Jahresbilanz
1. FC Union Berlin feiert einen Rekordgewinn
Samstag, 14. November 2009 00:14 - Von Michael FärberDie Atmosphäre am Freitagabend bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Union war so entspannt wie wohl noch nie. Erstmals seit zehn Jahren wurde ein Spieljahr mit einem Gewinn abgeschlossen: rund 440.000 Euro. Morgenpost Online sagt, wie die Köpenicker das Geld anlegen wollen.
Den emotionalen Höhepunkt gab es gleich am Anfang. Und selbst Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union, musste eine Träne wegdrücken, als er am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung des Berliner Fußball-Zweitligisten die Union-Ehrennadel in Gold für seine Verdienste in den vergangenen fünf Jahren seit seinem Amtsantritt überreicht bekam. „Ich betrachte das als große Ehre und Verpflichtung zugleich“, sagte der Klubchef.
Wenig später wurde die bislang so erfolgreiche Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus auf der kleinen Bühne in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße präsentiert. Wieder gab es lang anhaltenden Applaus. Kapitän Marco Gebhardt dankte den 619 anwesenden Mitgliedern für ihre bedingungslose Unterstützung: „Wir haben ein tolles Jahr hinter uns gebracht. Den Wunsch Zweite Liga haben wir euch gern erfüllt. Wir können uns alle feiern.“
Selten war eine Mitgliederversammlung des Köpenicker Klubs so entspannt wie jene am Abend. Auch wegen einer beeindruckenden Zahl: Erstmals seit zehn Jahren hat der 1. FC Union ein Spieljahr mit einem Gewinn abgeschlossen.
Erstaunlich dabei ist, dass jene 437.931 Euro in der Dritten Liga erwirtschaftet wurden. Zum Vergleich: Beim ersten Zweitliga-Aufstieg vor acht Jahren wies Union für die Regionalliga-Saison 2000/01 noch ein Minus von rund zwei Millionen Euro aus – trotz des Erreichens des DFB-Pokalfinales.
Neuverpflichtungen kommen noch in diesem Winter
„Die Voraussetzungen, sich im Lizenzfußball zu etablieren, sind so schlecht nicht. Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagte Zingler. So gab Unions Präsident die Richtung für die kommenden Jahre in drei Punkten vor. Als erstes soll der sportliche Bereich weiter gestärkt werden. „Wir wissen, dass wir den Etat der ersten Mannschaft erhöhen müssen. Das werden wir auch tun“, erklärte Zingler.
Schon für die Winterpause sind neue Spieler angekündigt. Das Team soll im Hinblick auf die Saison 2010/11 verstärkt werden. Oder doch für den Durchmarsch in die Bundesliga? Das Saisonziel Klassenerhalt wurde beim Liga-Vierten zwar nicht korrigiert. In jedem Fall stehen im Etat für die laufende Saison (11,36 Millionen Euro) aber immerhin 4,8 Millionen Euro für die erste Mannschaft zur Verfügung – mehr als doppelt so viel wie noch in der vergangenen Spielzeit.

Die zweite Baustelle ist eine im wörtlichen Sinne: Verbesserung der Vereins- und Infrastruktur mit dem Bau der neuen Haupttribüne als Schwerpunkt. Schließlich der Abbau der Schulden. In beiden Fällen spielt Michael Kölmel keine unwichtige Rolle. Dem ehemaligen Filmrechtehändler schuldet Union rund 15 Millionen Euro. Zwei Drittel davon sind dauerhaft mit Rangrücktritt versehen; erst wenn Union Gewinn macht, „weit größer als in der vergangenen Saison“, so Zingler, kann Kölmel Ansprüche anmelden. Die restlichen fünf Millionen Euro werden am 30. Juni 2010 fällig. „Diese 15 Millionen Euro sollen den Verein nie mehr belasten“, hofft der Klubchef: „Deshalb sind wir mit Herrn Kölmel auch schon seit Wochen in Gesprächen.“ Ziel sei es, Kölmel an zukünftigen Erfolgen zu beteiligen. Zingler spricht dabei von „Symbiosen im Stadionbereich“ wie zum Beispiel Beteiligung an den Einnahmen aus Konzerten in der Alten Försterei.
1,45 Millionen Euro Verbindlichkeiten
Dass sich Kölmel am Bau der neuen Haupttribüne beteiligen wird, schloss Zingler jedoch aus: „Wir haben ihn in den vergangenen fünf Jahren nicht einmal um Geld gebeten.“ Dies werde man auch in Zukunft nicht tun. Stattdessen fließt längst Geld zurück, in der laufenden Saison 550.000 Euro (13,75 Prozent der TV-Einnahmen). Bis 30. Juni 2010 soll es eine Regelung zwischen Union und Kölmel geben, die die Schuldenbilanz des Klubs „erheblich verbessert“ (Zingler).
Ganz zu schweigen von den 15 Millionen Euro, die der Bau der neuen Haupttribüne verschlingen wird (geplanter Beginn: Sommer 2010). Das Geld soll über eine breite Finanzierung ohne „starke Verschuldung oder Veränderung der Rechtesituation“ zusammenkommen, sagte Zingler. Der Klub hält alle Rechte in Sachen Stadion oder Vermarktung. Selbst der Verkauf des Stadionnamens stehe nicht zur Debatte. „Wir werden unser Tafelsilber nicht einsetzen, nur um zu wachsen“, sagte Zingler. Gespräche mit Geldgebern „werden geführt, wir sind guter Hoffnung“. Aussagen, die die Stimmung unter den Unionern sicher gesteigert haben.
Erschienen am 13.11.2009


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