26.01.13

Zweite Liga

Union holt einen Mann mit Champions-League-Erfahrung

Einen Tag nach dem Abgang von Markus Karl hat der 1. FC Union mehr als nur Ersatz vorgestellt: Deutsch-Türke Baris Özbek ist ein alter Bekannter.

Von Marcel Stein
Foto: picture alliance / dpa

Im Einsatz für Galatasaray: Baris Özbek (l.) setzte sich gegen einen Spieler von OFK Belgrad durch. Zukünftig kämpft er für Union
Im Einsatz für Galatasaray: Baris Özbek (l.) setzte sich gegen einen Spieler von OFK Belgrad durch. Zukünftig kämpft er für Union

Für jemanden, der gerade fast sechs Jahre in einem eher sonnenverwöhnten Land verbracht hat, zeigte sich Baris Özbek ziemlich kälteresistent. Während die meisten Kollegen mit langem Beinkleid ihrer Profession nachgingen, rannte er mit kurzen Hosen über den freigelegten Rasen in der Winterlandschaft des Stadions an der Alten Försterei. Gut möglich, dass er seinen neuen Kollegen gleich mal zeigen wollte, dass er einer ist, der im übertragenen Sinne die Ärmel hochkrempeln kann.

Es ging also recht schnell. Gut 24 Stunden zuvor hatte der 1.FC Union seinen defensiven Mittelfeldspieler Markus Karl gen Kaiserslautern ziehen lassen, weil dieser dort mehr Potenzial sieht, um mit dem Klub aus der zweiten in die erste Fußball-Bundesliga aufzusteigen. Nun präsentierten die Köpenicker schon den Mann, der die Position von Karl übernehmen kann. "Das war kein Zufall", sagt Union-Trainer Uwe Neuhaus. Zumindest nicht die Verpflichtung.

Immer in Kontakt geblieben

Die, so legt es Özbek nah, hätte auch ohne den Karl-Wechsel wohl stattgefunden. "Bei mir war es schon vorher klar, dass ich komme", sagt er. Seit zwei Monaten besteht Kontakt, eigentlich schon länger, genaugenommen brach er nie ab. Seine ersten Profieinsätze erlebte der 26-Jährige 2005 unter dem Trainer Neuhaus bei Rot-Weiß Essen und dem damaligen Geschäftsführer Nico Schäfer, der inzwischen kaufmännisch-organisatorischer Leiter bei Union ist. Sie kennen sich noch gut aus dieser gemeinsamen Zeit, obwohl die nicht lang dauerte.

Neuhaus spricht mit großem Respekt von Özbek. "Er hat seinen Weg gemacht", sagt der Übungsleiter. Im Sommer 2007 wechselte der einstige deutsche Junioren-Nationalspieler (19 Länderspiele) zu Galatasaray Istanbul, 2011 dann zu Trabzonspor, er spielte in der Europa League und in der Champions-League-Qualifikation. "Normalerweise ist es schwierig, so einen Spieler für uns zu gewinnen", so Neuhaus. Zuletzt aber lief es in Trabzon nicht so für Özbek, deshalb durfte er nun ablösefrei kommen.

Als Markus Karl noch nicht ganz weg war, absolvierte der Deutsch-Türke bereits den Medizin-Check. Karls Abgang war nicht geplant, aber offenbar störte die Entwicklung, die sich Anfang der Woche abzeichnete, die Pläne der Berliner auch nicht. Dabei gab es durchaus Unverständnis darüber, wie Union einen sehr zentralen Spieler im Mannschaftskorsett einfach so ziehen lassen kann.

Sogar vom Abschied von höheren Ambitionen war die Rede. "Ich weiß nicht, wie man zu so einer Schlussfolgerung kommen kann", sagt Präsident Dirk Zingler. Er schaute trotz der Kälte beim Training vorbei, um die Neuerwerbung zu beobachten. "Wir wollen uns bei jeder Entscheidung im Sport verbessern, das haben wir auch mit diesem Transfer getan", sagt er. Die Vita Özbeks jedenfalls ist eindrucksvoller als die von Markus Karl.

Spezialist für Sonderschichten

Möglichst schnell will sich der Neue nun zeigen, er hofft schon auf einen Einsatz am Sonnabend im Testspiel bei Zweitliga-Spitzenreiter Eintracht Braunschweig (13 Uhr). Der Trainer bremst noch etwas: "Er hat in letzter Zeit wenig Spielpraxis gehabt. Wir müssen gucken, in welcher Verfassung er sich befindet." Von den Qualitäten Özbeks, der im Mittelfeld bis auf die Spielmacher-Position alles ausfüllen kann, ist Neuhaus überzeugt. "Ich habe noch nie einen Spieler mit so viel Willen gesehen. Er ist unglaublich ehrgeizig", sagt er. Özbek sei einer, der in jedem Training Sonderschichten fahre.

Das ist Malocher-Slang, und es ist die Sprache, die Özbek spricht. Er hatte Angebote aus der Bundesliga und aus dem Ausland, aber es zog ihn zu Union. "Für mich waren die Gespräche mit Uwe Neuhaus und Nico Schäfer sehr wichtig", sagt er. Die beschrieben ihm alles genau, er fühlte Vertrauen. Außerdem war er begeistert vom Stadion, von den Fans, als er im Dezember das Spiel gegen Kaiserslautern (2:0) beobachtete.

"Für mich passt das alles hier", sagt er und meint neben der sportlichen Leitung die Tradition des Klubs, dessen Selbstverständnis. "Ich weiß, was es heißt, bei einem Arbeiterklub zu sein. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater arbeitet in einer Zeche in Recklinghausen. Ich bin auch einer, der arbeitet", erzählt Özbek. Das Potenzial, sich schnell in die Herzen der Fans zu spielen, scheint groß.

Özbeks internationale Erfahrung soll Union helfen

Ein bisschen ist Union für den in Castrop-Rauxel geborenen Mittelfeldmann so etwas wie eine Heimkehr. Er wirkt überzeugt vom Umfeld, auch davon, was der Klub erreichen will und kann. Deshalb einigten sich beide Seiten auf einen Vertrag bis 2016. "Qualität ist vorhanden, Ziel ist es, das zu verbessern. Ich will hier erfolgreichen Fußball spielen", sagt er. Dazu gehört für ihn auch ein möglicher Aufstieg. Teil des Plans von Union ist es, die internationale Erfahrung von Özbek zu nutzen, um dem Ziel Bundesliga Stück für Stück näher zu kommen.

Zunächst aber muss er Geduld haben, nach dem ersten Training stellte Baris Özbek fest: "Ich fühle mich körperlich sehr gut, brauche aber noch etwas, bis ich richtig im Saft bin." Deshalb lief er nach der Einheit erst einmal ein paar Extrarunden und war der Letzte, der vom kalten Platz in die warme Kabine huschte.

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