14.02.13

Zweite Liga

Union in der Offensive - "Irgendwann Bundesliga als Ziel"

Nicht nur sportlich läuft es für den 1. FC Union rund: Auch finanziell ist der Berliner Zweitligist auf dem Weg in höhere Sphären.

Von Michael Färber
Foto: Bongarts/Getty Images

Freude immerzu: Bei Union (Simon Terrode, l. und Fabian Schoenheim) läuft es derzeit sportlich und wirtschaftlich nahezu perfekt
Freude immerzu: Bei Union (Simon Terrode, l. und Fabian Schoenheim) läuft es derzeit sportlich und wirtschaftlich nahezu perfekt

Auf den Mitgliederversammlungen des 1. FC Union wurde ein Begriff stets geflissentlich übergangen. Im Februar 2013 kommt man beim Berliner Fußball-Zweitligisten jedoch nicht mehr an ihm vorbei. Also gab Dirk Zingler, Unions Präsident, den Anwesenden in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße gestern Abend folgendes mit auf den Weg: "Irgendwann werden und müssen wir uns trauen, das Ziel Bundesliga auszurufen."

Nie war der Klubchef offensiver mit dem Aufstieg in die deutsche Eliteklasse umgegangen als in diesen Tagen. Nicht dass man beim Tabellenvierten schon jetzt, drei Monate vor Saisonende, noch schnell das Ziel (Platz fünf bis sieben) nach oben korrigieren würde. Aber: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Bundesliga auf unsere Art erreichen können, auch wenn niemand die Länge des Weges dahin beziffern kann. Davon war in den Vorjahren nicht auszugehen", so Zingler.

Union macht ein Plus von fast 800.000 Euro

Die Entwicklung darf auch kein anderes Ziel zulassen als den Aufstieg. So steigerte Union seine Einnahmen in der Saison 2011/12 auf 17,13 Millionen Euro (2010/11: 12,78), die Ausgaben erhöhten sich auf 16,73 Millionen Euro (2010/11: 12,77) – macht einen Gewinn von 401.000 Euro. Für die laufende Spielzeit ist sogar ein Plus von 781.000 Euro eingeplant – ohne die Einnahmen aus der neuen Haupttribüne.

Die Vereinspolitik, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt, hat sich auf allen Ebenen durchgesetzt. Motto: Sich Millionen Euro leihen, um dann um Platz eins mitzuspielen, könne jeder. Wie gesund der einstige Skandalklub inzwischen ist, zeigt erneut ein Blick in die Zahlen. Per 31. Dezember 2012 weist der Verein einen Forderungsüberschuss in Höhe von knapp 780.000 Euro aus. "Wir haben keine offenen Lohnforderungen, Bankkredite, Steuerverbindlichkeiten oder Ähnliches", sagte Zingler nicht ohne Stolz. Und die bis 2025 mit Rangrücktritt versehenen fünf Millionen Euro, die Union noch dem Unternehmer Michael Kölmel schuldet, wurden mittels einer jährlichen Tilgung bereits auf vier Millionen Euro reduziert.

Noch liegt der Klub beim Umsatzbereich im Mittelfeld

Warum sich die Köpenicker derzeit jedoch weiter nur wenig aus der Deckung trauen, zeigt ein Vergleich mit der Liga-Konkurrenz für die Saison 2011/12. Die Vereine im oberen Ligadrittel bewegen sich im Umsatzbereich von durchschnittlich 30 Millionen Euro, Union liegt da nur im Mittelfeld. Gleiches gilt für die Spielergehälter: Die Top 6 investierten im Durchschnitt 11,5 Millionen Euro, Union 7,5. "Wenn ich dann trotzdem Vierter bin, bin ich zufrieden", sagte Zingler. Und dass man dann Relegationsplatz drei anvisiert, ist nur logisch. "Wenn wir den Rest der Saison konzentriert weiterarbeiten, haben wir gute Chancen, einen Platz nach oben zu klettern", sagte Trainer Uwe Neuhaus vor dem Spiel morgen gegen den FC Ingolstadt (13 Uhr, Alte Försterei).

Keine Frage, Union rüstet sich für die Bundesliga. Inzwischen werden lange erhoffte Transfererlöse realisiert. Der Klub nahm durch die Abgänge von John Jairo Mosquera (nach China, inzwischen Cottbus), Chinedu Ede (Mainz) und Markus Karl (Kaiserslautern) in elf Monaten drei Millionen Euro ein. Die Zahl der Sponsoren ist auf über 200 gewachsen, erst kürzlich begrüßte der Klub sein 11.000. Mitglied. "Einen Rückfall des Vereins in mentale oder wirtschaftliche Zustände wie 2003/04 halte ich für ausgeschlossen", ist sich Zingler sicher. Damals drückten Union, sportlich im freien Fall, rund eine Million Euro an kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Tag der offenen Tür zur Einweihung der Vip-Logen

Nun freut sich der Verein auf Einnahmen aus dem Verkauf der Vip-Logen der neuen Tribüne, die im Sommer mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht wird. Die in einem Stadion steht, das den Union-Mitgliedern dank der Stadionaktie gehört. Sogar Etatunterlagen für die Bundesliga 2013/14 sind in Vorbereitung. Auch wenn Geschäftsführer Oskar Kosche noch abwiegelt ("Damit befassen wir uns, wenn der Aufstieg zum Abgabetermin am 1. April rechnerisch möglich ist"): Die Bundesliga ist beim 1. FC Union angekommen.

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