22.02.13

Zweite Liga

Unions Terodde hat die Ära Podolski hinter sich gelassen

Der Union-Stürmer Terodde verließ Köln vor eineinhalb Jahren in Richtung Berlin. Am Sonnabend kehrt er erstmals in seine alte Heimat zurück.

Von Michael Färber
Foto: pa/Claus Bergman

Mit acht Toren und fünf Vorlagen ist Simon Terodde (l.) der Topscorer beim 1. FC Union
Mit acht Toren und fünf Vorlagen ist Simon Terodde (l.) der Topscorer beim 1. FC Union

Sein Gang ist locker, als er sich der Tür im Pressecontainer im Stadion An der Alten Försterei nähert. Die rechte Hand hat er lässig in die Hosentasche gesteckt, seine Gesichtszüge wirken entspannt und freundlich, man könnte fast sagen: zufrieden.

Als sich Simon Terodde schließlich auf den Weg macht hinaus in die Köpenicker Kälte, ist nicht nur das leise Quietschen der Tür zu hören, sondern auch eine gepfiffene Melodie. Keine spezielle, einfach nur die lockere Abfolge von Tönen. Wie das eben so gemacht wird, wenn man gerade mit sich und seiner Situation im Reinen ist.

Ein Zustand, der beim Angreifer des 1. FC Union dieser Tage durchaus zutreffend ist. "Es macht richtig Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen", bestätigt der 24-Jährige. Dabei zeigt er immer wieder sein schelmisches Grinsen, als ob er doch noch irgendetwas ausheckt. Ein Lausbub, der auf dem Platz zum echten Kerl wird, der rennt und kämpft, als ginge es nicht nur um drei Punkte. Der dahin geht, wo es weh tut, wie es im Fußballjargon so schön heißt.

Neuhaus sieht logische Entwicklung

Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, wenn man sagt: Union erlebt derzeit den besten Terodde aller Zeiten. Acht Tore und fünf Vorlagen hat der Stürmer in dieser Saison bislang für den Berliner Fußball-Zweitligisten erzielt. Das bringt ihn auf Platz sechs in der Torjäger- und Scorerwertung.

Noch heute bezeichnet Terodde seinen Wechsel vom 1. FC Köln zu Union als "Riesenschritt". Weg vom ersten deutschen Bundesliga-Meister, für den er nur in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga ran durfte, hin zu einem ambitionierten Zweitligisten.

"Seine Entwicklung ist für mich logisch, weil er als Typ hundertprozentig hierher passt. Das habe ich schon damals während der Woche Probetraining gemerkt", sagte Trainer Uwe Neuhaus über seinen Schützling: "Er arbeitet gut, weil er seinen Job macht und ein guter Profi ist. Das wird dann auch irgendwann mal belohnt."

Terodde wiederum nennt Neuhaus "meinen größten Förderer". Ihn und Frank Schäfer, damals Jugendtrainer beim 1. FC Köln, zwischendurch Headcoach und inzwischen sportlicher Leiter beim Bundesliga-Absteiger. Am Sonnabend gibt es ein Wiedersehen, wenn Terodde mit den Köpenickern erstmals seit seinem Weggang mit seinem neuen Klub in der Rheinstadt vorspielt (13 Uhr, Sky, HIER im Live-Ticker der Berliner Morgenpost).

Wiedersehen mit der Familie und Freunden in Köln

"Ich freue mich, weil meine Familie im Stadion sein wird und auch viele Freunde", erzählt Terodde. Natürlich musste er im Vorfeld diverse Kartenwünsche erfüllen. "Das bietet sich bei so einem Spiel ja auch an." Keine Frage, es wird das emotionalste Auswärtsspiel für den gebürtigen Bocholter werden.

Auch weil er zeigen kann, dass es ein Fehler gewesen ist, ihn im Sommer 2011 zunächst auf Leihbasis zu Union ziehen zu lassen. Längst besitzt Terodde einen Vertrag bis 2015 bei den Berlinern. Ein Vertrauensbeweis des Klubs, den er nun mit Toren zurückzahlt.

