Zweite Bundesliga
Unions Angriff braucht mehr Biss
Der 1. FC Union hat ein Stürmerproblem - das wurde zuletzt beim Unentschieden gegen Augsburg sichtbar. Nun muss sich Trainer Uwe Neuhaus entscheiden - für eine Angriffsstrategie und für die Spieler, die sie umsetzen sollen.
Von Michael Färber
Der Frust ist immer noch spürbar. Darüber, sich für das teils entfesselte Aufspielen gegen den FC Augsburg nicht belohnt zu haben. "Gefühlt muss das Spiel 150:0 für uns ausgehen", sagte zum Beispiel Kenan Sahin. Ebenso wie John Jairo Mosquera, seinem Sturmpartner beim 1. FC Union, war es ihm nicht gelungen, eine der zahlreichen hochkarätigen Möglichkeiten zu verwerten. "Jetzt haben wir mal wieder mit zwei Stürmern gespielt und dennoch kein Tor erzielt", monierte auch Trainer Uwe Neuhaus die schwache Verwertung: "Wenn wir nur eine Chance gehabt, dafür aber ein Tor erzielt hätten, wäre mir das lieber gewesen." So aber hält die Sturmflaute beim Berliner Fußball-Zweitligisten an.
Der Einsatz zweier Angreifer hatte somit nicht nur den Effekt, gegen den FCA mehr Druck zu entwickeln. Für Coach Neuhaus war es auch die Möglichkeit, sich ein Bild von einem möglichen Ersatzmann zu machen, sollte er wieder auf die Variante mit einem Stürmer zurückschwenken und dabei Mosquera mal eine Auszeit gönnen. Zunächst einmal tat Neuhaus aber das, was er bei einer Beurteilung seines Personals in der Öffentlichkeit oft tut – er lobte beide: "Sie haben sehr gut gearbeitet, Mosquera hatte sogar die meisten Torschüsse in der Partie." Laut Statistik waren es beim Fehlschussfestival des Kolumbianers sieben. Dass sich bei einer solchen Anzahl auch mal ein Versuch ins gegnerische Tor verirrt, darf schon erwartet werden.
Konnte Sahin also seine Chance nutzen? Bedingt. Sein unermüdlicher Einsatz ist bekannt. Seine fehlende Standfestigkeit in des Gegners Strafraum, die auch gegen die Augsburger wieder zum Vorschein gekommen ist, allerdings auch. Dabei muss sich der 25-Jährige besonders anstrengen. Schon in der Hinrunde hatte Sahin es nicht geschafft, sich dauerhaft in der Startelf zu etablieren. "Wir müssen versuchen, wieder mehr Sicherheit zu bekommen", sagt Sahin. Ein Tor hätte ihm dabei sicherlich geholfen.
Immerhin hatte er von Neuhaus den Vorzug vor Shergo Biran ("Der Trainer weiß, was er an mir hat") erhalten. Und vor Karim Benyamina. Zuvor beim 0:1 in Düsseldorf wenigstens in der Schlussphase eingewechselt, musste Unions bester Torschütze der vergangenen Saison (16 Treffer) nun wieder die gesamten 90 Minuten auf der Bank schmoren. Dabei ist er "körperlich fast wieder bei 100 Prozent", wie Neuhaus feststellte. Doch der Trainer übersah in den Trainingsspielen auch nicht, dass Benyamina "die nötige Sicherheit noch nicht wieder erlangt hat". Derzeit sei er kein Kandidat für die Startformation, so der Trainer. Benyamina gibt sich kämpferisch und lässt trotzig wissen, dass ihn das Gerede um die Torflaute im Angriff nicht mehr stört. Doch es wird Zeit, dass er wieder zu alter Stärke zurückfindet. Schon um den Druck auf die Mitbewerber zu erhöhen. Und auf deren Konzentration beim Torabschluss.
Gut möglich also, dass sich Trainer Neuhaus am Freitag im Spiel beim SC Paderborn (18 Uhr, Sky) schon wieder für einen Ein-Mann-Angriff entscheidet. Und angesichts der derzeitigen Situation erneut Mosquera den Vorzug gibt.
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