Suche nach Sponsor
Union will gegen Bayern mit Überraschung aufwarten
Fußball-Zweitligist 1. FC Union muss nach der Trennung von Hauptsponsor ISP möglichst schnell einen neuen, seriösen Geldgeber finden. Die alten Trikots sind bereits aussortiert. Dennoch werden die Köpenicker heute beim Freundschaftsspiel gegen Bayern München nicht mit blanker Brust auflaufen.
Von Michael Färber
Die Werbebanden im Stadion an der Alten Försterei sind bereits abgebaut, die Trikots mit dem Aufdruck des Firmenlogos des ehemaligen Hauptsponsors schon aus den Regalen des Fanshops verbannt. Nichts soll beim 1. FC Union mehr an den Deal mit der International Sport Promotion (ISP) erinnern, der Ende Juni so hoffnungsvoll verkündet wurde. Und der wegen den Stasi-Verwicklungen von ISP-Aufsichtsratschef Jürgen Czilinsky am Montagabend mit der Kündigung des Vertrages mit dem Unternehmen sein jähes Ende gefunden hat. Dass heute nach Hertha BSC, Schalke 04 und Werder Bremen mit Rekordmeister Bayern München (18.30 Uhr, Alte Försterei, DSF live) sich bereits der vierte Bundesligist innerhalb weniger Wochen beim Zweitliga-Aufsteiger und derzeitigen Spitzenreiter die Ehre gibt, interessiert in der Wuhlheide nur am Rande. Die große Frage ist: Wie geht es mit Union nach dem Verlust der von der ISP bis 2014 zugesicherten zehn Millionen Euro weiter?
Es gibt gleich mehrere Felder, die es von der Klubführung um Union-Präsident Dirk Zingler zu bestellen gibt. Vorrangigste Aufgabe wird es sein, einen neuen Sponsor zu finden, der in ähnlicher Größenordnung wie die ISP (zwei Millionen Euro pro Jahr) einspringen kann. Oder der Klub muss seinen Etat in Höhe von 12,2 Millionen Euro nach unten korrigieren und möglicherweise Spielerverkäufe tätigen.
Noch wichtiger ist aber, die Trennung von der ISP erst einmal juristisch sauber über die Bühne zu bekommen. Denn es ist fraglich, ob Union den Vertrag mit dem Sponsor überhaupt kündigen durfte. Ein Unternehmen kann den Vertrag mit einem Mitarbeiter, deren Stasi-Tätigkeit nachweislich anderen Menschen Schaden zugefügt hat, kündigen. Doch wie sieht es mit Verträgen aus, die mit einem Unternehmen geschlossen sind, der solche ehemalige Stasi-Mitarbeiter beschäftigt? Im schlechtesten Fall könnte Union eine Millionenklage von der ISP drohen. Wohl auch deswegen schwiegen beide Seiten gestern, prüften die Rechtslage.
Was geschieht mit der ISP-Million?
Zu klären ist auch, was mit der einen Million Euro geschieht, die Union von der ISP in dieser Saison bereits erhalten hat. Ob und wie viel der Klub an die ISP zurückzahlen muss, darüber müssen sich beide Parteien erst einigen. "Dazu gibt es sicherlich Gesprächsbedarf. Von beiden Seiten besteht jedoch keinerlei Interesse, es zu einer Eskalation kommen zu lassen", sagte Christian Arbeit, bei Union Leiter des Bereichs Medien/Kommunikation. Dem Vernehmen nach hat der Zweitligist mit dieser Summe noch keine Ausgaben getätigt.
Bei der DFL will man offensichtlich erst einmal abwarten, ob sich Union mit ISP auf eine gütliche Trennung einigen kann, ehe man über mögliche Folgen in Bezug auf die im Frühjahr erteilte Zweitliga-Lizenz spricht. Laut Union habe "die eingereichte Etatplanung den ISP-Vertrag nicht beinhaltet". Nach Informationen der Berliner Morgenpost waren aber zwei Millionen Euro als Einnahme vom Hauptsponsor eingeplant, ohne diesen zu benennen. Union bestreitet dies vehement.
Dass die DFL die Lizenz für die laufende Saison damals dennoch ohne Bedingungen erteilte, erstmals überhaupt seit vielen Jahren, spricht wohl für das Vertrauen der Liga-Verantwortlichen in die Seriosität der handelnden Personen bei Union. Seit dem Zweitliga-Abstieg im Jahr 2004 hat der Klub Schritt für Schritt sein Image als Skandalnudel abgelegt. Vor diesem Hintergrund einen neuen Geldgeber zu finden, scheint nicht unmöglich. Wohl auch deshalb hat Union von der Liga bereits die Erlaubnis erhalten, während der Saison den Trikotsponsor zu wechseln. Das DFL-Statut erlaubt dies nur bei außergewöhnlichen Gründen.
Selbst wenn der Etat auf 10,2 Millionen Euro reduziert werden müsste, hat Union wenigstens an Glaubwürdigkeit gewonnen. "Die Vereinsführung wird sich von ihrem konsequenten Weg nicht abhalten lassen. Er ist die Garantie für den Erfolg", ließ Unions Aufsichtsratschef Antonio Hurtado wissen: "Ein 1. FC Union mit klarer Linie steht besser da, wenn es keine Verbindungen zu Stasi-Affären gibt." Schon heute wird die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus im Spiel gegen die Bayern wenn auch nicht mit blanker Brust, jedoch laut Christian Arbeit "mit einer Überraschung" auf dem Trikot auflaufen.
Weg frei für seriöse Geldgeber
Auch dass die ISP-Millionen nicht vollständig ins operative Geschäft fließen sollten, kann den Klub und seine Anhänger zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Zu je einem Drittel sollte das Geld für die Entwicklung der Mannschaft, den Schuldenabbau und das Stadion verwendet werden. Da rund fünf der insgesamt sechs Millionen Euro an Verbindlichkeiten, die Union per 30. September 2008 ausgewiesen hatte, bis 2010 mit Rangrücktritt versehen sind, ist die Existenz des Klubs keineswegs akut gefährdet. Auch der Bau der neuen Haupttribüne ist nicht endgültig vom Tisch. Zwar hatte die ISP bei der Präsentation angekündigt, in die Stadionbetreibergesellschaft einsteigen zu wollen, um bei der Finanzierung der zehn bis zwölf Millionen Euro mitzuhelfen. "Gespräche über eine Beteiligung haben aber noch nicht stattgefunden", bestätigte Zingler. Der Weg für neue, seriösere Geldgeber ist also frei.
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