Die Zeit in Köln ist für ihn abgehakt. Zumindest im ersten Moment, doch die Erinnerungen an jene Zeit sind immer noch präsent. Als die Gegner SC Verl, Eintracht Trier oder Sportfreunde Lotte hießen. Und ein ehrgeiziges Sturmtalent in der Kölner Bundesliga-Elf nicht zum Zuge kam, weil die Konkurrenz schlicht zu groß gewesen ist.

"Die Perspektive war einfach nicht so gut, in Köln haben damals Lukas Podolski und Milivoje Novakovic gespielt", erzählt der Blondschopf. Gestandene Nationalspieler, die wie eine schier undurchdringliche Wand vor ihm standen. "Nach den Gesprächen mit Trainer Neuhaus war ich mir schnell sicher, dass ich zu Union wechseln wollte", fügt Terodde hinzu.

Der Trainer und die Freundin geben Kraft

Dass der Profi diese Entwicklung hat nehmen können, hat er nicht zuletzt seinem derzeitigen Coach zu verdanken. Immer wieder gab Neuhaus ihm die Rückendeckung, die ihn trotz aller Rückschläge nie haben an sich zweifeln lassen.

"Bei Spielern in seinem Alter gibt es immer Höhen und Tiefen, Phasen, in denen es nicht rund läuft. Dann wird immer gerätselt: Ist die Mannschaft insgesamt schlecht, weil große Chancen ausgelassen werden, weil die Stürmer nicht treffen – oder treffen die Stürmer nicht, weil es insgesamt nicht rund läuft", erklärt Neuhaus.

Daneben ist Freundin Laura der Mensch, der Terodde immer wieder Kraft gibt. "Sie unterstützt mich immer", lässt Terodde wissen. Die Tatsache, dass sie sich "eigentlich nicht für Fußball interessiert" (Terodde), dürfte dem 1,92-Meter-Mann zusätzlich die Möglichkeit geben, vom Fußballgeschäft abzuschalten. Erst recht, wenn einiges auf dem Platz daneben ging.

So wie im letzten Spiel des vergangenen Jahres, als Terodde beim 3:4 bei Spitzenreiter Eintracht Braunschweig unrühmliche Bekanntheit erlangte. Sein hanebüchener Fehlpass in die eigene Hälfte, der zum 1:1 durch Domi Kumbela führte, ist ihm noch in lebhafter Erinnerung. "Das war für mich der richtige Zeitpunkt, um in die Winterpause zu gehen", erzählt er.

Gute Flanken erleichtern Teroddes Höhenflug

Und zeigt wieder sein schelmisches Grinsen. Wie ein Lausbub eben, der auch Wochen später immer noch genau weiß, was er da angestellt hat. Auch deshalb "bin ich heiß auf 2013". Wohl wissend, dass das Ende seiner Torbilanz bei Union noch nicht erreicht ist.

"Die Vorbereitung im Winter war extrem wichtig. Ich versuche jetzt, noch mehr in den Strafraum zu gehen. Außerdem haben wir jetzt auch Adam Nemec vorn drin, die Flanken werden gut reingeschlagen, da wird es immer brandgefährlich", verrät er die Gründe für seinen Höhenflug: "Wenn wir uns außen festdribbeln und dann den Ball verlieren, bringt das nichts."

Was er selbst noch tun kann, um sich zu verbessern? "Ich darf nicht in Lethargie verfallen oder in Selbstmitleid, sondern muss den Kopf immer oben behalten. Uwe Neuhaus und Co-Trainer Andre Hofschneider geben mir auch immer wieder zu verstehen, dass ich an meiner Körpersprache arbeiten muss." Sagt es und geht, mit einer Hand in der Hosentasche. Und ein Liedchen pfeifend.

Die Karriere von Simon Terodde
bis 1998
SV Krechting
1998 bis 2001
VfL Rhede
2001 bis 2002
1. FC Bocholt
Juli 2002 bis Dezember 2008
MSV Duisburg
Januar 2009 bis Juni 2009
Fortuna Düsseldorf (ausgeliehen von MSV Duisburg)
Juli 2009 bis Juni 2011
1. FC Köln
seit 01. Juli 2011
Union Berlin (ausgeliehen von 1. FC Köln)
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