kleines Stückchen näher kommen könnte. Und für John Mosquera selbst, dessen Kritiker wohl auf der Stelle verstummen würden.



Erschienen am 08.03.2010

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