13.02.13

Nach Derby

Kapitän Mattuschka erklärt 1. FC Union zum Stadtmeister

Nicht nur für Unions Spielführer fühlt sich das Remis gegen Hertha BSC wie eine Niederlage an. Dafür gibt es aber keinen Grund.

Foto: dpa

Union-Kapitän Torsten Mattuschka (rechts) erwies sich gegen Hertha BSC erneut als Antreiber
Union-Kapitän Torsten Mattuschka (rechts) erwies sich gegen Hertha BSC erneut als Antreiber

"Schön war's", sagte Torsten Mattuschka, "und wenn wir gewonnen hätten, wäre es sehr schön gewesen." Eine kleine Einschränkung des Kapitäns, die so viel über die Verfassung der Mannschaft des 1. FC Union aussagt.

Der späte Ausgleich gegen Hertha BSC hat dazu geführt, dass sich das 2:2 doch eher wie eine Niederlage anfühlt. "Das war ein richtig geiles Spiel von uns, das wir hätten gewinnen müssen. Jeder hat gesehen, dass wir die bessere Mannschaft waren", fügte der Spielmacher des Zweitligisten hinzu.

Wenn auch nur langsam, so wird dennoch Stück für Stück die Erkenntnis in den Köpfen der Köpenicker Kicker reifen, etwas Großes im Olympiastadion vollbracht zu haben. Sie muss es einfach, denn der Auftritt der Rot-Weißen war beste Werbung für das, was sich unter Trainer Uwe Neuhaus entwickelt hat. Der Coach war es auch, der als Erster versuchte, den Schalter umzulegen. "Ich wehre mich dagegen, das Spiel als Niederlage zu betrachten", sagte Neuhaus – mit Recht.

Köpenicker können mit den Großen mithalten

Erneut hat Union gezeigt, dass man mit den Großen der Liga nicht nur mithalten, sondern sie auch an den "Rand einer Niederlage" drücken kann, so Mattuschka. Kompakte Einheit, einer für den anderen – das sind die Termini, die nach solchen Spielen dann angeführt werden. "Mit dieser Art und Weise bin ich sehr zufrieden", sagte Neuhaus. Und einer, die dies am Montagabend mehr als alle anderen verkörperte, war Torsten Mattuschka.

Wo immer sich eine Gefahrensituation auftun wollte , war der Kapitän zur Stelle. Sollte es schnell nach vorn gehen – "Tusche" war schon auf dem Weg. Wurde es gefährlich vor dem Hertha-Tor – Unions Nummer 17 war beteiligt. Vor der Führung durch Simon Terodde konnte Mattuschka, nachdem er Peter Pekarik ausgetanzt hatte, erst im letzten Moment von Torwart Thomas Kraft gebremst werden. "Das hat er super gemacht, da war ich schon beim Torjubel", erzählte Simon Terodde. Und die Flanke vor dem 2:0 durch Adam Nemecs Kopfball konnte kaum besser geschlagen sein.

Sonderlob für "Tusche" vom Trainer

"Er hat heute eine Stärke gezeigt, die er sonst nicht so zeigt. Er hat den Gegner oft gedoppelt und wollte unbedingt vorangehen", gab es sogar großes Lob vom Trainer. Dass Neuhaus ihn nach 78 Minuten vom Feld nahm, hatte einen ganz einfachen Grund. "Ich konnte nicht mehr, hatte überall Krämpfe. Es wäre falscher Ehrgeiz gewesen, dann noch weiterzuspielen", erklärte Mattuschka. Die Erschöpfung war ihm auch am Dienstag nach dem Auslaufen noch anzusehen.

Dennoch legte der 32-Jährige eine Einstellung an den Tag, die imponiert. Auch den Teamkollegen. "Ich glaube, Torsten hat keinen Defensivzweikampf verloren. Er hat uns immer wieder angetrieben, so einen Kapitän wünsche ich mir", sagte Terodde: "Nicht so wie der andere, der mir schon vor dem Spiel sagt, dass ich nichts kann." Der Stürmer meinte Hertha-Kapitän Peter Niemeyer. "Mit meinem Tor habe ich schon nach neun Minuten gezeigt, dass ich doch was kann", so Terodde.

Derby-Scharmützel trübt Gesamteindruck nicht

Niemeyer konterte darauf wie folgt: "Wie viele Bundesliga-Spiele hat Terodde? Ich rede eigentlich nicht mit dem Gegner auf dem Platz, sondern nur mit meiner Mannschaft. Was auf dem Platz passiert, bleibt für mich auf dem Platz. Wenn andere darüber reden wollen, ist das okay. Aber Terodde hat ja gezeigt, dass er was kann." Ein Derby-Scharmützel, das den Gesamteindruck nicht trübt.

Anders verhält es sich, wenn die Sprache auf die beiden Gegentore kommt. Vor dem 2:1 klärte Björn Kopplin den Ball völlig unbedrängt zur Ecke. "Keine Frage, ich nehme das Tor auf meine Kappe", sagte der Außenverteidiger am Tag darauf. Auch über Nemecs unverständliches Abspiel vor dem Freistoß, der zum Ausgleich führte, wird zu reden sein. "Er hätte den Ball locker mit dem zweiten Kontakt zurückspielen können", monierte Neuhaus. So aber flog das Abspiel zum Gegner.

Die Cleverness fehlt noch

Zwei Kleinigkeiten, die in den oberen Regionen der Liga gnadenlos bestraft werden. "Die Cleverness fehlt uns noch", befand Mattuschka. Wohl wissend, wie es für Union weitergehen sollte: "So, wie wir am Montag gespielt haben – das muss der Weg in den nächsten Wochen für uns sein. Dann ist es schwer, uns zu schlagen." Und der Kampf um Platz drei für den Tabellenvierten trotz des Sieben-Punkte-Rückstands noch nicht verloren.

So ist der Ärger über den verpassten Sieg auch Ausdruck neuen Selbstbewusstseins in Köpenick. Union, der Stadtmeister der Herzen? "Wenn wir gewonnen hätten, würden wir immer noch in unserer Fankurve feiern", sagte Terodde. Doch es war eine Rechnung Mattuschkas, die den Unionern gefallen dürfte: "Ich habe mal gehört, Auswärtstore zählen doppelt. Also sind wir ja doch Stadtmeister." Von wegen gefühlte Niederlage.

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