20.02.13

Zweite Liga

Der 1. FC Union wagt den Spagat zwischen Kult und Geld

Der Berliner Fußball-Zweitligist Union hat seinen Umsatz innerhalb von sechs Jahren um fast 400 Prozent gesteigert.

Foto: Bongarts/Getty

Union-Klubchef Dirk Zingler
Union-Klubchef Dirk Zingler

Dass sich ausgerechnet der 1. FC Union auf Europas größtem Sport- und Wirtschaftskongress präsentierte, konnte schon erstaunen. Jene "Eisernen" mit ihrem Nischen-Image zwischen all den Marketing-Experten in dunklen Anzügen, Entscheidungsträgern von Firmen und Medienunternehmen – das zeigt den Spagat, den sich die Macher des 1. FC Union immer mehr stellen müssen.

Auf der einen Seite will der Berliner Fußball-Zweitligist seine Spiele weiter nicht "als Rummelplatz oder Verkaufsveranstaltung" sehen, wie Präsident Dirk Zingler auf dem SpoBiS-Kongress in Düsseldorf erklärte. Auf der anderen Seite "gehören Sponsoren selbstverständlich dazu".

1800 Business-Seats

So können im von den Union-Fans mitgebauten Stadion An der Alten Försterei nun auch 27 Logen und 1800 so genannte Business-Seats verkauft werden. Zwar gibt es noch immer 18.000 Stehplätze für die einfachen Anhänger, aber eben auch eine neue Haupttribüne mit 4000 Sitzplätzen. "Die Nachfrage ist jetzt schon enorm", verriet Klubchef Dirk Zingler und gab zu: "Wir sind Fußballromantiker – aber nicht nur." Union arbeitet inzwischen mit Ufa Sports zusammen, einer der renommiertesten und größten Sportvermarktungsagenturen im Land.

"Wir sind seit zwei Jahren ausvermarktet. Das Wachstum fand bisher im Zelt statt", berichtete der Union-Chef über den Status quo bis zum Bau der neuen Haupttribüne, die inzwischen als Rohbau von den Zuschauern genutzt werden kann.

Mit dem alten Stadion und einem Vip-Zelt für die Sponsoren hat Union seinen Umsatz von fünf Millionen Euro in der Drittliga-Saison 2008/09 innerhalb von sechs Jahren um fast 400 Prozent gesteigert. In der abgelaufenen Spielzeit 2011/12 vermeldete der Klub den Rekordumsatz von 17,13 Millionen Euro. Die Werbeeinnahmen stiegen um 30 Prozent auf 5,88 Millionen Euro.

"Jede finale Entscheidung über einen Werbevertrag liegt weiter beim Verein", unterstrich Präsident Zingler und ergänzte: "Anders zu sein, ist keine Strategie und kein angestrebtes Image. Wir wollen uns wohlfühlen." In der laufenden Saison kann Union 18 Millionen Euro ausgeben, acht Millionen davon für das Personal. Nochmals um fünf Millionen Euro würden sich die Umsätze durch die Vermarktung der neuen Tribüne steigern lassen, hofft Zingler. Damit könnten mehr Mittel der sportlichen Entwicklung zur Verfügung gestellt werden.

Aufstieg ist kein Tabu mehr

Dass dies natürlich auch neue Gedanken in den Verein trägt, ist auch für die Union-Verantwortlichen normal. Der Bundesliga-Aufstieg ist kein Tabuthema mehr, zumal in der laufenden Saison trotz Fehlstart die sportliche Entwicklung nach oben zeigt.

"Wir wissen jetzt, wir können es schaffen, ohne uns zu verbiegen. Und dann will man es auch schaffen", sagte Zingler.

Zuvor hatten die Unioner lange Zeit die Angst gepeinigt, Fußball der Marke "Eisern" könnte sich zu einem Allerweltsprodukt entwickeln, wenn man nach der 1. Liga strebt. "Wir können es tun, ohne es zu müssen", sagte Zingler jetzt.

Quelle: dpa/sei
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