17.02.13

Zweite Liga

Leider ist bei Union nicht alle Tage Derby

Union hat gegen Ingolstadt total enttäuscht. Riesenglück hatten die Eisernen beim bei Latten-Elfmeter in der Schlussminute.

Von Michael Färber
Foto: dpa

Unions Christoph Menz (l.) im Zweikampf mit Ingolstadts Ahmed Akaichi. Am Ende stand es unentschieden
Unions Christoph Menz (l.) im Zweikampf mit Ingolstadts Ahmed Akaichi. Am Ende stand es unentschieden

Plötzlich wurde es hektisch. Die Spieler des 1. FC Union bedrängten Schiedsrichter Norbert Grudzinski, von den Rängen flogen Feuerzeuge und teils gefüllte Bierbecher auf den Rasen. Was war passiert? Es lief die zweite Nachspielminute im Zweitligaduell gegen den FC Ingolstadt, als der Unparteiische überraschend auf den ominösen Punkt im Union-Strafraum zeigte. Schiedsrichter-Assistent Tim Sönder hatte seinem "Chef" zuvor ein Foulspiel angezeigt.

Tatsächlich hatte Verteidiger Roberto Puncec Gäste-Stürmer Ilian Micanski am Trikot gerissen, der Pfiff war also berechtigt. Doch der Gefoulte nahm das Geschenk nicht an und lupfte den Ball arrogant nur an die Latte. So blieb es beim 1:1 (0:0). Ein Unentschieden, das Union einen sehr glücklichen Punkt bescherte.

Die Gemüter wollten sich dennoch kaum beruhigen. Direkt nach dem Fehlschuss belegte Torsten Mattuschka den Ingolstädter Schützen mit Worttiraden. Der Kapitän sah dafür ebenso Gelb wie Fabian Schönheim, der vor dem Strafstoß demonstrativ zum Ball ging und – zumindest symbolisch – auf ihn spuckte.

Es hätte auch Rot sein können

Eine Unsportlichkeit, für die es auch Rot hätte geben können. "Ich wollte den Schützen einfach nur verunsichern, so wie man das heute nun mal macht", sagte Schönheim. Und fügte grinsend hinzu: "Es hat ja auch geklappt, obwohl ich wusste, dass ich dafür Gelb bekommen werde. Ich zahle dafür etwas in die Mannschaftskasse."

Nach Abpfiff versuchten sowohl Trainer Uwe Neuhaus als auch Union-Präsident Dirk Zingler, den Schiedsrichter noch auf dem Rasen zur Rede zu stellen. Es war wohl auch der Versuch der Frustbewältigung. Denn fünf Tage nach dem berauschenden Derby bei Hertha BSC blieb Union alles schuldig.

Ideen in der Offensive, Zweikampfstärke, Laufbereitschaft – all die Dinge, dank derer Union im Olympiastadion eine so ausgezeichnete Visitenkarte abgeben konnte, suchten die 15.461 Zuschauer an diesem Nachmittag in der Alten Försterei vergeblich. "So unterschiedlich können Fußballspiele sein. Wir müssen froh über den Punkt sein", bilanzierte Trainer Neuhaus.

Denn es waren die Ingolstädter, die einen Sieg verdient gehabt hätten. Sie verteidigten klug, übernahmen nach den ersten Minuten des Abtastens das Geschehen. Die Offensivaktionen der Gäste waren stets durchdacht, auch wenn beim letzten Pass oft die Genauigkeit fehlte.

Bei Union dachte man offensichtlich, dass es nahtlos so weitergehen würde wie gegen Hertha, nachdem sich bereits nach 32 Sekunden die erste Chance zur Führung auftat, Patrick Zoundi seinen Kopfball jedoch rechts am Tor vorbei setzte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte natürlich noch niemand, dass es die einzige hundertprozentige Möglichkeit zur Führung bleiben sollte.

Torwart Haas im Glück

Union hatte sogar noch Glück, dass es nicht schon in der ersten Hälfte einen Strafstoß für Ingolstadt gab. Nach einer schönen Kombination war Florian Heller frei vor Torwart Daniel Haas aufgetaucht. Der Union-Schlussmann warf sich dem Ingolstädter in den Weg, traf ihn am Bein – doch der fällige Pfiff blieb aus (36.).

Eine Fehlentscheidung. "Der Kontakt war in jedem Fall da. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn der Schiedsrichter da pfeift", gab Haas hinterher zu: "Vielleicht war der gegebene Elfmeter in der Nachspielzeit dann auch ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit für Ingolstadt."

Nein, es war nicht der Tag der Unioner. Dies wurde vor allem beim Gegentor deutlich. Gleich über mehrere Stationen lief der Ball direkt bis in den Strafraum der Hausherren, die nur zuschauten, wie der Ball durch ihre Reihen kombiniert wurde. Am Ende der Kette stand Heller völlig frei und vollendete zum 0:1 (66.).

Der Ausgleich fünf Minuten vor dem Ende fiel hingegen praktisch aus dem Nichts. Adam Nemec hatte sich hochgeschraubt und einen Kopfball nach Flanke von Björn Kopplin direkt neben den rechten Pfosten platziert. Nur eine Minute später wirft sich Christoph Menz in einen Schuss des Ingolstädters Marvin Matip, um einen erneuten Rückstand zu verhindern. Doch als sich alle mit der Punkteteilung praktisch angefunden hatten, wurde es hektisch.

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