23.02.13

Zweite Liga

Herber Dämpfer für Union im Rennen um Platz drei

In Köln enttäuschen die von Ausfällen geplagten Köpenicker auf ganzer Linie. 70 Union-"Fans" nach Ausschreitungen festgenommen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Union-Verteidiger Christian Stuff (Mitte) kommt zu spät, Kölns Stefan Maierhofer trifft zum 0:2
Union-Verteidiger Christian Stuff (Mitte) kommt zu spät, Kölns Stefan Maierhofer trifft zum 0:2

Die Fans des 1. FC Union, die sich am Sonnabend mit dem Sonderzug in Richtung Köln aufgemacht hatten, waren ohne Zweifel nicht zu beneiden. Erst erlebten sie eine maue Vorstellung ihrer Mannschaft, die in einem völlig verdienten 0:2 (0:1) beim 1. FC Köln endete. Dann fiel auch noch die geplante gemeinsame Rückfahrt mit der Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten aus.

Die Grippewelle, die das Team schon vor der Partie dezimiert hatte, soll nicht noch weiter um sich greifen. "Es tut uns leid für die Fans, aber wir müssen jetzt sehr vorsichtig sein. Noch mehr Krankheitsausfälle können wir uns nicht erlauben, deshalb müssen wir auf die gemeinsame Rückfahrt leider verzichten. Das ist sehr schade, denn es hat auch uns immer sehr viel Spaß gemacht", vertröstete Trainer Uwe Neuhaus den reisefreudigen Anhang der Köpenicker.

Das Fehlen von Kapitän Torsten Mattuschka (Infekt), Patrick Kohlmann (Leistenzerrung) und kurzfristig auch Fabian Schönheim (Fieber) war sicher ein Grund, warum Union vor 42.000 Zuschauern die Chance verpasste, einen direkten Konkurrenten im Rennen um Relegationsplatz drei wieder hinter sich zu bringen. Dass die von Neuhaus aufgebotene Elf jedoch in keiner Phase des Spiels auch nur ansatzweise an die guten Auftritte der ersten beiden Spiele des Jahres anknüpfen konnte, lässt sich nicht nur mit der grassierenden Grippe rechtfertigen.

Umstellungen bleiben ohne Wirkung

Die Umstellungen, die Neuhaus vornehmen musste, wirkten sich jedenfalls nicht positiv auf die Qualität des Spiels aus. Silvio blieb als Ersatz für Mattuschka im zentralen Mittelfeld ohne Wirkung. Für den Brasilianer kam nach der Pause Baris Özbek, der jedoch kaum mehr Akzente setzen konnte. In der Abwehrkette wechselte Björn Kopplin auf die linke Seite, Marc Pfertzel übernahm dafür rechts, und in der Innenverteidigung spielte erwartungsgemäß Christian Stuff. Richtig Zugriff auf die Begegnung bekamen die Gäste jedoch nie.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht", wollte der Trainer mit seiner Gefühlswelt auch nicht hinter dem Berg halten: "Dass man in Köln verlieren kann, ist unumstritten. Mit der Art und Weise war ich aber nicht einverstanden. Wir sind nicht an unsere Leistungsgrenze gekommen."

Bereits in der ersten Szene wurde deutlich, dass Union einen sehr schweren Stand in Köln haben würde, nicht nur wegen des rutschigen, teils mit Schnee bedeckten Rasens. 48 Sekunden waren gespielt, als der Ball erstmals im Tor der Berliner lag. Dass der Treffer nicht zählte, weil Schütze Anthony Ujah knapp im Abseits gestanden hatte, darf als Glück bezeichnet werden.

McKenna springt höher als Nemec

Und es ging munter weiter. Christian Clemens traf den Ball nicht richtig – Pfosten (6.). Stefan Maierhofer kommt trotz Bedrängnis fünf Meter vor dem Union-Kasten zum Kopfball – knapp drüber (13.). "Wir hätten in der Anfangsphase noch ein Tor mehr machen können", sagte Kölns sportlicher Leiter Frank Schaefer.

So lag Union zur Pause nur 0:1 zurück. Ein 40-Meter-Freistoß von Matthias Lehmann in den Strafraum fand den Kopf von Kevin McKenna. Der Kanadier, der gerade erst seinen Vertrag in Köln bis 2014 verlängert hat, setzte sich im Luftduell gegen Unions Adam Nemec durch und köpfte über Torwart Daniel Hass hinweg ins Tor. "Wir wussten, dass Köln in der ersten halben Stunde immer Vollgas gibt. Doch wir sind nicht ins Spiel gekommen", kommentierte Unions-Stürmer Simon Terodde die erste Halbzeit.

Der ehemalige Kölner hatte sich seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ohne Zweifel anders vorgestellt. Nur eine Kopfball-Chance, die auf dem Tornetz endete, gestattete die Kölner Defensive dem 24-Jährigen (51.). Nach 66 Minuten war für ihn Feierabend. Steven Skrzybski kam und sorgte sogleich mit einem Schuss dafür, dass Kölns Schlussmann Timo Horn sich wenigstens einmal auszeichnen konnte (67.).

Maierhofer düpiert Stuff

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie aber bereits entschieden. Wieder war ein Freistoß von Lehmann in den Union-Sechzehner gesegelt, den Dominic Maroh per Kopf in die Mitte weiterleitete. Dort schaltete Maierhofer schneller als Stuff. Mit dem Rücken zum Tor schoss der österreichische Nationalspieler den Ball ins lange Eck, 0:2 (53.).

"Es war ein ordentliches Spiel von uns, wir haben ganz wenig zugelassen", sagte FC-Trainer Holger Stanislawski, dessen Team nur noch drei Punkte hinter Kaiserslautern auf Rang drei liegt. Auf eine Rückkehr in die Bundesliga angesprochen, entgegnete der Coach: "Ich denke, dass da noch mehr Mannschaften sind, die um Platz drei kämpfen." Union hat sich durch die Niederlage aus diesem Kreis jedoch erst einmal verabschiedet.

Berliner Chaoten prügeln sich mit Kölner "Fans"

Am Rande der Partie wurden 70 Union-Anhänger festgenommen. Ihnen droht nun ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs. Die Chaoten hatten sich vor dem Anpfiff auf dem Weg zum Stadion mit Kölner Fans geprügelt. Es kam zu Flaschenwürfen, ein Polizist erlitt einen Nasenbeinbruch.

Zudem wollten mehrere Dutzend Berliner "Fans" während des Spiels den Block wechseln. Als sie von Ordnungskräften zurückgedrängt wurden, kam es ebenfalls zu Auseinandersetzungen. Dabei wurden ein Ordner und mehrere Polizisten verletzt.

Quelle: BM/fär
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