Ex-Profi
Sebastian Böning bleibt auch in Bayern Unioner
Sebastian Böning und Union Berlin gehören auch ein halbes Jahr nach Bönings Karriereende untrennbar zusammen. Die Fans machten den Profifußballer damals zu einem von ihnen - und der Blieb er auch in Bayern.
Von Michael Färber
Einen Koffer hat er nicht mehr in Berlin. Doch einen Teil seines Herzens hat Sebastian Bönig hier gelassen. In Köpenick. In der Wuhlheide. Dort, wo der 1. FC Union spielt. Es ist weit weniger als nur eine Floskel, wenn er zu verstehen gibt: "Der Klub fehlt mir schon." Einmal Unioner, immer Unioner.
Der Köpenicker Klub, für Bönig ist er Kult. Wie sonst lässt sich erklären, dass er im Alter von nur 27 Jahren seine aktive Laufbahn als Profifußballer im Sommer bei Union beendet hat? "Was soll noch kommen", hatte der sympathische Bayer damals erklärt. Statt wie viele seiner Kollegen durch die Vereine zu tingeln und mit Fußball so lange wie möglich Geld zu verdienen, zog Bönig einen Schlussstrich. Er begreift seine Zeit bei Union als den Höhepunkt seiner Karriere. Wo sonst würde es wohl solch einen Zusammenhalt geben, wenn nicht dort, wo Fans für ihren Verein ein Stadion sanieren? Wo sonst würde er noch einmal solch eine Anerkennung finden wie in Köpenick, wo er zum Abschluss vom treuen Anhang eine EisernCard und damit lebenslangen Eintritt für alle Union-Heimspiele geschenkt bekam? Fast 3500 Euro hatten die Fans dafür eingesammelt. "Ihr seid verrückt", hatte Bönig seinerzeit auf diese Geste reagiert, mit Tränen in den Augen. Vor Rührung. Die Fans sahen in Bönig nicht mehr nur einen Spieler, er galt ab sofort als einer von ihnen.
Er hielt Union die Treue, als der Klub 2005 ohne Halt in die Oberliga stürzte. Bönig war zwar erst ein halbes Jahr dabei, allerdings längst infiziert vom Union-Virus. Die Szene, mit der er sich an der Alten Försterei jedoch unsterblich machen sollte, folgte gut ein Jahr später. Es war im Oktober 2006 im Regionalliga-Spitzenspiel gegen den VfL Osnabrück, als beim Stand von 1:2 sich die Riesengelegenheit für die Gäste zur Entscheidung bot. Doch der VfL hatte die Rechnung ohne Bönig gemacht. Bereits verwarnt, flog der Mittelfeldspieler heran – den Platzverweis nach erfolgreicher Notbremse nahm er mit einem artigen Kopfnicken zur Kenntnis, ehe er im Laufschritt in die Kabine eilte; kurz darauf fiel sogar der Ausgleich. Diese Einstellung zum Beruf, diese Hingabe an seinen Verein, selbst als ihn später Trainer Uwe Neuhaus auf die Bank verbannte, machten ihn zum Publikumsliebling. Bönig und Union – das passte.
Inzwischen betreibt Bönig in seiner Heimatstadt Erding das "ballhauserding", eine Freizeitanlage für Indoorsoccer oder auch Beachtennis, Beachvolleyball und Beachsoccer. Jeden Dienstag leitet er sogar ein Schnuppertraining für Mädchen, nebenan verspricht das "Bönig’s" ein "Bavarian Dinner der besonderen Art". Bönig, inzwischen 28 Jahre alt: "Ich habe mir meinen Traum erfüllt." Sein Herz hängt jedoch auch heute noch an Union.
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