Zweite Liga
Unions Sturm steckt in einem Tief
Die Angreifer von Fußball-Zweitligist 1. FC Union trafen in den vergangenen sieben Spieltagen nur einmal ins gegnerische Tor. Umso stärker liegt das Augenmerk des Trainers Uwe Neuhaus vor dem Spiel gegen Hansa Rostock auf John Jairo Mosquera. Er ist inzwischen die einzige Speerspitze der Köpenicker.
Von Michael Färber
Trainiert wurde am Donnerstag auf dem Rasen des Stadions an der Alten Försterei. "Das ist sicher besser, als sich immer nur auf Kunstrasen vorzubereiten", sagte Uwe Neuhaus, das Spiel am Sonnabend bei Hansa Rostock (13 Uhr, Sky live) vor Augen. Im Blick hatte der Trainer des 1. FC Union jedoch vor allem einen Spieler: John Jairo Mosquera.
Alles soll versucht werden, damit der erfolgreichste Stürmer des Berliner Fußball-Zweitligisten auch an der Ostsee zum Einsatz kommt. Der Kolumbianer ist inzwischen die einzige Speerspitze, mit der die Köpenicker eine gegnerische Defensive knacken können.
Es herrscht ein Sturmtief über Köpenick, und das ist nicht dem winterlichen Wetter geschuldet. Unions Angriffsquartett Mosquera, Benyamina, Sahin und Biran hat seinen Schrecken verloren. Wurde zu Saisonbeginn noch die Effektivität gelobt, so heißt es heute vom Trainer: "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass wir mit zwei, drei Chancen wieder 1:0 gewinnen." So sei es in Rostock vor allem wichtig, "dass wir uns mehr Möglichkeiten erarbeiten".
Ein Blick in die Statistik belegt, wie wenig Grund zum Jubel es in den vergangenen Wochen für die zuletzt wenig fantastischen Vier gegeben hat. Seit dem 8. November 2009, seit dem 2:3 in Karlsruhe am 12. Spieltag, gab es nur ein Tor durch einen Stürmer: den 1:0-Siegtreffer von Mosquera zum Rückrunden-Start gegen Oberhausen. In den ersten zwölf Runden hatten Unions Angreifer noch 16 Mal getroffen. Und selbst beim Tor gegen Oberhausen stand der Zufall nicht unwesentlich Pate.
Rückblick: Mit Mosquera und Karim Benyamina hatte der Aufsteiger schnell sein Traumduo gefunden. Doch mit ersten Verletzungen kam auch die Systemumstellung auf nur noch einen Stürmer. "Diese hätte es allerdings nicht gegeben, wenn sich Mosquera und Benyamina nicht verletzt hätten", sagt Neuhaus.
Zuletzt dürfte er jedoch froh gewesen sein, dass seine Mannschaft die 4-2-3-1-Aufstellung gut verinnerlicht hat. Denn nach seiner Bindehautentzündung und Oberschenkelverletzung zum Ende der Hinrunde kämpft Benyamina ("Ich bin nicht zufrieden mit mir") verbissen um die Rückkehr in die Startelf. Zuletzt war Neuhaus wenig begeistert von der Form des 28-Jährigen. Inzwischen "ist er körperlich wieder besser drauf", sagt der Coach: "Er braucht einfach das Gefühl, dass er wieder in die Nähe eines Tores kommt."
So zählte Benyamina am Donnerstag beim Nachmittagstraining zu den Spielern, die die Einheit als letzte beendeten. Ebenso Kenan Sahin und Shergo Biran, die wie Benyamina beim Trainingsspiel zwischen Stammelf und Reservisten alles daran setzten, sich aufzudrängen.
Für Sahin ist es bereits die zweite Chance, sich für die Anfangsformation zu empfehlen. Seine Jokertore hatten ihn zu Beginn der Spielzeit zum ersten Anwärter auf einen Stammplatz werden lassen, falls die Standard-Besetzung einmal ausfallen sollte. "Die Einsätze von Anfang an hat er aber nicht nutzen können. Deshalb hat er sich wieder hinten anstellen müssen", sagte Neuhaus. In der Tat sorgte der 25-Jährige als Dampfmacher in der Schlussphase für mehr Wirkung als von Beginn an. Zu oft fehlte die Bindung zum Spiel.
Und Shergo Biran? Kommt er mal zu einem Kurzeinsatz, wird er als ständiger Unruheherd gelobt, der viel arbeitet. Doch der 31-Jährige hat mehr mit Verletzungen zu kämpfen, als ihm lieb ist. Schultereckgelenksprengung, zuletzt eine Grippe – erst wenn der wuselige Angreifer endlich im Vollbesitz seiner Kräfte ist, könnte er zur Alternative werden.
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