11.02.2013, 12:25

Derby Hertha gegen Union - Ausnahmezustand in Berlin

Herthaner und Unioner treffen sich vor dem Derby nur wenige Meter voneinander entfernt. Die Berliner Polizei setzt auf Fan-Trennung.

Montag, gegen 15 Uhr: Tausende Fans von Hertha BSC bevölkern den Bahnhof Zoo, stimmen sich für das Derby ein, bevor sie sich auf den Weg ins Olympiastadion machen. Montag, gegen 16 Uhr: Tausende Anhänger des 1. FC Union bevölkern den Breitscheidplatz, stimmen sich für das Derby ein...

Keine Frage, die City-West ist am Nachmittag im Ausnahmezustand. Es gilt, schon Stunden vor dem Anpfiff im Olympiastadion für jene friedliche Atmosphäre zu sorgen, die ab 20.15 Uhr in ein Fußballfest vor 74.244 Zuschauern mündet. Zumindest im Vorfeld wurde und wird alles dafür getan.

So gab es in den vergangenen Wochen eine enge Abstimmung zwischen den Fanbeauftragten beider Klubs, dem DFB und der Polizei. Jegliche Provokation soll bei dem Hochsicherheitsspiel vermieden werden, erst recht, wenn sich beide Fanlager nur wenige Meter entfernt voneinander treffen.

So bat Hans-Ulrich Hauck, heute Einsatzleiter der Berliner Polizei, in einem offenen Brief an die Hertha-Fans, "aktiv an der für uns wichtigen Fantrennung mitzuarbeiten". Er empfiehlt dem blau-weißen Tross, der nur vom Osttor aus in das Stadion gelangen wird, die Anreise per U-Bahn. Bei der Begehung von Straftaten würden die Einsatzkräfte konsequent tätig werden. Dies gilt natürlich auch für die rot-weiße Fan-Karawane, die nur über das Südtor in ihren Fanblock gelangt.

Vor dem Stadion "werden wir restriktive Einlasskontrollen durchführen", bestätigte Thomas E. Herrich, Herthas Geschäftsführer, der Morgenpost. Damit soll nicht zuletzt das Einschleusen von Pyrotechnik verhindert werden, das vor allem von Seiten der Unioner befürchtet wird. "Wir tun alles, um ein friedliches Fußballfest zu feiern", sagte Herrich.

So schnell werden aus den Eisernen "Herthaner":

Erneuerung der Fanfreundschaft

Einige Fans der beiden Berliner Klubs gehen dabei sogar noch einen Schritt weiter. Sie wollen die Fanfreundschaft alter Tage wieder aufleben lassen und an einer gemeinsamen Fankultur arbeiten. Eine schwere Aufgabe, doch die Initiatoren Jörg Schmitt und dessen Frau Tanja von www.hertha-union-freun.de sind optimistisch.

"Die Resonanz ist überraschend gut. Wir zählen in unserer Facebook-Gruppe schon knapp 400 Mitglieder, und wir werden immer mehr. Das hätte ich nicht gedacht", sagt Jörg alias "Eiserne Plauze" erfreut.

Mit seiner Frau, die im Gegensatz zu ihm ein treuer Hertha-Fan ist, entstand die Idee vor sieben Monaten abends vor dem Computer. Als sie zufällig bei Ebay auf einen Hertha-Union-Freundschaftsschal aus den Siebzigern stoßen, machte es klick: "Wir dachten uns, die Freundschaft wieder aufleben zu lassen, ist doch eine tolle Sache. Zum Glück hatten wir gleich engagierte Leute, die sich uns angeschlossen haben. Und so wuchs die Gruppe doch sehr schnell."

Doch Kritik ließ nicht lange auf sich warten: "Viele wollen von einer Fanfreundschaft gar nichts wissen. Leider sind das meist jüngere Fans, die von der Geschichte beider Vereine nichts wissen und alles nachplappern, was sie hören", sagt der Gründer. Gern erinnern sich die Macher an die gemeinsame Zeit zurück. Beispielsweise an das "Wunder von Prag", wo Hertha 1979 das Uefa-Cup-Viertelfinale gegen Dukla Prag mit 2:1 gewann und nach dem 1:1 im Hinspiel ins Halbfinale einzog.

Insgesamt 15.000 Herthaner und Unioner aus Ost und West machten sich damals auf den Weg in die tschechische Hauptstadt und bescherten den Blau-Weißen ein Spiel mit Heimkulisse. "Mein Vater besuchte damals das Spiel und berichtete uns Kindern besonders über die unglaubliche Stimmung dort", sagt Andreas Sattler, Union-Fan und einer der Administratoren der Gruppe.

Heute bestimmen Provokationen den Alltag. "Hertha-Treff am Knabenstrich – alte Liebe rostet nicht" war auf einem Union-Spruchband im Heimspiel gegen Sandhausen zu lesen. Eine Anspielung auf den Fantreff der Hertha-Fans vor dem vierten Stadtderby.

Die Hertha-Union-Freunde lehnen solche Aktionen strikt ab und hoffen, dass so etwas nicht noch einmal vorkommen wird: "Natürlich haben wir uns darüber unterhalten. Die Unioner unter uns distanzieren sich von jeglichen Provokationen dieser Art. Es ist kontraproduktiv, und viele haben sich sogar bei uns entschuldigt. Eine gute Geste", sagt René Luchterhand, Hertha-Fan und auch Administrator der Gruppe. Bleibt zu hoffen, dass heute die Fanlager im Stadion ähnlich besonnen reagieren.

(nk)
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